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Zürcher Bibel

Untreue des Volks und Ankündigung der Strafe

1 Durchstreift die Gassen Jerusalems, und seht doch und erkundet und sucht auf ihren1 Plätzen, ob ihr einen findet, ob es einen gibt, der Recht übt, der Treue sucht, damit ich ihr vergebe.
2 Und wenn sie sagen: So wahr der HERR lebt! Sie schwören falsch!
3 HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet? Du hast sie geschlagen, aber es schmerzt sie nicht, du hast sie aufgerieben, sie haben sich geweigert, die Unterweisung anzunehmen. Härter als Fels haben sie ihr Angesicht gemacht, sie weigern sich zurückzukehren.
4 Ich aber, ich sagte mir: Das sind die Geringen, sie sind töricht, denn sie verstehen nicht den Weg des HERRN, das Recht ihres Gottes.
5 Ich will zu den Grossen gehen, und mit ihnen will ich reden, denn sie verstehen den Weg des HERRN, das Recht ihres Gottes. Aber zusammen haben sie das Joch zerbrochen, die Stricke zerrissen.
6 Deshalb schlägt sie der Löwe im Wald, in den Steppen verstümmelt sie der Wolf, vor ihren Städten lauert der Panther, wer immer sie verlässt, wird zerrissen. Denn zahlreich sind ihre Vergehen, und oft sind sie abgefallen.
7 Wie sollte ich dir da verzeihen? Deine Kinder haben mich verlassen, und sie haben bei denen geschworen, die nicht Gott sind. Und ich habe sie satt gemacht, sie aber haben die Ehe gebrochen, und immer wieder waren sie zu Gast im Hurenhaus.
8 Brünstige Hengste sind sie geworden, geil, ein jeder wiehert nach der Frau des anderen.
9 Sollte ich dies nicht ahnden, Spruch des HERRN, und mich nicht rächen an einer Nation wie dieser?
10 Steigt hinauf in ihre Pflanzungen2 und verwüstet sie, doch vernichtet sie nicht ganz. Entfernt ihre Ranken, denn sie gehören nicht zum HERRN.
11 Wie treulos sie an mir gehandelt haben, das Haus Israel und das Haus Juda! Spruch des HERRN.
12 Sie haben den HERRN verleugnet und haben gesagt: Er nicht! Und kein Unheil wird über uns kommen, und Schwert und Hunger werden wir nicht sehen.
13 Und die Propheten werden zu Wind, und das Wort ist nicht in ihnen. So wird es ihnen selbst ergehen!
14 Darum, so spricht der HERR, der Gott der Heerscharen: Weil ihr dies sagt - sieh, zu Feuer mache ich meine Worte in deinem Mund, und dieses Volk ist Brennholz, und es wird sie fressen.
15 Seht, ich bringe über euch, Haus Israel, Spruch des HERRN, eine Nation aus der Ferne. Es ist eine Nation, die Bestand hat, es ist eine Nation, die es schon immer gab, eine Nation, deren Sprache du nicht kennst, und was sie redet, kannst du nicht verstehen.
16 Wie ein offenes Grab ist ihr Köcher, sie alle sind Helden.
17 Und sie wird deine Ernte fressen und dein Brot, sie werden deine Söhne fressen und deine Töchter, sie wird deine Schafe fressen und deine Rinder, sie wird deinen Weinberg kahl fressen und deinen Feigenbaum. Deine befestigten Städte, auf die du dich verlässt, zerschlägt sie mit dem Schwert.
18 Doch auch in jenen Tagen, Spruch des HERRN, will ich euch nicht ganz vernichten.
19 Und wenn ihr sagt: Wofür hat der HERR, unser Gott, uns all dies angetan?, dann sage ihnen: Wie ihr mich verlassen und fremden Göttern gedient habt in eurem eigenen Land, so werdet ihr Fremden dienen in einem Land, das euch nicht gehört.
20 Verkündet dies im Haus Jakob und lasst es hören in Juda:
21 Hört doch dies, dummes Volk ohne Verstand. Augen haben sie und sehen nicht, Ohren haben sie und hören nicht!
22 Mich wollt ihr nicht fürchten, Spruch des HERRN, vor mir nicht zittern, der ich dem Meer den Sand als Grenze gesetzt habe, als ewige Schranke, die es nicht überschreiten darf? Und wogten die Wellen auch hin und her, nichts können sie erreichen, und brausen auch seine Wogen, sie werden sie nicht überschreiten.3
23 Dieses Volk aber hatte ein störrisches und widerspenstiges Herz, abgewichen sind sie und fortgegangen.
24 Und nie haben sie in ihrem Herzen gesagt: Lasst uns den HERRN, unseren Gott, fürchten, der Regen gibt, Frühregen und Spätregen zur rechten Zeit, die Wochen der Erntefrist sichert er uns.
25 Eure Verschuldungen haben dies gestört, und eure Sünden haben das Gute von euch fern gehalten.
26 Denn in meinem Volk finden sich Frevler; wie der Vogelfänger lauert man im Versteck, Fallen stellen sie, fangen Menschen.
27 Wie ein Käfig voller Vögel, so sind ihre Häuser voller Trug, darum sind sie gross geworden und reich.
28 Fett sind sie geworden, feist4, selbst das Mass des Bösen haben sie überschritten, das Recht haben sie nicht durchgesetzt, das Recht der Waise, sie haben sie nicht zum Erfolg geführt, und den Rechtsanspruch der Armen haben sie nicht eingelöst.
29 Sollte ich dies nicht ahnden, Spruch des HERRN, mich nicht rächen an einer Nation wie dieser?
30 Entsetzliches und Grässliches hat sich ereignet im Land:
31 Verlogen haben die Propheten geweissagt, und die Priester herrschten mit ihrer Unterstützung, und meinem Volk hat es so gefallen. Was aber werdet ihr tun danach?
1 Mit "ihren Plätzen" sind die Plätze Jerusalems gemeint.
2 Die genaue Bedeutung des mit 'Pflanzungen' wiedergegebenen hebräischen Worts ist unsicher.
3 "die Wellen" wurde in der Übersetzung ergänzt. Mit "sie nicht überschreiten" ist gemeint, dass die Grenze oder Schranke nicht überschritten wird.
4 Die Bedeutung des mit 'feist' wiedergegebenen hebräischen Worts ist unsicher.
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