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Zürcher Bibel

Die Überfahrt nach Syrien

1 Als es so weit war, dass wir uns von ihnen trennten und in See stachen, fuhren wir auf geradem Kurs nach Kos, tags darauf nach Rhodos und von dort nach Patara;
2 und da wir gerade ein Schiff fanden, das nach Phönizien hinüberfuhr, gingen wir an Bord und stachen in See.
3 Wir sichteten Zypern, liessen es zur Linken, fuhren nach Syrien und legten in Tyrus an, denn hier sollte das Schiff seine Ladung löschen.
4 Nachdem wir die Jünger ausfindig gemacht hatten, blieben wir sieben Tage bei ihnen. Sie aber warnten Paulus, wie es der Geist ihnen eingab, vor einer Reise nach Jerusalem.
5 Als die Tage unseres Aufenthalts zu Ende gingen, brachen wir auf und zogen weiter; alle, auch Frauen und Kinder, gaben uns das Geleit bis vor die Stadt. Am Strand knieten wir nieder, beteten
6 und nahmen Abschied voneinander. Wir bestiegen das Schiff, sie kehrten nach Hause zurück.
7 Von Tyrus gelangten wir nach Ptolemais, wo wir unsere Seefahrt beendeten. Wir begrüssten die Brüder und Schwestern und blieben einen Tag bei ihnen.

Der Aufenthalt bei Philippus in Cäsarea

8 Am nächsten Tag brachen wir auf, kamen nach Cäsarea, gingen in das Haus des Evangelisten Philippus, der zu den Sieben gehörte, und blieben bei ihm.
9 Dieser hatte vier Töchter, prophetisch begabte Jungfrauen.
10 Wir waren schon mehrere Tage dort, als von Judäa ein Prophet mit Namen Agabus zu uns herabkam.
11 Der kam auf uns zu, nahm den Gürtel des Paulus, band sich Hände und Füsse damit und sagte: So spricht der heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem auf eben diese Weise fesseln und in die Hände der Heiden geben.
12 Als wir das hörten, baten wir ihn, unterstützt von den Jüngern, die dort wohnten, nicht nach Jerusalem hinaufzuziehen.
13 Da entgegnete Paulus: Was soll es, dass ihr klagt und mir das Herz schwer macht? Ich bin bereit, mich in Jerusalem nicht nur fesseln zu lassen, sondern auch zu sterben für den Namen des Herrn Jesus.
14 Da er sich nicht umstimmen liess, wurden wir ruhig und sagten: Des Herrn Wille geschehe!

Die Ankunft in Jerusalem

15 Nach diesen Tagen machten wir uns reisefertig und zogen nach Jerusalem hinauf.
16 Einige Jünger aus Cäsarea begleiteten uns und führten uns zu einem gewissen Mnason aus Zypern, einem Jünger der ersten Stunde, bei dem wir zu Gast sein sollten.
17 Als wir in Jerusalem eintrafen, nahmen uns die Brüder und Schwestern freundlich auf.

Beteiligung des Paulus an einem Gelübde

18 Am folgenden Tag ging Paulus mit uns zu Jakobus; auch alle Ältesten fanden sich ein.
19 Nachdem er sie begrüsst hatte, schilderte er ihnen in allen Einzelheiten, was Gott unter den Völkern durch seinen Dienst getan hatte.
20 Als sie das hörten, priesen sie Gott und sagten zu ihm: Du siehst, Bruder, dass Tausende und Abertausende unter den Juden zum Glauben gekommen sind, und alle sind voller Eifer für das Gesetz.
21 Über dich aber hat man ihnen berichtet, du lehrest alle Juden, die unter den Heiden wohnen, den Abfall von Mose, indem du sie aufforderst, ihre Kinder nicht zu beschneiden und nicht nach ihren Bräuchen zu leben.
22 Was ist jetzt? Man wird auf jeden Fall hören, dass du gekommen bist.
23 Tu nun, was wir dir sagen: Bei uns sind vier Männer, die ein Gelübde getan haben.
24 Nimm sie mit, lass dich mit ihnen heiligen und trage die Kosten für sie, damit sie sich das Haupt scheren lassen können, und alle werden erkennen, dass nichts ist an dem, was man über dich erzählt hat, sondern dass auch du einer bist, der im Einklang mit dem Gesetz lebt.
25 Was aber die Heiden betrifft, die zum Glauben gekommen sind, so haben wir ja beschlossen und ihnen mitteilen lassen, sie sollten sich hüten vor Opferfleisch, Blut und Ersticktem und vor Unzucht.
26 Da nahm Paulus am folgenden Tag die Männer mit, liess sich mit ihnen heiligen und ging in den Tempel hinein und kündigte das Ende der Weihetage an, die erfüllt sind, wenn für einen jeden von ihnen das Opfer dargebracht wird.

Die Verhaftung des Paulus

27 Als die sieben Tage zu Ende gingen, sahen ihn die Juden aus der Asia im Tempel; und sie brachten das ganze Volk in Aufruhr, ergriffen ihn
28 und schrien: Israeliten, helft uns! Das ist der Mensch, der, wo immer er auftritt, mit dem, was er lehrt, alle Welt aufbringt gegen unser Volk, gegen das Gesetz und gegen diese Stätte. Sogar Griechen hat er in den Tempel geführt und diese heilige Stätte entweiht!
29 Sie hatten vorher nämlich Trophimus, den Epheser, mit ihm zusammen in der Stadt gesehen und meinten nun, Paulus habe ihn in den Tempel mitgenommen.
30 Da geriet die ganze Stadt in Aufregung, und das Volk lief zusammen; man ergriff Paulus und schleppte ihn aus dem Tempel, und gleich darauf wurden die Tore geschlossen.
31 Sie waren schon dabei, ihn zu töten, als den Oberst der Kohorte die Meldung erreichte, dass ganz Jerusalem in Aufruhr sei.
32 Dieser nahm sofort Soldaten und Hauptleute mit sich und eilte zu ihnen hinab. Als sie den Oberst und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.
33 Der Oberst, als er dann da war, liess ihn festnehmen und befahl, ihn mit zwei Ketten zu fesseln; dann erkundigte er sich, wer das sei und was er getan habe.
34 Aus der Menge schrien die einen dies, die anderen das. Da er bei dem Lärm nichts Zuverlässiges in Erfahrung bringen konnte, befahl er, ihn in die Kaserne zu bringen.
35 Als dieser aber an die Freitreppe kam, musste er von den Soldaten getragen werden, denn das Volk wurde gewalttätig.
36 Die Volksmenge lief hinterher und schrie: Weg mit ihm!

Die Rede des Paulus vor dem Volk

37 Als nun Paulus in die Kaserne hineingeführt werden sollte, sagte er zu dem Oberst: Darf ich etwas zu dir sagen? Der erwiderte: Du sprichst Griechisch?
38 Du bist also nicht der Ägypter, der vor einiger Zeit einen Aufstand angezettelt und die viertausend Sikarier1 in die Wüste hinausgeführt hat?
39 Paulus sagte: Ich bin ein Jude, aus Tarsus in Kilikien, und Bürger dieser nicht unbedeutenden Stadt. Ich bitte dich, gestatte mir, zum Volk zu sprechen.
40 Nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, stellte sich Paulus auf die Stufen der Treppe, und mit einer Handbewegung gebot er dem Volk zu schweigen. Da wurde es still, und er redete sie in ihrer Sprache an und sagte auf Hebräisch:
1 Die Sikarier ('Dolchtragende') waren, ähnlich wie die Zeloten, eine jüdische Gruppierung, die sich gegen die römische Besatzung auflehnte.
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