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Zürcher Bibel

Einstimmung auf die Narrenrede

1 Würdet ihr doch ein wenig Unverstand an mir ertragen! Aber das tut ihr ja.
2 Mit göttlichem Eifer werbe ich um euch. Denn mit einem einzigen Mann habe ich euch verlobt, um euch ihm, dem Christus, als reine Jungfrau zuzuführen.
3 Ich fürchte aber, eure Gedanken könnten abgelenkt werden von der ungeteilten Hinwendung zu Christus,1 so wie es der Schlange gelang, Eva mit ihrer List zu betrügen.
4 Denn wenn einer daherkommt und euch einen anderen Jesus verkündigt, als wir verkündigt haben, oder wenn ihr einen anderen Geist empfangt, als ihr empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, als ihr angenommen habt, so nehmt ihr das ohne weiteres hin!
5 Ich meine doch, dass ich den 'Überaposteln' in nichts nachstehe.
6 Bin ich auch in der Redekunst ein Laie, so doch nicht in der Erkenntnis; wir haben sie ja euch gegenüber allenthalben aufscheinen lassen.
7 Oder habe ich einen Fehler gemacht, als ich mich erniedrigte, damit ihr erhöht würdet, indem ich euch das Evangelium Gottes verkündigte, ohne Entgelt zu fordern?
8 Andere Gemeinden habe ich geplündert; Geld habe ich von ihnen genommen, um euch dienen zu können.
9 Doch bei euch bin ich, auch wenn ich Mangel litt, niemandem zur Last gefallen. Für das, was ich zu wenig hatte, sind die Brüder, die von Makedonien kamen, aufgekommen; euch keinerlei Umstände zu machen, daran lag mir, und daran wird mir auch weiterhin liegen.
10 Bei der Wahrheit Christi, die in mir ist: Die Ausbreitung dieses Ruhmes wird in den Gebieten der Achaia niemand verhindern können.
11 Warum verhalte ich mich so?2 Etwa weil ich euch nicht liebe? Gott weiss es.
12 Was ich tue, das werde ich auch künftig tun, um denen keinen Anlass zur Kritik zu geben, die einen Anlass suchen. Worauf sie stolz sind, das soll sich bei ihnen finden lassen, so wie bei uns.
13 Denn Leute dieses Schlages sind falsche Apostel, hinterhältige Gesellen, die sich als Apostel Christi tarnen.
14 Doch das ist kein Wunder, tarnt sich ja der Satan selbst als Engel des Lichts.
15 Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich tarnen, als wären sie Diener der Gerechtigkeit; ihr Ende wird ihren Taten entsprechen.

Das Eigenlob des Apostels

16 Ich sage es noch einmal: Niemand soll mich für einen Narren halten! Wenn aber doch, dann nehmt mich an wie einen Narren, damit auch ich mich ein wenig rühmen kann.
17 Was ich jetzt sage, das sage ich nicht im Sinne des Herrn, sondern in der Rolle des Narren rede ich, bei diesem Unterfangen, da es ums Rühmen geht.3
18 Weil so viele sich im Sinne der Welt rühmen, werde auch ich mich rühmen.
19 Ihr lasst euch ja die Narren gern gefallen, ihr klugen Leute.
20 Ihr nehmt es hin, wenn jemand euch knechtet, euch auffrisst, euch ausnützt, sich über euch erhebt, euch ins Gesicht schlägt.
21 Ja, zu meiner Schande sei's gesagt: Dazu waren wir zu schwach. Worauf sich einer beruft - ich rede als Narr -, darauf kann auch ich mich berufen.
22 Hebräer sind sie? Ich auch. Israeliten sind sie? Ich auch. Nachkommen Abrahams sind sie? Ich auch.
23 Diener Christi sind sie? Bar jeglicher Vernunft sage ich: Ich bin's weit mehr! Mehr Mühsal, mehr Gefangenschaft, unzählige Schläge, oft in Todesgefahr!
24 Von den Juden erhielt ich fünfmal die 'Vierzig-weniger-einen'.4
25 Dreimal bekam ich die Prügelstrafe, einmal wurde ich gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf offener See.
26 Oft war ich auf Reisen, oft war ich Gefahren ausgesetzt durch Flüsse, durch Wegelagerer, durch Volksgenossen und Fremde; in der Stadt, in der Einöde, auf dem Meer, durch falsche Brüder.
27 Es gab Mühsal und Plage, ich ertrug viele durchwachte Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blösse.
28 Und abgesehen davon: der tägliche Andrang zu mir, die Sorge um alle Gemeinden.
29 Wer ist schwach, und ich bin es nicht auch? Wer kommt zu Fall, und ich bin nicht in heller Aufregung?
30 Wenn schon gerühmt werden muss, dann werde ich mich all dessen rühmen, was aus meiner Schwachheit kommt.
31 Gott, der Vater des Herrn Jesus, er weiss - gelobt sei er in Ewigkeit -, dass ich nicht lüge.
32 In Damaskus liess der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damaskener bewachen, um meiner habhaft zu werden;
33 doch ich wurde durch ein Fenster in einem Korb über die Mauer hinabgelassen und entkam so seinen Händen.
1 Andere Textüberlieferung: "... von der ungeteilten Hinwendung zu Christus und der Heiligkeit in ihm, so wie ..."
2 Andere Übersetzungsmöglichkeit: "Weshalb habe ich solche Rücksicht auf euch genommen? ..."
3 Andere Übersetzungsmöglichkeit: "... rede ich - das Rühmen soll jetzt verwirklicht werden!"
4 Der Ausdruck 'Vierzig-weniger-einen' bezeichnet die im synagogalen Recht vorgesehene Geisselung mit 39 Schlägen.
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