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Zürcher Bibel

1 Einen Bund hatte ich mit meinen Augen geschlossen, nie einer Jungfrau nachzuschauen.
2 Was gäbe Gott von oben mir sonst als Teil und als Erbteil Schaddai aus der Höhe?
3 Trifft nicht Unglück den Frevler und Missgeschick die Übeltäter?
4 Sieht er nicht meine Wege, und zählt er nicht alle meine Schritte?
5 Habe ich mich auf Falschheit eingelassen, und eilte mein Fuss zum Betrug?
6 So wäge Gott mich auf gerechter Waage, und er wird erkennen, dass ich schuldlos bin.
7 Ist mein Schritt abgewichen vom Weg, und ist mein Herz meinen Augen gefolgt, und klebt an meinen Händen ein Makel?
8 So will ich säen, und ein anderer soll essen, und meine Sprösslinge sollen entwurzelt werden.
9 Hat mein Herz sich von einer Frau betören lassen, und habe ich an der Tür meines Nachbarn gelauert?
10 So soll meine Frau für einen anderen mahlen, und andere sollen sich auf sie legen.
11 Denn das wäre eine Schandtat und eine Schuld, die vor die Richter gehört.
12 Ein Feuer wäre es, das bis zum Abgrund fressen und meinen ganzen Ertrag vernichten würde.
13 Habe ich das Recht meines Knechtes und meiner Magd missachtet, wenn sie eine Klage gegen mich vorbrachten?
14 Was könnte ich tun, wenn Gott sich erhebt, und was ihm erwidern, wenn er es untersucht?
15 Hat nicht er, der mich im Mutterleib erschuf, auch ihn erschaffen, und hat nicht einer uns im Mutterschoss gebildet?
16 Habe ich den Armen einen Wunsch versagt und die Augen der Witwe verschmachten lassen?
17 Habe ich meinen Bissen allein gegessen, und die Waise ass nicht mit?
18 Von Jugend an hat er mich grossgezogen wie ein Vater und von Geburt an mich geleitet.
19 Habe ich mit angesehen, dass einer umkam, weil er keine Kleider hatte, und dass ein Armer keine Decke hatte?
20 Haben seine Lenden mich nicht gesegnet, und konnte er sich nicht wärmen mit der Wolle meiner Schafe?
21 Habe ich gegen die Waise meine Hand erhoben, weil ich Helfer für mich sah im Tor?
22 So soll meine Schulter mir vom Nacken fallen und mein Arm mir aus dem Gelenk brechen.
23 Denn mit Schrecken dachte ich an Gottes Strafe, und vor seiner Hoheit hätte ich nicht bestehen können.
24 Habe ich mein Vertrauen auf Gold gesetzt und das Feingold meine Zuversicht genannt?
25 Habe ich mich gefreut, dass mein Reichtum so gross war und dass meine Hand viel erworben hatte?
26 Habe ich gesehen, wie die Sonne strahlte und der Mond herrlich dahinzog,
27 und hat sich mein Herz dann heimlich betören lassen, so dass ich ihnen Kusshände zuwarf?
28 Auch das wäre eine Schuld, die vor die Richter gehört, denn ich hätte Gott in der Höhe verleugnet.
29 Habe ich mich über den Untergang meines Feindes gefreut und triumphiert, weil ihn ein Unglück traf?
30 Ich erlaubte meinem Mund nicht zu sündigen, mit einem Fluch sein Leben zu verwünschen.
31 Haben nicht meine Zeltgenossen gesagt: Wer wird von seinem Fleisch nicht satt?
32 Kein Fremdling musste im Freien nächtigen, dem Wanderer öffnete ich meine Türen.
33 Habe ich meine Vergehen verborgen, wie es Menschen tun, meine Schuld in meiner Brust versteckt,
34 weil ich die grosse Menge fürchtete und die Verachtung der Sippen mich erschreckte, so dass ich mich still verhielt und nicht vor die Türe ging?
35 Ach, hätte ich einen, der mich anhört! Hier ist mein Zeichen! Schaddai gebe mir Antwort! Hätte ich die Klageschrift, die mein Gegner geschrieben hat!
36 Auf meine Schulter wollte ich sie legen, als Kranz sie um das Haupt mir winden.
37 Jeden meiner Schritte wollte ich ihm kundtun, ihm nahen wie ein Fürst.
38 Hat mein Acker gegen mich geklagt, und weinten alle seine Furchen?
39 Habe ich seinen Ertrag verzehrt, ohne zu bezahlen, und seinen Besitzer ums Leben gebracht?
40 So sollen Dornen wachsen statt des Weizens, und statt der Gerste stinkendes Kraut! Zu Ende sind die Reden Hiobs.
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