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Zürcher Bibel

1 Ist des Menschen Los auf Erden nicht Kriegsdienst, und sind seine Tage nicht wie die Tage eines Söldners?
2 Wie einem Sklaven, der nach Schatten lechzt, und wie einem Tagelöhner, der auf seinen Lohn hofft,
3 so gab man Monde der Enttäuschung mir zum Erbe, und Nächte voller Mühsal wurden mir zugeteilt.
4 Wenn ich mich niederlege, denke ich: Wann kann ich aufstehen? Doch der Abend zieht sich hin, und ich bin voller Unrast, bis es dämmert.
5 Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut ist verharscht und eitert.
6 Schneller als ein Weberschiffchen sind meine Tage verflogen, und ohne Hoffnung sind sie dahingeschwunden.
7 Bedenke, mein Leben ist ein Hauch, nie wieder wird mein Auge Gutes sehen.
8 Kein Auge, das nach mir sieht, erblickt mich, wenn deine Augen mich suchen, bin ich nicht mehr da.
9 Wie die Wolke, die entschwand und dahinzog, so kommt nicht mehr herauf, wer ins Totenreich hinabstieg.
10 In sein Haus kehrt er nicht mehr zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.
11 Darum will auch ich meinen Mund nicht zügeln, will reden in der Not meines Herzens, will klagen im bitteren Leid meiner Seele.
12 Bin ich das Meer oder ein Drache, dass du eine Wache aufstellst gegen mich?
13 Wenn ich dachte: Mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll meine Verzweiflung lindern,
14 so erschrecktest du mich mit Träumen und überfielst mich mit Gesichten,
15 so dass ich lieber ersticken wollte, der Tod mir lieber war als dieser Körper.
16 Ich gebe auf, ich will nicht ewig weiterleben. Lass ab von mir, denn nur ein Hauch sind meine Tage.
17 Was ist der Mensch, dass du ihn wichtig nimmst und auf ihn achtest,
18 dass du ihn jeden Morgen prüfst, ihn jeden Augenblick erprobst?
19 Wann endlich blickst du weg von mir, lässt mich in Ruhe, nur für einen Atemzug?1
20 Wenn ich gesündigt habe, was schadet es dir, du Hüter der Menschen? Warum hast du mich zu deiner Zielscheibe gemacht, dass ich mir selbst eine Last bin?
21 Und warum vergibst du nicht mein Vergehen und verzeihst nicht meine Schuld? Nun werde ich mich in den Staub legen, und wenn du mich suchst, so bin ich nicht mehr da.
1 Wörtlich: "..., lässt mich in Ruhe, bis ich meinen Speichel geschluckt habe?"
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