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Zürcher Bibel

David und Abigajil

1 Und Samuel starb, und ganz Israel versammelte sich und hielt die Totenklage um ihn, und sie begruben ihn in seinem Haus in Rama. Und David machte sich auf und zog hinab in die Wüste Paran.
2 Und es war ein Mann in Maon, der verrichtete seine Arbeit in Karmel, und der Mann war sehr wohlhabend, ihm gehörten dreitausend Schafe und tausend Ziegen. Und er war gerade dabei, in Karmel seine Schafe zu scheren.
3 Und der Name des Mannes war Nabal, und der Name seiner Frau war Abigajil. Und die Frau hatte einen klugen Verstand und war von schöner Gestalt, der Mann aber war hart und boshaft, er war ein Kalebbiter.
4 Und David hörte in der Wüste, dass Nabal dabei war, seine Schafe zu scheren.
5 Da sandte David zehn junge Männer aus, und David sagte zu den Männern: Zieht hinauf nach Karmel, und wenn ihr zu Nabal kommt, sollt ihr ihn in meinem Namen nach seinem Wohlergehen fragen.
6 Und so sollt ihr sprechen: Zum Gruss, Friede dir, Friede deinem Haus und Friede allem, was dir gehört!
7 Und nun habe ich gehört, dass du Scherer hast. Nun waren die Hirten, die zu dir gehören, bei uns, man ist ihnen nicht nahegetreten, und nichts ist ihnen abhanden gekommen, solange sie in Karmel waren.
8 Frage deine Männer, damit sie es dir berichten und damit die Männer Davids1 Gnade finden in deinen Augen, denn wir sind an einem Festtag gekommen. Bitte gib deinen Dienern und deinem Sohn, David, was du gerade zur Hand hast.
9 Und die Männer Davids kamen und sprachen mit Nabal im Namen Davids allen diesen Worten gemäss, und sie warteten.
10 Daraufhin sprach Nabal zu den Dienern Davids: Wer ist David? Wer ist der Sohn Isais? Heutzutage gibt es viele Diener, die ihren Herren davonlaufen.
11 Soll ich mein Brot und mein Wasser und was ich für meine Scherer geschlachtet habe nehmen und es Männern geben, von denen ich nicht einmal weiss, woher sie sind?
12 Da wandten sich die Männer Davids um, machten sich auf ihren Weg und kehrten zurück. Und sie kamen und berichteten ihm all diese Worte.
13 Da sagte David zu seinen Männern: Jeder gürte sein Schwert um! Und jeder gürtete sein Schwert um, und auch David gürtete sein Schwert um. Und etwa vierhundert Mann zogen hinauf hinter David her, und zweihundert blieben beim Gepäck.
14 Einer von den Burschen aber hatte Abigajil, der Frau Nabals, berichtet: Sieh, David hat Boten aus der Wüste gesandt, um unseren Herrn zu segnen, er aber hat sie angeschrien.
15 Die Männer sind doch sehr gut zu uns gewesen, sie sind uns nicht nahe getreten, und uns ist nichts abhanden gekommen, solange wir mit ihnen umherzogen, als wir auf dem offenen Land waren.
16 Bei Nacht und bei Tag waren sie eine Mauer um uns, solange wir bei ihnen die Schafe hüteten.
17 Und nun erkenne und sieh, was du tun kannst, denn das Unheil ist beschlossen über unseren Herrn und über sein ganzes Haus. Er aber ist zu ruchlos, als dass man mit ihm reden könnte.
18 Da nahm Abigajil eilends zweihundert Brote, zwei Schläuche Wein, fünf zubereitete Schafe, fünf Sea geröstetes Korn, hundert Kuchen aus getrockneten Trauben und zweihundert Feigenkuchen und lud alles auf die Esel.
19 Und sie sagte zu ihren Männern: Zieht vor mir her; seht, ich komme euch nach. Ihrem Mann Nabal aber teilte sie es nicht mit.
20 Und während sie im Schutz des Berges auf dem Esel hinunterritt, sieh, da kamen auch David und seine Männer herab, ihr entgegen, und sie traf auf sie.
21 David aber hatte gesagt: Es war ein Fehler von mir, alles, was dem da gehört, in der Wüste zu beschützen, damit nichts abhanden käme von allem, was ihm gehört! Nun hat er mir Gutes mit Bösem vergolten.
22 Gott tue den Feinden Davids an2, was immer er will, wenn ich von allem, was ihm gehört, bis am Morgen etwas übrig lasse, was an die Wand pisst!3
23 Und Abigajil sah David und stieg eilends vom Esel, warf sich vor David auf ihr Angesicht und verneigte sich zur Erde.
24 Und sie fiel ihm zu Füssen und sagte: Allein auf mir, mein Herr, liegt die Schuld! Deine Magd würde dir gern alles erklären; höre die Worte deiner Magd.
25 Mein Herr kümmere sich doch nicht um diesen ruchlosen Mann, um Nabal! Denn wie sein Name lautet, so ist er: Sein Name ist Nabal, und er ist voller Torheit.4 Ich aber, deine Magd, habe die Männer meines Herrn nicht gesehen, die du gesandt hattest.
