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Zürcher Bibel

1 So spricht der Herr: Sieh, ich erwecke gegen Babel und gegen die Bewohner von Leb-Kamai den Geist eines Vernichters.
2 Und ich schicke Fremde nach Babel, und sie werden es zerstreuen und sein Land verwüsten. Von überall her gehen sie dagegen vor am Tag des Unheils.
3 Wer seinen Bogen spannt, spanne ihn gegen den, der den Bogen spannt, und gegen den, der sich erhebt in seinem Panzer! Und schont nicht seine jungen Männer, sein ganzes Heer weiht der Vernichtung!1
4 Und durchbohrt werden sie daliegen im Land der Kasdäer und tödlich getroffen auf seinen Strassen.
5 Denn nicht durch die Schuld ihres Gottes sind Israel und Juda verwitwet, nicht durch die Schuld des HERRN der Heerscharen, sondern weil ihr Land voll ist von Schuld gegenüber dem Heiligen Israels.
6 Flieht aus Babel, und rettet euch, jeder sein Leben, ihr müsst nicht umkommen wegen seiner Bestrafung, denn es ist eine Zeit der Rache für den HERRN. Vergeltung! Er zahlt es ihm heim.
7 Ein goldener Kelch ist Babel in der Hand des HERRN, die ganze Erde macht er betrunken. Von seinem Wein haben die Nationen getrunken, darum verhalten sich die Nationen, als wären sie von Sinnen.
8 Plötzlich ist Babel gefallen und zerbrochen. Wehklagt seinetwegen! Holt Balsam für seinen Schmerz, vielleicht ist er zu heilen.
9 Wir wollten Babel heilen, aber es war nicht zu heilen. Verlasst es, und lasst uns gehen, ein jeder in sein Land! Denn bis zum Himmel reicht das Gericht an ihm, und bis zu den Wolken erhebt es sich.
10 Der HERR hat unsere gerechte Sache ans Licht gebracht. Kommt und lasst uns in Zion erzählen von der Tat des HERRN, unseres Gottes!
11 Schärft die Pfeile, füllt die Köcher! Der Herr hat den Geist der Könige der Meder erweckt, denn gegen Babel richtet sich sein Plan, es zu vernichten. Ja, das ist die Rache des HERRN, die Rache für seinen Tempel!
12 Gegen die Mauern von Babel erhebt das Feldzeichen, verstärkt die Wache, stellt Wächter auf, legt die Hinterhalte! Denn der HERR hat geplant und auch ausgeführt, was er den Bewohnern von Babel angekündigt hat.
13 Die du wohnst2 an Wassermassen, reich bist an Schätzen, dein Ende ist gekommen, dein Mass ist voll!
14 Der HERR der Heerscharen hat bei sich selbst geschworen: Wie mit Heuschrecken fülle ich dich mit Menschen, und sie werden in Kriegsgeschrei ausbrechen gegen dich.
15 Er ist es, der die Erde gemacht hat durch seine Kraft, den Erdkreis fest gegründet hat in seiner Weisheit und den Himmel ausgespannt in seiner Einsicht.
16 Ertönt sein Befehl, finden sich Wassermassen am Himmel ein, und Nebelschwaden lässt er aufsteigen vom Ende der Erde, zum Regen schafft er Blitze, und den Sturm holt er hervor aus seinen Kammern.
17 Dumm steht da ein jeder Mensch, ohne Erkenntnis, zuschanden wird jeder Schmied an seinen Bildern, denn sein gegossenes Bild ist Lüge, und kein Atem ist darin.
18 Sie sind Nichts, ein lächerliches Machwerk, zur Zeit ihrer Heimsuchung gehen sie unter.
19 Nicht wie diese ist der Anteil Jakobs3, denn er ist es, der alles gestaltet, und er ist der Stamm seines Erbbesitzes, HERR der Heerscharen ist sein Name.
20 Ein Hammer bist du mir, Waffen für den Krieg. Und mit dir zerschlage ich Nationen, und mit dir vernichte ich Königreiche.
21 Und mit dir zerschlage ich das Pferd und seinen Reiter, und mit dir zerschlage ich den Wagen und seinen Fahrer.
22 Und mit dir zerschlage ich Mann und Frau, und mit dir zerschlage ich Alt und Jung, und mit dir zerschlage ich den jungen Mann und die junge Frau.
