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Zürcher Bibel

1 Jetzt aber lachen über mich, die jünger sind als ich, deren Vorfahren ich so verachtete, dass ich sie bei den Hunden meiner Herde nicht geduldet hätte.
2 Was hätte mir auch die Arbeit ihrer Hände genützt? Sie hatten ja keine Kraft mehr
3 aus Mangel und vor hartem Hunger. Sie nagen die Steppe ab, das wüste und öde Land.
4 Sie pflücken das Salzkraut beim Gesträuch, und Ginsterwurzeln sind ihre Speise.
5 Aus der Gemeinschaft werden sie vertrieben, man schreit ihnen nach wie einem Dieb.
6 An den Talhängen müssen sie hausen, in Erdlöchern und Felsklüften.
7 In den Sträuchern schreien sie, unter wildem Gestrüpp drängen sie sich zusammen.
8 Verworfene Leute ohne Namen, sie wurden hinausgepeitscht aus dem Land.
9 Und nun singen sie Spottlieder über mich, und auf mich zielt ihr Gerede.
10 Sie verabscheuen mich, sie halten sich von mir fern und spucken mir ins Gesicht.
11 Denn er hat meine Bogensehne gelöst und mich niedergebeugt, sie aber liessen die Zügel vor mir schiessen.
12 Zur Rechten erhebt sich die Brut, sie haben meine Füsse weggestossen und ihre Unheilswege gegen mich gebahnt.
13 Meinen Pfad haben sie aufgerissen, sie schüren mein Verderben, und niemand hält sie auf.
14 Wie durch eine breite Bresche kommen sie, zwischen den Trümmern wälzen sie sich heran.
15 Schrecken stürzt auf mich ein, wie der Wind verfliegt meine Würde, und mein Heil ist entschwunden wie eine Wolke.
16 Und nun zerfliesst meine Seele in mir, Tage des Elends packen mich.
17 Bei Nacht werden mir die Knochen durchbohrt, und meine nagenden Schmerzen hören nicht auf.
18 Mit grosser Gewalt packt er mich am Kleid, wie der Kragen meines Leibrocks schnürt er mich ein.
19 Er hat mich in den Dreck geworfen, ich bin wie Staub und Asche geworden.
20 Ich schreie zu dir, und du antwortest mir nicht, ich stehe da, und du bemerkst mich nicht.
21 Grausam wirst du gegen mich, mit der Macht deiner Hand verfolgst du mich.
22 Du hebst mich in den Sturm, lässt mich dahinfahren und lässt mich vergehen im Heulen des Windes.
23 Ich weiss: Du treibst mich in den Tod, in das Haus, wo alles, was lebt, sich versammelt.
24 Doch streckt man nicht die Hand aus, wenn man unter Trümmern liegt, und schreit man nicht um Hilfe, wenn man ins Unglück gerät?
25 Habe ich nicht geweint um einen, der harte Tage hatte, war meine Seele nicht betrübt des Armen wegen?
26 Ich hoffte auf Gutes, und Böses kam, ich wartete auf Licht, und es kam Finsternis.
27 Aufgewühlt ist mein Inneres, und es kommt nicht zur Ruhe, Tage des Elends haben mich ereilt.
28 Finster ist mein Leben, ohne Sonne, in der Gemeinde stehe ich auf und schreie um Hilfe.
29 Ein Bruder der Schakale bin ich geworden und ein Gefährte der Strausse.
30 Meine Haut ist schwarz und löst sich ab, und vor Fieber glühen meine Knochen.
31 Traurig klingt meine Leier, und meine Flöte weint.
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