26 Und nun, mein Herr, so wahr der HERR lebt und so wahr du lebst, den der HERR davon abgehalten hat, in Blutschuld zu geraten und sich mit eigener Hand zu helfen: Nun sollen deine Feinde und die meinem Herrn Böses wollen wie Nabal werden!
27 Nun also, dieses Geschenk, das deine Sklavin für meinen Herrn gebracht hat, möge den Männern gegeben werden, die zum Gefolge meines Herrn gehören.
28 Vergib doch das Vergehen deiner Magd, denn der HERR wird meinem Herrn gewiss ein Haus gründen, das Bestand hat, da mein Herr die Kriege des HERRN führt. Und es soll an dir nichts Böses gefunden werden dein Leben lang.
29 Und erhebt sich ein Mensch, um dich zu verfolgen und dir nach dem Leben zu trachten, so möge das Leben meines Herrn verwahrt sein im Verwahrungsbeutel der Lebenden beim HERRN, deinem Gott. Das Leben deiner Feinde aber schleudere er fort mit der Schleuderpfanne!
30 Und wenn der HERR für meinen Herrn all das Gute tut, das er dir zugesagt hat, und dich zum Fürsten über Israel bestimmt,
31 so wird mein Herr nicht darüber stolpern, und mein Herr muss sich nicht vorwerfen, grundlos Blut vergossen und sich selbst geholfen zu haben. Wenn aber der HERR meinem Herrn Gutes tut, dann erinnere dich deiner Magd.
32 Da sprach David zu Abigajil: Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, der dich mir am heutigen Tag entgegengesandt hat.
33 Und gesegnet ist deine Klugheit, und gesegnet bist du, dass du mich am heutigen Tag davon abgehalten hast, in Blutschuld zu geraten und mir mit eigener Hand zu helfen.
34 Aber so wahr der HERR lebt, der Gott Israels, der mich daran gehindert hat, dir Böses anzutun: Wenn du mir nicht so schnell entgegengekommen wärst, wäre Nabal bis zum ersten Morgenlicht nichts übrig geblieben, was an die Wand pisst!5
35 Und David nahm aus ihrer Hand, was sie ihm gebracht hatte, und er sagte zu ihr: Zieh in Frieden hinauf nach deinem Haus. Sieh, ich habe auf deine Stimme gehört und dein Angesicht aufgerichtet6.
36 Und als Abigajil zu Nabal kam, sieh, da hielt er in seinem Haus ein Gastmahl wie das Gastmahl des Königs, und Nabal war leichten Herzens und schwer betrunken. Und sie berichtete ihm nichts, weder Unwichtiges noch Wichtiges, bis zum ersten Morgenlicht.
37 Am Morgen aber, als Nabal wieder nüchtern wurde, berichtete seine Frau ihm diese Dinge, und sein Herz starb in seinem Innern, und er wurde zu Stein.
38 Und nach etwa zehn Tagen schlug der HERR Nabal, und er starb.
39 Und David hörte, dass Nabal gestorben war, und er sprach: Gelobt sei der HERR, der den Rechtsstreit geführt hat der Schmähung wegen, die Nabal mir angetan hat, und der seinen Diener vor einer bösen Tat bewahrt hat. Die böse Tat Nabals aber hat der HERR auf sein Haupt zurückfallen lassen. Und David sandte hin und warb um Abigajil, um sie zu seiner Frau zu nehmen.
40 Und die Diener Davids kamen zu Abigajil nach Karmel, und sie redeten mit ihr und sagten: David hat uns zu dir gesandt, weil er dich zu seiner Frau nehmen will.
41 Da stand sie auf, warf sich mit dem Angesicht zur Erde nieder und sagte: Sieh, deine Magd ist eine Sklavin, bereit, den Dienern meines Herrn die Füsse zu waschen.
42 Und Abigajil machte sich eilends auf und setzte sich auf den Esel, und ihre fünf jungen Frauen gingen hinter ihr her. Und sie folgte den Boten Davids und wurde seine Frau.
43 Und Achinoam hatte David sich aus Jesreel geholt, und so wurden auch die beiden seine Frauen.
44 Saul aber hatte Michal, seine Tochter, die Frau Davids, Palti gegeben, dem Sohne des Lajisch, der aus Gallim war.
1 "Davids" wurde in der Übersetzung ergänzt.
2 "Gott tue den Feinden Davids an": In der griechischen Überlieferung lautet der Text "Gott tue David an", was zu erwarten wäre.
3 "was an die Wand pisst": Die zugrunde liegende hebräische Formulierung bedeutet in abwertendem Ton: was männlich ist.
4 Der Name Nabal bedeutet: 'Tor' oder 'Dummkopf'.
5 "was an die Wand pisst": Siehe die Anm. zu 25,22.
6 Der Ausdruck "ich habe ... dein Angesicht aufgerichtet" bedeutet, dass er die Bitte erhört hat.
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