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Zürcher Bibel

Jakob dient um Lea und Rachel

1 Dann machte sich Jakob auf den Weg und ging in das Land der Söhne des Ostens.
2 Und er schaute sich um, und sieh, da war ein Brunnen auf dem Feld. Und sieh, drei Schafherden lagerten daneben, denn aus jenem Brunnen pflegte man die Herden zu tränken. Der Stein über der Öffnung des Brunnens aber war gross.
3 Wenn alle Herden dort zusammengetrieben waren, wälzte man den Stein von der Öffnung des Brunnens und tränkte die Schafe. Dann schob man den Stein wieder zurück über die Öffnung des Brunnens an seinen Platz.
4 Jakob sagte zu ihnen: Meine Brüder, woher seid ihr? Sie sagten: Wir sind von Charan.
5 Er sagte zu ihnen: Kennt ihr Laban, den Sohn Nachors? Sie sagten: Wir kennen ihn.
6 Er sagte zu ihnen: Geht es ihm gut? Sie sagten: Ja, es geht ihm gut. Da kommt eben seine Tochter Rachel mit den Schafen.
7 Er sagte: Es ist ja noch mitten am Tag, noch nicht die Zeit, das Vieh einzutreiben. Tränkt die Schafe und lasst sie wieder weiden.
8 Sie sagten: Das können wir nicht, bis alle Herden zusammengetrieben sind und man den Stein von der Öffnung des Brunnens wälzt. Dann erst tränken wir die Schafe.
9 Während er noch mit ihnen redete, war Rachel mit den Schafen, die ihrem Vater gehörten, herangekommen, denn sie war eine Hirtin.
10 Als Jakob aber Rachel, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, sah, trat Jakob herzu, wälzte den Stein von der Öffnung des Brunnens und tränkte die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter.
11 Dann küsste Jakob Rachel und begann laut zu weinen.
12 Und Jakob berichtete Rachel, dass er der Verwandte ihres Vaters, der Sohn Rebekkas, sei. Da lief sie weg und berichtete es ihrem Vater.
13 Als Laban von Jakob, dem Sohn seiner Schwester, hörte, lief er ihm entgegen, umarmte und küsste ihn und führte ihn in sein Haus. Und er erzählte Laban alle diese Begebenheiten.
14 Da sprach Laban zu ihm: Ja, du bist mein Gebein und mein Fleisch. Und er blieb einen Monat lang bei ihm.
15 Und Laban sprach zu Jakob: Du bist doch mein Bruder. Solltest du mir umsonst dienen? Sag mir: Was soll dein Lohn sein?
16 Nun hatte Laban zwei Töchter; die ältere hiess Lea, die jüngere Rachel.
17 Die Augen Leas waren matt, Rachel aber war von schöner Gestalt und von schönem Aussehen.
18 Und Jakob liebte Rachel. So sprach er: Ich will dir sieben Jahre um Rachel, deine jüngere Tochter, dienen.
19 Laban sagte: Es ist besser, ich gebe sie dir, als dass ich sie einem fremden Mann gebe. Bleibe bei mir!
20 Also diente Jakob um Rachel sieben Jahre, und sie kamen ihm wie ein paar Tage vor, so sehr liebte er sie.
21 Dann sprach Jakob zu Laban: Gib mir meine Frau, denn meine Zeit ist um, und ich will nun zu ihr gehen.
22 Da lud Laban alle Leute des Ortes ein und veranstaltete ein Festmahl.
23 Am Abend aber nahm er seine Tochter Lea und führte sie zu ihm hinein, und er ging zu ihr.
24 Und Laban gab seiner Tochter Lea seine Magd Silpa zur Magd.
25 Am Morgen aber, sieh, da war es Lea. Da sprach Jakob zu Laban: Was hast du mir angetan! Habe ich dir nicht um Rachel gedient? Warum hast du mich betrogen?
26 Laban sprach: Es ist hierzulande nicht Sitte, die Jüngere vor der Älteren wegzugeben.
27 Feire die Hochzeitswoche mit dieser zu Ende, dann wollen wir dir auch die andere geben für den Dienst, den du bei mir noch weitere sieben Jahre tun sollst.
28 Jakob machte es so, und er feierte die Woche mit ihr zu Ende. Dann gab ihm jener seine Tochter Rachel zur Frau.
29 Und Laban gab seiner Tochter Rachel seine Magd Bilha zur Magd.
30 Da ging er auch zu Rachel, und er liebte Rachel mehr als Lea. Und er diente bei ihm noch weitere sieben Jahre.

Jakobs Kinder

31 Der HERR aber sah, dass Lea zurückgesetzt1 war, und er öffnete ihren Schoss, während Rachel unfruchtbar blieb.
32 Und Lea wurde schwanger und gebar einen Sohn, und sie nannte ihn Ruben, denn sie sprach: Fürwahr, der HERR hat mein Elend angesehen; nun wird mein Mann mich lieben.
33 Und sie wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sprach: Fürwahr, der HERR hat gehört, dass ich zurückgesetzt bin, und hat mir auch noch diesen gegeben. Und sie nannte ihn Simeon.
34 Und sie wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sprach: Nun endlich wird mein Mann mir anhänglich sein, denn ich habe ihm drei Söhne geboren. Darum nannte sie ihn Levi.2
35 Und sie wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn, und sie sprach: Nun will ich den HERRN preisen. Darum nannte sie ihn Juda.3 Dann hörte sie auf zu gebären.
1 "zurückgesetzt" ist wörtlich: "gehasst".
2 Im Namen Levi klingt hebräisch 'anhänglich' an.
3 Der Name Juda klingt ähnlich wie hebräisch 'preisen'.
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