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Zürcher Bibel

1 So achte, Hiob, auf meine Rede, und allen meinen Worten höre zu.
2 Sieh doch, ich habe meinen Mund geöffnet, es redet die Zunge in meinem Mund.
3 Aus aufrichtigem Herzen kommen meine Worte, und meine Lippen künden klare Erkenntnis.
4 Der Geist Gottes hat mich geschaffen, und der Atem Schaddais gibt mir Leben.
5 Widerlege mich, wenn du es kannst, lege es mir vor und stelle dich!
6 Sieh, vor Gott bin ich wie du, vom Lehm genommen bin auch ich.
7 Sieh, Furcht vor mir muss dich nicht schrecken, und kein Drängen von mir soll auf dir lasten.
8 Aber vor meinen Ohren hast du gesagt, und ich höre noch den Laut deiner Worte:
9 Rein bin ich, ohne Vergehen, makellos und frei von Schuld.
10 Seht, er erfindet Anklagen gegen mich, er behandelt mich wie seinen Feind.
11 Er legt meine Füsse in den Block, überwacht alle meine Wege.
12 Sieh, da hast du nicht Recht. Ich antworte dir: Gott ist grösser als der Mensch.
13 Warum hast du ihm vorgeworfen, dass er auf Menschenworte keine Antwort gebe?
14 Einmal redet Gott und ein zweites Mal, doch man achtet nicht darauf.
15 Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt, im Schlummer auf dem Lager,
16 da öffnet er das Ohr der Menschen und erschreckt sie mit seiner Warnung.
17 Er will den Menschen abbringen von seinem Tun und dem Mann seinen Hochmut austreiben.
18 Er will ihn vor dem Grab bewahren und sein Leben vor dem Tod.
19 Und er wird gemahnt durch Schmerz auf seinem Lager und durch unaufhörlichen Streit in seinen Gliedern.
20 Und bei diesem Leben wird ihm das Brot zum Ekel und seiner Kehle die Lieblingsspeise.
21 Sein Fleisch schwindet dahin, es ist nicht mehr zu sehen, und blossgelegt sind seine Knochen, die man zuvor nicht sah.
22 So naht er sich dem Grab, und sein Leben naht sich den Todesmächten.
23 Ist dann ein Engel für ihn da, ein Mittler, einer von den tausend, der dem Menschen erklärt, was recht ist,
24 und sich seiner erbarmt und spricht: Lass ihn nicht ins Grab hinabfahren, das Lösegeld habe ich aufgebracht!,
25 wird sein Fleisch wieder frisch von Jugendkraft, zur Zeit seiner Jugend kehrt er zurück.
26 Er betet zu Gott, und der nimmt ihn gnädig an, und er darf sein Angesicht mit Freuden schauen. Und er gibt dem Menschen seine Unschuld wieder.
27 Er wird vor den Leuten lobsingen und sagen: Ich habe gesündigt und das Recht verkehrt, aber es ist mir nicht vergolten worden.
28 Er hat mich losgekauft, dass ich nicht ins Grab fuhr, und mein Leben darf das Licht schauen.
29 Sieh, dies alles tut Gott zweimal, dreimal mit dem Menschen:
30 Er holt ihn zurück aus dem Grab, dass ihm das Licht des Lebens leuchtet.
31 Gib acht, Hiob, hör mir zu, schweig, ich aber will reden!
32 Doch hast du Worte, so entgegne mir, sprich, denn gern gäbe ich dir Recht!
33 Wenn nicht, so hör du mir zu, schweig, und ich will dich Weisheit lehren!
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