Hilfe

Zürcher Bibel

Hiobs Klage

1 Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2 Und Hiob begann und sprach:
3 Getilgt sei der Tag, da ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist empfangen worden.
4 Jener Tag werde Finsternis, Gott in der Höhe soll nicht nach ihm fragen, und kein Lichtstrahl soll auf ihn fallen.
5 Finsternis und Dunkelheit sollen ihn einfordern, dichte Wolken sollen über ihm lagern, Tagverfinsterung soll ihn überfallen.
6 Dunkelheit raffe jene Nacht dahin, zu den Tagen des Jahres geselle sie sich nicht, sie gehe nicht ein in die Zahl der Monate.
7 Unfruchtbar sei jene Nacht, kein Jubel kehre bei ihr ein.
8 Verwünschen sollen sie, die den Tag verfluchen, die den Leviatan1 aufstören können.
9 Finster seien die Sterne ihrer Dämmerung, sie hoffe auf Licht, doch es komme nicht, und die Strahlen der Morgenröte schaue sie nicht.
10 Denn sie hat mir die Pforte des Mutterleibs nicht verschlossen und vor meinen Augen das Leid nicht verborgen.
11 Warum durfte ich nicht umkommen im Mutterschoss, aus dem Mutterleib kommen und sterben?
12 Warum nahmen mich Knie entgegen, und wozu Brüste, dass ich trank?
13 Ich läge jetzt schon und ruhte aus, ich schliefe und hätte Ruhe,
14 bei Königen und Ratsherren der Erde, die sich Gräber erbauten, die jetzt verfallen,
15 oder bei Fürsten, die Gold besassen, mit Silber ihre Häuser füllten.
16 Oder ich wäre dahin wie eine verscharrte Fehlgeburt, wie Kinder, die nie das Licht erblickten.
17 Dort lassen Frevler vom Wüten ab, und Erschöpfte finden dort Ruhe.
18 Gefangene rasten miteinander, die Stimme des Treibers hören sie nicht.
19 Die Kleinen sind dort wie die Grossen, und frei ist der Sklave von seinem Herrn.
20 Warum gibt er dem Leidenden Licht und Leben denen, die verbittert sind -,
21 die sich sehnen nach dem Tod, doch er kommt nicht, und nach ihm suchen, mehr als nach Schätzen,
22 die sich freuen würden und jubelten, die frohlockten, wenn sie ein Grab fänden -
23 dem Mann, dessen Weg verborgen ist, den Gott ringsum eingeschlossen hat?
24 Noch vor meinem Essen kommt mein Seufzen, und wie Wasser ergiesst sich mein Stöhnen.
25 Wovor mir angst war, das hat mich getroffen, und wovor mir graute, das kam über mich.
26 Ich habe weder Frieden gefunden noch Rast noch Ruhe, nur Unruhe hat sich eingestellt.
1 Siehe die Anm. zu 40,15.
© 2018 ERF Medien