23 Und mit dir zerschlage ich den Hirt und seine Herde, und mit dir zerschlage ich den Landarbeiter und sein Gespann, und mit dir zerschlage ich Statthalter und Vorsteher.
24 Und Babel und allen Bewohnern von Kasdäa werde ich vor euren Augen all das Böse vergelten, das sie in Zion verübt haben! Spruch des HERRN.
25 Sieh, ich gehe gegen dich vor, Berg des Verderbens, Spruch des HERRN, der du die ganze Erde verdirbst. Und ich strecke meine Hand aus gegen dich und wälze dich herab von den Felsen und mache dich zu einem Berg des Brandes.
26 Und weder Eckstein noch Grundstein kann man dir nehmen, denn du wirst in Trümmern liegen, für immer! Spruch des HERRN.
27 Erhebt das Feldzeichen auf der Erde! Blast den Schofar unter den Nationen! Weiht Nationen gegen sie4! Bietet die Königreiche Ararat, Minni und Aschkenas gegen sie auf! Setzt gegen sie einen Heerschreiber ein! Lasst Rosse heraufkommen wie borstige Heuschrecken!
28 Weiht gegen sie Nationen: die Könige von Medien, seine Statthalter und alle seine Vorsteher und sein gesamtes Herrschaftsgebiet.
29 Da bebte die Erde und erzitterte, denn an Babel haben sich die Pläne des HERRN erfüllt, das Land Babel zu verwüsten, niemand wohnt mehr darin.
30 Die Helden von Babel haben aufgehört zu kämpfen, sie sitzen in den Festungen, ihre Kraft ist versiegt, wie Frauen sind sie geworden. Seine5 Wohnstätten hat man angezündet, seine Riegel sind zerbrochen.
31 Ein Läufer läuft dem anderen Läufer entgegen und ein Melder dem anderen Melder, um dem König von Babel zu melden, dass seine Stadt eingenommen worden ist von allen Seiten
32 und dass die Furten besetzt und die Vorwerke im Feuer verbrannt und die Krieger von Sinnen sind.
33 Denn so spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Die Tochter Babel ist wie ein Dreschplatz in der Zeit, da man ihn feststampft, noch eine kleine Weile, dann kommt für sie die Zeit der Ernte.
34 Gefressen, ausgesaugt hat mich Nebukadrezzar, der König von Babel, als leeres Gefäss hat er mich abgestellt, wie ein Ungeheuer hat er mich verschlungen, hat seinen Bauch gefüllt mit dem, was mir gefiel, hat mich fortgestossen.
35 Die an mir begangene Gewalttat und mein Zusammenbruch6 über Babel!, soll die Bewohnerin von Zion sagen. Und mein Blut über die Bewohner im Land der Kasdäer!, soll Jerusalem sagen.
36 Darum, so spricht der HERR: Sieh, ich führe deinen Rechtsstreit und werde die Rache für dich vollziehen. Und sein Meer werde ich versiegen lassen, und seine Quelle lasse ich austrocknen.
37 Und Babel wird zu Steinhaufen, zur Behausung für Schakale, wird verwüstet und wird ein Anlass zum Zischen, niemand wohnt mehr darin.
38 Sie alle brüllen wie die Löwen, knurren wie Löwenjunge.
39 Wenn sie erhitzt sind, richte ich ihre Gelage aus und mache sie betrunken, damit sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen und nicht mehr erwachen! Spruch des HERRN.
40 Wie Lämmer zur Schlachtung lasse ich sie niedersinken, wie Widder und Böcke.
41 Wie ist Scheschach eingenommen und erobert der Ruhm der ganzen Welt! Wie ist Babel zum Anlass des Entsetzens geworden unter den Nationen!
42 Aufgestiegen über Babel ist das Meer, von seinen tosenden Wogen wurde es bedeckt.
43 Seine Städte sind verwüstet, ein Land der Dürre und eine Steppe, ein Land - niemand wohnt mehr darin, und kein Mensch wandert hindurch.
44 Und in Babel suche ich Bel heim, und was er verschlungen hat, reisse ich ihm aus dem Rachen. Und die Nationen werden ihm nicht mehr zuströmen. Auch Babels Mauer ist gefallen.
