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Zürcher Bibel

Hiobs Antwort

1 Da antwortete Hiob und sprach:
2 Würde doch mein Unmut gewogen und mein Unglück dazu auf die Waage gelegt.
3 Es ist nun schwerer als der Sand der Meere, darum waren meine Worte unbedacht.
4 Die Pfeile Schaddais stecken in mir, mein Geist hat ihr Gift getrunken, die Schrecken Gottes greifen mich an.
5 Schreit denn ein Wildesel, wenn er Gras hat, oder brüllt ein Rind, wenn es sein Futter hat?
6 Isst man Fades ohne Salz, und findet man Geschmack am Schleim des Eibisch1?
7 Ich sträube mich, es anzurühren, es ist wie verdorbenes Brot.
8 Käme doch, worum ich bitte, und gäbe Gott, worauf ich hoffe.
9 Wollte Gott mich doch zermalmen, seine Hand ausstrecken und mich abschneiden.
10 So könnte ich mich noch trösten und tanzen in schonungslosem Schmerz, denn ich habe die Worte des Heiligen nicht verleugnet.
11 Was ist meine Kraft, dass ich ausharre, und was ist mein Ende, dass ich mich gedulde?
12 Ist denn meine Kraft die Kraft von Steinen, und ist mein Fleisch aus Erz?
13 Ich selbst kann mir nicht helfen, und Rettung ist fern von mir!
14 Der Verzweifelte verdient das Mitleid seines Freundes, auch wenn er Schaddai nicht mehr fürchtet.
15 Meine Brüder sind trügerisch wie ein Bach, wie Wasserläufe, die versickern,
16 die trübe sind vom Eis, in denen der Schnee sich verbirgt:
17 In der Sommerglut sind sie verschwunden, wenn es heiss wird, sind sie an ihrer Stätte versiegt.
18 Karawanen schlagen den Weg zu ihnen ein, sie ziehen hinauf in die Wüste und kommen um.
19 Die Karawanen von Tema hielten Ausschau nach ihnen, auf sie hofften die Wanderzüge von Saba.
20 Sie wurden zuschanden, weil sie vertrauten, sie kamen hin und wurden betrogen.
21 So seid ihr jetzt für mich geworden. Ihr schaut das Schreckliche und fürchtet euch.
22 Habe ich denn gesagt: Gebt mir etwas, und von eurem Vermögen bringt mir Geschenke,
23 und rettet mich aus der Hand des Bedrängers, und kauft mich los aus der Hand der Gewalttätigen!?
24 Belehrt mich, und ich will schweigen, und erklärt mir, wo ich mich verging!
25 Wie könnten aufrichtige Worte kränken? Und was tadelt euer Tadel?
26 Wollt ihr etwa Worte tadeln? Und spricht der Verzweifelte in den Wind?
27 Selbst um eine Waise würdet ihr losen, und um euren Freund würdet ihr feilschen.
28 Wollt ihr euch jetzt nicht zu mir wenden? Ich lüge euch gewiss nicht ins Angesicht.
29 Kehrt um, kein Unrecht soll geschehen, kehrt um, noch bin ich im Recht.
30 Ist denn Unrecht auf meiner Zunge, und schmeckt mein Gaumen nicht, was verderblich ist?
1 Der Schleim des Eibisch-Strauchs wurde als Medikament verwendet.
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