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Zürcher Bibel

Die Reden Gottes und Hiobs Antworten

1 Und der HERR antwortete Hiob aus dem Sturm und sprach:
2 Wer behauptet, mein Walten sei finster, und redet ohne Einsicht?
3 Gürte deine Lenden wie ein Mann, dann will ich dich fragen, und du lehre mich!
4 Wo warst du, als ich die Erde gegründet habe? Rede, wenn du es weisst!
5 Wer hat ihre Masse bestimmt? Weisst du es? Und wer hat die Messschnur über sie gespannt?
6 Wo sind ihre Pfeiler eingesenkt, und wer hat ihren Eckstein gelegt,
7 als alle Morgensterne jauchzten und alle Götter jubelten?
8 Und wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es hervorbrach aus dem Mutterschoss?
9 Ich habe ihm Gewölk als Kleid gegeben und dunkle Wolken als Windeln.
10 Ich habe ihm ein Becken gegraben und ihm Tor und Riegel gegeben.
11 Und ich habe gesagt: Bis hierher und nicht weiter! Hier müssen deine stolzen Wogen sich legen.
12 Hast du in deinem Leben je dem Morgen geboten, der Morgenröte ihren Ort gezeigt,
13 dass sie die Enden der Erde fasse und die Frevler von ihr abgeschüttelt werden?
14 Wie Ton unter dem Siegel wandelt sie sich und wirft Falten wie ein buntes Kleid.
15 Den Frevlern wird ihr Licht genommen, und der erhobene Arm wird zerbrochen.
16 Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der Urflut geschritten?
17 Haben sich dir die Tore des Todes aufgetan, und hast du die Tore der Finsternis gesehen?
18 Hast du ermessen, wie weit die Erde ist? Rede, wenn du das alles weisst!
19 Wo ist der Weg zur Wohnung des Lichts, und wo hat die Finsternis ihren Ort?
20 Kannst du sie in ihr Gebiet begleiten, und kennst du die Wege zu ihrem Haus?
21 Du weisst es, du wurdest ja damals geboren, und gross ist die Zahl deiner Tage!
22 Bist du zu den Speichern des Schnees gelangt, und hast du die Speicher des Hagels gesehen?
23 Ich habe sie aufgespart für die Zeit der Bedrängnis, für den Tag des Kampfes und der Schlacht.
24 Auf welchem Weg breitet das Licht sich aus, verteilt der Ostwind sich über die Erde?
25 Wer hat der Regenflut die Bahn gebrochen und Blitz und Donner den Weg bestimmt,
26 es regnen zu lassen auf unbewohntes Land, auf die menschenleere Wüste,
27 den Durst von Öde und Wildnis zu stillen und frisches Gras gedeihen zu lassen?
28 Hat der Regen einen Vater, und wer hat die Tropfen des Taus gezeugt?
29 Aus wessen Schoss ist das Eis gekommen, und wer hat den Reif des Himmels geboren?
30 Zu Stein erstarren die Gewässer, und die Wasserfläche gefriert.
31 Knüpfst du die Bande des Siebengestirns, und löst du die Fesseln des Orion?
32 Führst du die Sterne des Tierkreises heraus zur rechten Zeit, und leitest du den Grossen und den Kleinen Bären?
33 Kennst du die Gesetze des Himmels, und setzt du auf der Erde seine Herrschaft durch?
34 Erhebst du deine Stimme zu den Wolken, dass ein Regenguss auf dich niederströmt?
35 Entsendest du die Blitze, dass sie niederfahren und zu dir sagen: Hier sind wir!?
36 Wer hat dem Ibis Weisheit verliehen und wer dem Hahn Einsicht gegeben?1
37 Wer zählt mit Weisheit die Wolken ab, und wer schüttet die Krüge des Himmels aus,
38 wenn der Erdboden hart ist, als sei er gegossen, und die Schollen fest aneinander haften?
39 Erjagst du Beute für die Löwin, stillst du die Gier der jungen Löwen,
40 wenn sie kauern in den Höhlen, im Dickicht auf der Lauer liegen?
41 Wer bereitet dem Raben sein Futter, wenn seine Jungen zu Gott schreien, ohne Nahrung umherflattern?
1 Ibis und Hahn galten als Wetterpropheten.
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