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Zürcher Bibel

Zweite Rede des Zofar

1 Da antwortete Zofar von Naama und sprach:
2 Darauf antworten mir meine Gedanken, und darüber denke ich nach:
3 Ich muss hören, wie man mich schmäht und tadelt, doch der Geist meiner Einsicht lässt mich antworten.
4 Weisst du es nicht: Seit alten Zeiten, seit er Menschen auf die Erde setzte,
5 ist der Jubel der Frevler von kurzer Dauer und währt die Freude des Ruchlosen nur einen Augenblick.
6 Steigt auch sein Übermut zum Himmel, und reicht sein Haupt bis an die Wolken,
7 für immer vergeht er wie sein Kot. Die ihn sahen, sagen: Wo ist er?
8 Wie ein Traum löst er sich auf, unauffindbar, weggescheucht wie ein Nachtgesicht.
9 Das Auge, das ihn sah, sieht ihn nicht wieder, und seine Stätte erblickt ihn nicht mehr.
10 Seine Kinder müssen die Armen begütigen und seine Hände den Raub erstatten.
11 Voller Jugendkraft waren seine Glieder, doch mit ihm legt sie sich in den Staub.
12 Wenn das Böse süss schmeckt in seinem Mund, wenn er es unter der Zunge birgt,
13 es aufspart und nicht loslassen will und es zurückhält in seinem Gaumen,
14 verwandelt sich die Speise in seinem Innern, wird zu Viperngift in seinem Leib.
15 Ausspeien muss er das Gut, das er verschlungen hat, aus seinem Bauch treibt Gott es heraus.
16 Das Gift von Vipern saugt er ein, die Zunge der Otter tötet ihn.
17 Er darf sich nicht freuen an Bächen, an Flüssen, an Strömen von Honig und Sahne.
18 Den Ertrag gibt er zurück, und er kann ihn nicht verschlingen, sein erhandeltes Gut kann er nicht geniessen.
19 Denn er schlug Arme nieder und liess sie liegen, raubte ein Haus, doch er kann es nicht ausbauen.
20 Weil sein Bauch keine Ruhe gab, wird er nichts retten von seinen Schätzen.
21 Nichts entging seiner Fressgier, darum hat sein Gut nicht Bestand.
22 In der Fülle seines Überflusses gerät er in Not, die ganze Wucht des Leidens kommt über ihn.
23 Indem er ihm den Bauch füllt, lässt Gott die Glut seines Zorns auf ihn los und lässt seinen Grimm auf ihn regnen.
24 Flieht er vor der eisernen Rüstung, durchbohrt ihn der eherne Bogen.
25 Konnte er den Pfeil aus seinem Rücken ziehen und die blitzende Klinge aus seiner Galle, überfallen ihn Schrecken.
26 Lauter Finsternis ist aufgespart für ihn, es verzehrt ihn ein Feuer, das nicht angefacht wurde, es frisst, was übrig blieb in seinem Zelt.
27 Der Himmel deckt seine Schuld auf, und die Erde erhebt sich gegen ihn.
28 Weggeführt wird der Ertrag seines Hauses, dahingerafft am Tag seines Zorns.
29 Das ist von Gott das Los eines Menschen, der frevelt, und das Erbe, das Gott ihm zugesprochen hat.
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