Hilfe

Zürcher Bibel

1 Und er sprach zu mir: Du Mensch, iss, was du vorfindest, iss diese Schriftrolle, und geh, sprich zum Haus Israel!
2 Und ich öffnete meinen Mund, und er liess mich jene Rolle essen.
3 Und er sprach zu mir: Mensch, gib deinem Bauch zu essen und fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe! Da ass ich sie, und in meinem Mund wurde sie wie Honig, süss.
4 Und er sprach zu mir: Auf, du Mensch, geh zum Haus Israel, und sprich zu ihnen mit meinen Worten.
5 Denn nicht zu einem Volk mit schwieriger Sprache und schwerer Zunge wirst du gesandt - zum Haus Israel! -,
6 nicht zu vielen Völkern mit schwieriger Sprache und schwerer Zunge, deren Worte du nicht verstehst. Hätte1 ich dich zu diesen gesandt, sie würden dich anhören!
7 Das Haus Israel aber wird dich nicht hören wollen, denn sie wollen mich nicht hören. Das ganze Haus Israel hat eine harte Stirn, und sie haben ein verhärtetes Herz!
8 Sieh, ich mache dein Angesicht hart, genau wie ihr Angesicht, und deine Stirn hart, genau wie ihre Stirn.
9 Wie Diamant, härter als Fels, mache ich deine Stirn. Fürchte dich nicht vor ihnen, und hab keine Angst vor ihrem Angesicht. Sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit!
10 Und er sprach zu mir: Du Mensch, alle meine Worte, die ich dir sage, nimm sie auf in dein Herz, und höre sie mit deinen Ohren.
11 Und auf, geh zu den Verbannten, zu denen aus deinem Volk, und sprich zu ihnen und sage ihnen: So spricht Gott der HERR! - Mögen sie hören oder es lassen!

Die Einsetzung Ezechiels zum Wächter: Vom Ungerechten und vom Gerechten. Ezechiels Verstummen

12 Da hob Geist mich empor, und hinter mir hörte ich von ihrer Stätte her ein lautes Dröhnen: Gepriesen sei die Herrlichkeit des HERRN!
13 Und das war das Geräusch der Flügel der Wesen, die einander berührten, und zugleich das Geräusch der Räder, ein lautes Dröhnen.
14 Und Geist hatte mich emporgehoben und nahm mich fort, und ich ging, bitter, aufgewühlt, und schwer lag die Hand des HERRN auf mir.
15 Und ich kam zu den Verbannten nach Tel Abib, die am Fluss Kebar wohnten, und ich blieb, während sie dort wohnten,2 und dort sass ich sieben Tage lang, unter ihnen Entsetzen verbreitend.
16 Nach Ablauf von sieben Tagen aber, da erging das Wort des HERRN an mich:
17 Mensch, zum Wächter für das Haus Israel habe ich dich gemacht: Du wirst ein Wort aus meinem Mund hören und sie vor mir warnen!
18 Wenn ich zum Ungerechten spreche: Du musst sterben!, und du hast ihn nicht gewarnt und hast nicht geredet, um den Ungerechten vor seinem ungerechten Weg zu warnen und ihn am Leben zu erhalten, wird er, der Ungerechte, seiner Schuld wegen sterben, sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand.3
19 Hast du aber den Ungerechten gewarnt, und er hat sich nicht abgekehrt von seinem Unrecht und von seinem ungerechten Weg, wird er seiner Schuld wegen sterben, du aber hast dein Leben gerettet.
20 Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abkehrt und Unrecht begeht und ich ihn stürzen lasse, muss er sterben. Wenn du ihn nicht gewarnt hast, wird er seiner Sünde wegen sterben, und seiner gerechten Taten, die er getan hat, wird nicht gedacht werden, sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand.
21 Wenn aber du ihn, den Gerechten, gewarnt hast, damit der Gerechte nicht sündigt, und er sündigt nicht, so wird er am Leben bleiben, denn er hat sich warnen lassen, und du hast dein Leben gerettet.
22 Und dort kam die Hand des HERRN über mich, und er sprach zu mir: Steh auf, geh hinaus in die Ebene, und dort will ich zu dir sprechen.
23 Und ich stand auf und ging hinaus in die Ebene, und sieh, dort stand die Herrlichkeit des HERRN, wie die Herrlichkeit, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Da fiel ich nieder auf mein Angesicht.
24 Und Geist kam in mich und stellte mich auf meine Füsse. Und er sprach zu mir und sagte zu mir: Geh, schliess dich in deinem Haus ein!
25 Und du, Mensch, sieh, man wird dir Stricke anlegen, um dich damit zu fesseln, und du wirst nicht hinausgehen können in ihre Mitte.
26 Und ich werde deine Zunge an deinem Gaumen haften lassen, damit du verstummst und ihnen nicht zu einem wirst, der sie zurechtweist. Sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit!
27 Aber wenn ich zu dir spreche, werde ich deinen Mund öffnen, und du wirst ihnen sagen: So spricht Gott der HERR! Wer hört, wird hören, und wer es lässt, wird es lassen. Sie sind ein Haus der Widerspenstigkeit!
1 Die Übersetzung "Hätte ich dich zu diesen gesandt, ..." beruht auf der griechischen Überlieferung.
2 In einer anderen hebräischen Tradition lautet der Text: "..., die am Fluss Kebar wohnten, die dort wohnten, und dort ..."
3 "sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand" bedeutet, dass der Prophet die Verantwortung für das Ergehen des Ungerechten übernehmen muss.
© 2018 ERF Medien