Hilfe

Zürcher Bibel

1 Warum hat Schaddai keine Zeiten der Strafe bestimmt, und warum erleben, die ihn kennen, seine Gerichtstage nicht?
2 Man verrückt Marksteine, man raubt die Herde und lässt sie weiden.
3 Den Esel der Waisen treibt man weg, das Rind der Witwe nimmt man zum Pfand.
4 Man drängt die Armen vom Weg, die Elenden des Landes müssen sich alle verstecken.
5 Sie sind wie Wildesel in der Wüste, sie ziehen aus zu ihrer Arbeit, in der Steppe suchen sie nach Nahrung, nach Brot für sich und ihre Kinder.
6 In der Nacht ernten sie auf dem Feld, und sie plündern den Weinberg des Frevlers.
7 Nackt, ohne Kleidung, verbringen sie die Nacht, und in der Kälte haben sie keine Decke.
8 Vom Regen der Berge sind sie durchnässt, und an den Felsen suchen sie Schutz.
9 Man reisst das Waisenkind von der Mutterbrust, und den Säugling des Armen nimmt man zum Pfand.
10 Nackt gehen sie einher, ohne Kleidung, und hungernd tragen sie Garben.
11 In den Gärten pressen sie Öl, treten die Kelter und leiden Durst dabei.
12 In der Stadt hört man Menschen stöhnen, und Verletzte schreien um Hilfe, und Gott nimmt keinen Anstoss.
13 Sie sind zu Feinden des Lichts geworden, sie kennen nicht seine Wege und bleiben nicht auf seinen Pfaden:
14 Vor dem ersten Licht erhebt sich der Mörder, er tötet den Elenden und Armen, und der Dieb geht um in der Nacht.
15 Und der Ehebrecher lauert auf die Dämmerung. Er denkt: Kein Auge soll mich sehen!, und verhüllt sein Gesicht.
16 Im Finstern brechen sie ein in die Häuser, bei Tag schliessen sie sich ein, denn sie scheuen das Licht.
17 Als Morgen gilt ihnen die Finsternis, mit den Schrecken der Finsternis sind sie vertraut.
18 Schnell fahren sie dahin wie auf Wasser, verflucht ist ihr Erbteil auf Erden, zu den Weinbergen gehen sie nicht mehr.
19 Dürre und Hitze nehmen das Schmelzwasser weg, so das Totenreich die, die gesündigt haben.
20 Der Mutterschoss vergisst sie, an ihnen laben sich die Maden, niemand erinnert sich an sie, und das Unrecht wird zerbrochen wie ein Baum.
21 Man bedrückt die Unfruchtbare, die nicht gebären kann, und der Witwe tut man nichts Gutes.
22 Doch Gott erhält die Mächtigen durch seine Kraft, wer sein Leben schon aufgegeben hat, steht wieder auf.
23 Er gibt ihnen Sicherheit, und sie stützen sich darauf, und seine Augen wachen über ihren Wegen.
24 Sie kommen hoch für kurze Zeit, dann ist er nicht mehr da, und sie werden erniedrigt, dahingerafft wie alle, und verwelken wie die Spitze der Ähre.
25 Und wenn es nicht so ist, wer will mich Lügen strafen und meine Worte zunichte machen?
© 2018 ERF Medien