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Neues Leben. Die Bibel

Hiobs zweite Rede: Die Antwort an Elifas

1 Da antwortete Hiob:
2 »Wenn man meinen Unmut wiegen und meinen Kummer auf die Waage legen könnte,
3 wären sie schwerer als der Sand am Meer. Deshalb habe ich so unbedacht geredet.
4 Denn der Allmächtige hat mich mit seinen Pfeilen getroffen, ihr Gift dringt tief in meine Seele ein. Gott hat sich zur Schlacht gegen mich aufgestellt und überfällt mich mit seinen Schrecken.
5 Habe ich etwa keinen Grund zu klagen?1 Die Wildesel schreien, wenn sie kein grünes Gras finden und die Ochsen brüllen, wenn sie nichts zu fressen haben.
6 Eine fade Speise isst man nicht ohne Salz und rohes Eiweiß ist ganz ohne Geschmack.
7 Ich sträube mich dagegen, es auch nur anzufassen; mich ekelt davor wie vor verdorbener Nahrung!
8 Ach, wollte sich meine Bitte erfüllen, würde Gott meine Hoffnung wahr machen!
9 Würde er sich doch entschließen mich zu vernichten! Ich wünschte, er würde seine Hand ausstrecken und mich töten.
10 Dann hätte ich zumindest einen Trost und würde trotz meiner Schmerzen vor Freude springen: Denn die Gebote des Heiligen habe ich nie missachtet.
11 Ich habe keine Kraft mehr, um noch länger durchzuhalten. Ich habe kein Ziel vor Augen, das mir Mut machen könnte meinen Weg weiterzugehen.
12 Ist denn meine Kraft so unerschütterlich wie ein Fels? Ist mein Körper etwa aus Eisen gemacht?
13 Nein, ich bin völlig hilflos, mir ist alles entrissen worden, worauf ich mich stützen könnte.
14 Zu einem Freund, dem es schlecht geht, sollte man freundlich sein, selbst dann, wenn er den Allmächtigen nicht mehr fürchtet.2
15 Doch meine Freunde3 verhalten sich mir gegenüber wie ein trügerischer Bach. Erst ist er nur ein Rinnsal, aber im Frühjahr schwillt er zur reißenden Flut an, die alles überschwemmt.
16 Eis und geschmolzener Schnee trüben sein Wasser.
17 Doch wenn die heiße Jahreszeit kommt, versickert er, der ganze Bach verdampft in der Hitze.
18 Die Karawanen verlassen ihren Weg, um sich zu erfrischen, doch sie finden nichts zu trinken und kommen in der Wüste um.4
19 Voller Hoffnung halten die Karawanen aus Tema und Saba nach ihm Ausschau,
20 doch wenn sie kein Nass finden, werden ihre Hoffnungen zerschlagen. Sie kommen hin und finden nur trockenen Sand.
21-22 Genauso geht es mir jetzt mit euch. Ihr seht, wie schlecht es um mich steht und euch graut davor. Habe ich euch etwa gebeten: `Gebt mir etwas von eurem Vermögen! Helft mir mit einem Bestechungsgeld aus!
23 Rettet mich vor meinen Feinden! Kauft mich von erpresserischen Bösewichten frei!´?
24 Alles, was ich will, ist eine Antwort - dann werde ich schweigen. Sagt mir, was ich falsch gemacht habe.
25 Ein aufrichtiges Wort mag schmerzlich sein - aber was wollt ihr mir mit eurer Zurechtweisung sagen?
26 Wollt ihr meine Worte tadeln? Die Verzweiflung, die aus ihnen spricht, scheint ihr gar nicht zu hören!5
27 Ihr würdet sogar über ein Waisenkind würfeln oder einen Freund verschachern.
28 Bitte seht mich an! Würde ich euch ins Gesicht lügen?
29 Hört endlich auf, mir Unrecht zu tun, denn noch bin ich im Recht.
30 Glaubt ihr, dass ich lüge? Sollte ich den Unterschied zwischen Recht und Unrecht nicht kennen?
1 6,5 Habe ich etwa keinen Grund zu klagen? wurde zur besseren Verständlichkeit eingefügt.
2 6,14 O. Wer dem Verzagten das Mitleid versagt, der verlässt die Furcht des Allmächtigen.
3 6,15 Hebr. Brüder.
4 6,18 Hebr. Es werden Karawanen abgelenkt von ihrem Weg, ziehen hinauf in die Öde und kommen um.
5 6,26 Hebr. Für den Wind sind ja die Reden eines Verzweifelnden.
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