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Zürcher Bibel

1 Mich ekelt vor meinem Leben, meiner Klage will ich freien Lauf lassen, will reden aus der Bitternis meiner Seele.
2 Ich sage zu Gott: Sprich mich nicht schuldig, lass mich wissen, warum du gegen mich streitest.
3 Gefällt es dir, zu unterdrücken, das Werk deiner Hände zu verachten und den Plan der Frevler gelingen zu lassen?
4 Hast du Menschenaugen, und siehst du wie ein Sterblicher?
5 Sind deine Tage wie Menschentage oder deine Jahre wie die eines Mannes?
6 Du suchst nach meiner Schuld und forschst nach meiner Sünde.
7 Doch du weisst, dass ich nicht schuldig bin, und dass keiner retten kann aus deiner Hand.
8 Deine Hände haben mich gebildet und gemacht ganz und gar - und dann hast du mich vernichtet.
9 Bedenke, aus Lehm hast du mich geschaffen, und zu Staub lässt du mich wieder werden.
10 Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich gerinnen lassen?
11 Mit Haut und Fleisch hast du mich umkleidet und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten.
12 Leben und Gnade hast du mir gegeben, und deine Fürsorge hat meinen Geist beschützt.
13 Doch dies hast du in deinem Herzen verborgen, ich weiss, dass es so bei dir beschlossen war:
14 Wenn ich sündigte, wolltest du darauf achten und mich nicht freisprechen von meiner Schuld.
15 Wenn ich schuldig würde, dann wehe mir! Aber auch wenn ich im Recht wäre, dürfte ich mein Haupt nicht erheben, gesättigt mit Schmach und getränkt mit Elend.
16 Sollte es sich doch erheben, würdest du mich jagen wie ein Löwe und wieder unbegreiflich an mir handeln.
17 Neue Zeugen würdest du gegen mich aufstellen und deinen Unmut gegen mich mehren, immer neue Heere gegen mich führen.
18 Und warum hast du mich aus dem Mutterschoss kommen lassen? Wäre ich doch umgekommen, bevor ein Auge mich erblickte!
19 So wär ich, als wäre ich nie gewesen, vom Mutterleib ins Grab gebracht.
20 Ich habe doch nur wenige Tage. So halte ein und lass ab von mir, damit ich ein wenig heiter sein kann,
21 ehe ich dahingehe ohne Wiederkehr, ins Land der Finsternis und des Dunkels,
22 ins Land, so düster wie die schwarze Nacht, ins Dunkel, wo keine Ordnung herrscht, wo der helle Tag ist wie tiefe Nacht.
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