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Zürcher Bibel

Israels Untreue

1 Und das Wort des HERRN erging an mich:
2 Geh und rufe in die Ohren Jerusalems: So spricht der HERR: Ich erinnere mich an dich - an die Treue deiner Jugend, die Liebe deiner Brautzeit, du folgtest mir in der Wüste, im nicht besäten Land.
3 Heilig war Israel dem HERRN, das Beste seiner Ernte; alle, die davon assen, wurden schuldig, Unheil kam über sie. Spruch des HERRN.
4 Hört das Wort des HERRN, Haus Jakob und all ihr Sippen des Hauses Israel.
5 So spricht der HERR: Was haben eure Vorfahren Schlechtes gefunden an mir, dass sie sich von mir entfernten und denen nachliefen, die nichts sind, um selbst zunichte zu werden?
6 Und sie haben nicht gefragt: Wo ist der HERR, der uns heraufgeführt hat aus dem Land Ägypten, der uns geführt hat in der Wüste, im Land von Steppe und Schlucht, im Land von Dürre und tiefster Dunkelheit, im Land, das niemand durchwandert und in dem kein Mensch wohnt?
7 Und ins Land der Baumgärten habe ich euch gebracht, damit ihr seine Früchte und, was es Gutes bietet, essen konntet. Ihr aber seid gekommen und habt mein Land unrein und meinen Erbbesitz abscheulich gemacht.
8 Die Priester haben nicht gefragt: Wo ist der HERR? Und die Hüter der Weisung haben mich nicht gekannt, und die Hirten sind von mir abgefallen, und die Propheten weissagten im Namen des Baal und liefen denen nach, die nichts nützen.
9 Darum werde ich weiterhin mit euch rechten, Spruch des HERRN, und auch mit den Kindern eurer Kinder werde ich rechten.
10 Geht hinüber zu den Inseln der Kittäer und seht, und sendet nach Kedar und gebt sorgsam acht! Und seht, ob es je dergleichen gegeben hat:
11 Hat je eine Nation Götter eingetauscht? Und das sind nicht einmal Götter! Mein Volk aber hat seine Herrlichkeit eingetauscht gegen das, was nichts nützt.
12 Entsetze dich, Himmel, darüber, und erschaudere über die Massen1! Spruch des HERRN.
13 Denn eine doppelte Bosheit hat mein Volk begangen: Mich haben sie verlassen, die Quelle lebendigen Wassers, um sich dann Brunnen auszuhauen, rissige Brunnen, die das Wasser nicht halten.
14 Ist Israel ein Sklave oder ein unfrei Geborener2? Warum ist er zur Beute geworden?
15 Immerfort haben die Löwen gegen ihn gebrüllt, haben ihre Stimme erhoben und sein Land zur Wüste gemacht, seine Städte sind verbrannt, sind ohne Bewohner.
16 Auch die von Nof und Tachpanches werden dir den Scheitel abweiden.
17 Hast du dir dies nicht selbst angetan, da du den HERRN, deinem Gott, verlassen hast in der Zeit, als er dich leitete auf dem Weg?
18 Und nun, was bringt dir der Weg nach Ägypten - um Wasser des Schichor zu trinken? Und was bringt dir der Weg nach Assur - um Wasser des Stroms zu trinken?
19 Deine eigene Bosheit wird dich züchtigen, und deine Abtrünnigkeit wird dich strafen. Erkenne und sieh: Böse und bitter ist es, dass du den HERRN, deinen Gott, verlassen hast und dass du keine Furcht vor mir hast! Spruch des Herrn, des HERRN der Heerscharen.
20 Denn schon vor langer Zeit habe ich dein Joch zerbrochen, habe ich deine Fesseln zerrissen, du aber hast gesagt: Ich diene nicht! Auf jedem hohen Hügel und unter jedem saftig-grünen Baum hast du dich als Hure geräkelt!3
21 Ich aber hatte dich als edle Rebe gepflanzt, als ganz und gar ehrliches Gewächs, und wie hast du dich mir verändert zum abartigen Weinstock - fremd!
