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Zürcher Bibel

Hiobs Antwort

1 Da antwortete Hiob und sprach:
2 Derlei habe ich oft gehört, ihr alle seid leidige Tröster.
3 Nehmen die windigen Worte ein Ende? Und was reizt dich zu antworten?
4 Auch ich könnte reden wie ihr, wenn ihr an meiner Stelle wärt. Ich könnte mit Worten gegen euch glänzen und meinen Kopf über euch schütteln.
5 Ich wollte euch stärken mit meinem Mund und euch trösten mit meinen Lippen.
6 Wenn ich spreche, wird mein Schmerz nicht gelindert, und auch wenn ich es lasse, weicht er nicht von mir.
7 Jetzt aber hat er mich zermürbt. Du hast meinen Umkreis verödet
8 und hast mich gepackt. Mein Verfall sagt gegen mich aus und erhebt sich als Zeuge gegen mich, ins Angesicht klagt er mich an.
9 Sein Zorn zerreisst und verfolgt mich, er fletscht die Zähne gegen mich, mit Blicken durchbohrt mich mein Feind.
10 Sie reissen ihr Maul auf gegen mich, voller Hohn schlagen sie mir auf die Backen, sie rotten sich zusammen gegen mich.
11 Gott liefert mich den Schurken aus, und er stösst mich in die Hände von Frevlern.
12 Ich lebte ruhig, da hat er mich erschüttert und hat mich beim Nacken gepackt und zerschmettert, und als seine Zielscheibe hat er mich hingestellt.
13 Seine Geschosse umschwirren mich, erbarmungslos durchbohrt er meine Nieren, lässt meine Galle auf die Erde fliessen.
14 Bresche um Bresche schlägt er in mich, wie ein Krieger stürmt er gegen mich an.
15 Einen Sack habe ich um meine Haut genäht und mein Horn in den Staub gesenkt.
16 Mein Gesicht ist rot vom Weinen, und tiefes Dunkel liegt auf meinen Lidern.
17 Doch an meinen Händen klebt kein Unrecht, und mein Gebet ist rein.
18 O Erde, decke mein Blut nicht zu, und mein Schreien komme nicht zur Ruhe.
19 Aber seht, schon jetzt ist im Himmel mein Zeuge und mein Bürge in der Höhe.
20 Meine Freunde verspotten mich, mit Tränen blickt mein Auge zu Gott,
21 dass er Recht schaffe dem Mann bei Gott und zwischen Mensch und Mensch.
22 Denn nur wenige Jahre kommen noch, dann gehe ich den Weg ohne Wiederkehr.
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