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Zürcher Bibel

Hiobs Antwort

1 Da antwortete Hiob und sprach:
2 Gewiss, ich weiss, so ist es, und wie könnte ein Mensch im Recht sein vor Gott?
3 Wenn er mit ihm streiten wollte, könnte er ihm nicht auf eins von tausend Antwort geben.
4 Er hat ein weises Herz und grosse Kraft. Wer hat ihm je getrotzt und blieb unversehrt?
5 Berge versetzt er, und sie merken es nicht, in seinem Zorn stürzt er sie um.
6 Die Erde schreckt er auf von ihrem Ort, und ihre Säulen erzittern.
7 Zur Sonne spricht er, und sie strahlt nicht auf, und die Sterne legt er unter Siegel.
8 Er spannte den Himmel aus, er allein, und er schritt einher auf den Wogen des Meeres.
9 Er schuf den Grossen Bären, den Orion, das Siebengestirn und die Kammern des Südens.
10 Grosses tut er, Unergründliches, und Wunderbares, ohne Zahl.
11 Geht er an mir vorüber, sehe ich ihn nicht, und zieht er vorbei, erkenne ich ihn nicht.
12 Rafft er hinweg, wer kann ihn hindern, wer darf zu ihm sagen: Was tust du da?
13 Gott hält seinen Zorn nicht zurück, unter ihm haben sich die Helfer Rahabs gebeugt.
14 Und wie könnte ich ihm Rede stehen, meine Worte wählen vor ihm?
15 Auch wenn ich im Recht bin, kann ich nicht antworten, zu meinem Richter muss ich um Gnade flehen.
16 Riefe ich und gäbe er mir Antwort, ich glaube nicht, dass er wirklich auf mich hörte.
17 Im Sturm wird er nach mir greifen und ohne Grund meine Wunden mehren.
18 Er lässt mich keinen Atem schöpfen, sondern erfüllt mich mit bitterem Leid.
19 Sucht man die Kraft eines Starken: Seht, da ist er! Doch sucht man das Recht: Wer lädt ihn vor?
20 Auch wenn ich im Recht bin, meine Worte setzen mich ins Unrecht. Schuldlos bin ich, er aber hat mich schuldig gesprochen.
21 Schuldlos bin ich! Ich sorge mich nicht, ich verachte mein Leben.
22 Es ist alles eins! Darum sage ich: Den Schuldlosen wie den Schuldigen bringt er um.
23 Wenn die Geissel plötzlich tötet, lacht er über die Verzweiflung der Unschuldigen.
24 In die Hand eines Frevlers ist die Erde gegeben, das Gesicht ihrer Richter verhüllt er. Wenn nicht er, wer ist es dann?
25 Und schneller als ein Läufer sind meine Tage dahingeeilt, sie sind entflohen, nichts Gutes haben sie gesehen.
26 Wie Kähne aus Schilfrohr sind sie vorübergeschossen, dem Adler gleich, der sich auf seine Beute stürzt.
27 Wenn ich denke: Ich will mein Leid vergessen, will meine Miene ändern und heiter blicken,
28 so graut mir vor all meinen Schmerzen. Ich weiss, du sprichst mich nicht frei.
29 Schuldig soll ich sein, warum soll ich mich vergeblich abmühen?
30 Auch wenn ich mich mit Schnee gewaschen und meine Hände mit Lauge gereinigt hätte,
31 würdest du mich in die Grube tauchen, dass meine Kleider sich vor mir ekelten.
32 Denn er ist kein Mann wie ich, dem ich antworten könnte, dass wir zusammen vor Gericht gingen.
33 Kein Richter vermittelt zwischen uns und legt seine Hand auf uns beide.
34 Seinen Stock soll er von mir nehmen, und sein Schrecken soll mich nicht mehr ängstigen.
35 Dann kann ich reden und muss mich nicht vor ihm fürchten, denn dazu habe ich keinen Grund.
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