22 Selbst wenn du dich mit Lauge schrubbtest und dir noch so viel Laugensalz nähmst, der Schmutz deiner Schuld bleibt vor mir! Spruch Gottes des HERRN.
23 Wie kannst du sagen: Ich habe mich nicht unrein gemacht, bin nicht den Baalen nachgelaufen! Sieh dir deinen Weg an im Tal, erkenne, was du getan hast: eine leichtfüssige junge Kamelstute, die hin und her läuft auf ihren Wegen.
24 Eine wilde Eselin, an die Wüste gewöhnt, in ihrer Gier schnappt sie nach Luft. Ihre Brunst, wer kann sie hemmen? Wer immer sie sucht, braucht sich nicht anzustrengen, in ihrer Brunstzeit findet man sie.
25 Bewahre deinen Fuss vor dem Barfussgehen und deine Kehle vor dem Dürsten. Du aber hast gesagt: Verflucht! Nein! Denn ich liebe die Fremden, und ihnen werde ich nachlaufen.
26 In Schande, wie der Dieb, wenn er ertappt wird, so sind sie beschämt, das Haus Israel: sie, ihre Könige, ihre Fürsten und ihre Priester und ihre Propheten,
27 die zum Holz sagen: Du bist mein Vater!, und zum Stein: Du hast mich geboren!4 Mir haben sie den Rücken zugekehrt und nicht das Gesicht! In der Zeit ihrer Not aber sagen sie: Mach dich doch auf und hilf uns!
28 Wo sind denn deine Götter, die du dir gemacht hast? Sollen doch sie sich aufmachen! Ob sie dir helfen in der Zeit deiner Not? So zahlreich wie deine Städte sind deine Götter geworden, Juda!
29 Warum streitet ihr mit mir? Ihr alle seid von mir abgefallen! Spruch des HERRN.
30 Vergeblich habe ich eure Kinder geschlagen, sie haben die Unterweisung nicht angenommen. Wie ein reissender Löwe hat euer Schwert eure Propheten gefressen.
31 Welch eine Generation seid ihr! Seht das Wort des HERRN. Bin ich eine Wüste geworden für Israel oder ein Land der Finsternis? Warum spricht mein Volk: Immer sind wir frei umhergeschweift, zu dir werden wir nicht mehr kommen.
32 Vergisst eine Jungfrau ihren Schmuck, eine Braut ihre Brustbänder? Mein Volk aber hat mich vergessen, schon vor unendlich langer Zeit.
33 Wie geschickt du es anstellst, Liebschaft zu suchen. Darum hast du dein Leben selbst an Übeltaten gewöhnt.
34 Selbst an deinen Säumen findet sich das Blut von unschuldigen, armen Menschen. Nicht bei Einbrechern habe ich es gefunden, sondern an diesen allen.5
35 Du aber hast gesagt: Ich bin unschuldig, hat doch sein Zorn sich von mir abgewandt! Sieh, ich werde mit dir ins Gericht gehen, weil du sagst: Ich habe nicht gesündigt.
36 Wie leicht es dir fällt, deinen Weg zu ändern! Auch an Ägypten wirst du zuschanden werden, wie du an Assur zuschanden geworden bist.
37 Auch von dort wirst du ausziehen, mit den Händen auf dem Kopf, denn der HERR hat die verworfen, auf die du vertraust, und mit ihnen wirst du keinen Erfolg haben.
1 Die Übersetzung "..., und erschaudere über die Massen! ..." beruht auf der griechischen Überlieferung; der Massoretische Text lautet übersetzt: "..., und erschaudere, sehr tief heftig erschüttert! ..."
2 Mit "ein unfrei Geborener" (wörtlich: "ein im Haus Geborener") ist das Kind eines Sklaven gemeint.
3 Von Israel wird häufig im Bild einer Frau gesprochen.
4 In einer anderen hebräischen Tradition lautet der Text: "...: Du hast uns geboren! ..."
5 Möglicherweise ist zu übersetzen: "Nicht bei einem Einbruch hast du sie ertappt, sondern bei all diesem."
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