45 Mein Volk, zieh fort von dort, und rettet euch, ein jeder, vor dem glühenden Zorn des HERRN,
46 dass euer Herz nicht verzagt und ihr euch nicht fürchtet wegen der Kunde, die vernommen wird im Land - in einem Jahr kommt diese Kunde und danach, im nächsten Jahr, jene Kunde -, dass Gewalttat herrscht im Land und Herrscher gegen Herrscher steht.
47 Darum, sieh, es kommen Tage, da suche ich die Götzenbilder von Babel heim, und sein ganzes Land wird zuschanden, und in seiner Mitte liegen all seine Erschlagenen.
48 Und Himmel und Erde und alles, was darin ist, wird jubeln über Babel, denn von Norden her ziehen die Verwüster gegen Babel heran! Spruch des HERRN.
49 Auch Babel muss fallen, ihr Erschlagenen Israels, sind doch überall auf der Erde für Babel Erschlagene gefallen.
50 Die ihr dem Schwert entkommen seid, bewegt euch, bleibt nicht stehen. Denkt an den HERRN in der Ferne, und Jerusalem komme in euren Sinn!
51 Wir sind zuschanden geworden, Schändliches haben wir uns anhören müssen, Scham bedeckt unsere Gesichter. Denn Fremde sind gekommen über die heiligen Dinge im Haus des HERRN.
52 Darum, sieh, es kommen Tage, Spruch des HERRN, da suche ich seine Götzenbilder heim, und überall in seinem Land werden Durchbohrte stöhnen.
53 Wenn Babel hinaufstiege in den Himmel und seine starke Höhe unzugänglich machte - von mir her zögen die Verwüster gegen Babel! Spruch des HERRN.
54 Horch! Geschrei aus Babel und grosser Zusammenbruch im Land der Kasdäer!
55 Denn der HERR verwüstet Babel und macht dem lauten Lärmen in ihm ein Ende. Und wie Wassermassen brausen ihre Wogen, es ertönt der Lärm ihrer Stimmen.
56 Ja, der Verwüster kommt über es, über Babel, und seine Helden werden gefangen; zerbrochen sind ihre Bogen. Denn ein Gott der Vergeltung ist der HERR, er zahlt es heim!
57 Und seine Fürsten und seine Weisen, seine Statthalter, seine Vorsteher und seine Helden mache ich betrunken, dass sie einen ewigen Schlaf schlafen und nicht mehr erwachen! Spruch des Königs, HERR der Heerscharen ist sein Name.
58 So spricht der HERR der Heerscharen: Die breite Mauer Babels wird geschleift bis auf den Grund, und seine hohen Tore werden im Feuer verbrannt, so dass Völker sich mühen für nichts und Nationen sich abmühen für das Feuer.
59 Das Wort, das Jeremia, der Prophet, dem Seraja, dem Sohn des Nerija, des Sohns von Machseja, gebot, als dieser mit Zidkijahu, dem König von Juda, nach Babel ging im vierten Jahr seiner Königsherrschaft. Und Seraja war Quartiermeister.
60 Und in einem Buch schrieb Jeremia all das Unheil auf, das über Babel kommen sollte, alle diese Worte, die über Babel aufgeschrieben sind.
61 Und Jeremia sagte zu Seraja: Wenn du nach Babel kommst, dann sieh zu und verlies alle diese Worte
62 und sprich: HERR, du hast dieser Stätte angekündigt, sie zu vernichten, dass kein Bewohner in ihr bleiben soll, kein Mensch und auch kein Tier, da sie für immer in Trümmern liegen wird.
63 Und wenn du diese Schrift ganz verlesen hast, binde einen Stein daran und wirf sie in den Eufrat
64 und sprich: So wird Babel versinken, und es wird nicht wieder auftauchen wegen des Unheils, das ich über es bringe. Und sie werden sich abmühen. So weit die Worte Jeremias.
1 Die Übersetzung des Verses ist unsicher.
2 Babel kann, wie alle Städte, wie eine Frau angesprochen werden.
3 Siehe die Anm. zu 10,16.
4 Mit 'sie' ist die Stadt Babel gemeint.
5 Mit 'seine' ist Babel gemeint.
6 Die Übersetzung "mein Zusammenbruch" beruht auf einer Korrektur des Massoretischen Texts ("mein Fleisch").
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