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Neues Leben. Die Bibel

1 »Höre, o Himmel, ich will reden! Höre, o Erde, meine Worte!
2 Meine Lehre soll niedergehen wie der Regen; meine Rede wird sich niederlassen wie der Tau, wie Regenschauer auf zarte Grashalme und Regentropfen auf sattgrüne Pflanzen.
3 Ich will den Namen des Herrn bekannt machen. Gebt unserem Gott die Ehre!
4 Er ist ein Fels, sein Tun ist vollkommen. Alles, was er macht, ist richtig und gerecht. Er ist ein treuer Gott, der kein Unrecht tut; gerecht und zuverlässig ist er!
5 Dieses treulose und verdorbene Volk hat ihn schlecht behandelt. Nicht seine Kinder sind sie, sondern Schandflecken!
6 So geht ihr mit dem Herrn um, ihr einfältigen und unvernünftigen Menschen? Ist er denn nicht euer Vater, der euch geschaffen hat? Hat nicht er euch geformt und gemacht?
7 Denkt an die längst vergangenen Tage, achtet auf die längst verblichenen Generationen. Fragt euren Vater, er wird es euch erzählen, und befragt eure Alten, sie werden es euch sagen.
8 Als der Höchste den Völkern ihren Erbbesitz zuwies, als er die Menschen voneinander trennte, setzte er die Grenzen zwischen den Völkern fest, gemäß der Zahl der Israeliten.
9 Doch Israel gehört dem Herrn, Jakob ist sein besonderes Eigentum.
10 Er fand sie in einem öden Land, in der weiten, einsamen Wüste. Er umgab sie und wachte über sie, er behütete sie wie seinen Augapfel.
11 Wie ein Adler, der seinen Jungen das Fliegen beibringt, über ihnen schwebt und sie auffängt, seine Schwingen ausbreitet und sie auf seinen Flügeln in die Höhe trägt,
12 so führte der Herr sie; er allein, ohne fremde Götter.
13 Er ließ sie über das Hochland ziehen und von den Feldern essen. Er gab ihnen Honig aus den Bergen und Öl aus dem harten Fels,
14 Rahm von den Kühen und Milch von Ziegen, dazu das Beste von Lämmern und fehlerlose Widder und Ziegen aus Baschan sowie den allerbesten Weizen. Den erlesensten Wein habt ihr getrunken, gekeltert aus dem Saft edelster Trauben.
15 Doch schon bald wurde Jeschurun1 fett und schlug aus. - Ihr wurdet fett, dick und aufsässig! - Sie verließen den Gott, der sie geschaffen hatte, und verachteten den Fels ihrer Rettung.
16 Sie erregten seine Eifersucht mit fremden Göttern; sie weckten seinen Zorn durch abscheuliche Taten.
17 Sie opferten Dämonen, die nicht Gott sind, Göttern, die sie nicht kannten, neuen Göttern, die erst aufgekommen waren, Göttern, die eure Vorfahren niemals angebetet haben.
18 Ihr wolltet nichts mehr von dem Fels wissen, der euer Vater war, und habt den Gott vergessen, der euch geboren hat.
19 Der Herr sah dies und verwarf voller Zorn seine eigenen Söhne und Töchter.
20 Er sprach: `Ich will mich vor ihnen verbergen, will sehen, was dann aus ihnen wird! Denn sie sind eine verdorbene Generation, Kinder, die keine Treue kennen.
21 Sie machten mich eifersüchtig mit Göttern, die keine sind, und machten mich zornig mit wertlosen Götzen. Jetzt werde ich euch auch eifersüchtig machen mit einem Volk, das nicht mein Volk ist. Ich will euch zornig machen mit einem Volk, das nichts von mir weiß.
22 Denn mein Zorn wütet wie ein Feuer und versengt noch die Tiefen des Totenreichs. Er verzehrt die Erde und ihre Ernte und setzt die Grundfesten der Berge in Brand.
23 Ich will sie im Unglück ersticken, will sie niederschießen mit meinen Pfeilen.
24 Ich will sie mit verzehrendem Hunger, brennendem Fieber und tödlichen Krankheiten schlagen. Ich will gefährliche Raubtiere auf sie hetzen und Giftschlangen, die lautlos im Staub dahingleiten.
25 Draußen soll das Schwert ihnen den Tod bringen und drinnen soll der Schrecken sie schlagen, junge Männer und junge Frauen, Säuglinge und Greise.
26 Ich hätte gern beschlossen: »Ich will sie zerstreuen, sodass sich niemand mehr an sie erinnert.«
27 Doch ich fürchte den Hohn ihrer Feinde, dass ihre Feinde es falsch deuten und behaupten: »Unsere Macht hat gesiegt! Es war nicht der Herr, der dies tat!«
28 Israel ist ein Volk ohne Verstand, Klugheit sucht man bei ihnen vergeblich.
29 O wären sie doch weise und könnten dies verstehen, dann würden sie begreifen, was für ein Schicksal sie erwartet!
30 Wie könnte ein einziger Tausend von ihnen vertreiben und zwei von ihnen Zehntausend in die Flucht schlagen, wenn ihr Fels sie ihnen nicht ausgeliefert, wenn der Herr sie nicht dahingegeben hätte?´
31 Denn der Fels unserer Feinde ist nicht wie unser Fels, selbst unsere Feinde müssen das einräumen.
32 Ihre Reben stammen von den Weinstöcken Sodoms und von den Weinbergen Gomorras. Ihre Beeren sind giftig, bitter sind ihre Trauben.
33 Ihr Wein ist Schlangengift, das tödliche Gift der Vipern.
34 `Ich verwahre diese Dinge, schließe sie weg mit meinen Schätzen.
35 Mir allein steht es zu, Rache zu nehmen und Vergeltung zu üben. Zu gegebener Zeit werden ihre Füße taumeln. Der Tag ihres Unglücks ist nahe, ihr Schicksal wird sie bald ereilen.´
36 Ja, der Herr wird sein Volk richten, sich aber über seine Diener erbarmen, wenn er sieht, dass ihre Stärke dahin ist und dass weder Sklave noch Freier mehr sind.
37 Dann wird er fragen: `Wo sind ihre Götter, die Felsen, bei denen sie Zuflucht suchten,
38 die das Fett ihrer Opfer aßen und den Wein ihrer Trankopfer tranken? Sollen sie doch aufstehen und euch helfen! Sollen sie doch euer Schutzschild sein!
39 Erkennt doch endlich: Ich allein bin es! Es gibt keinen Gott außer mir! Ich bin es, der tötet und der Leben gibt; ich verwunde und ich heile. Niemand kann aus meiner Hand erretten!
40 Ja, jetzt erhebe ich meine Hand zum Himmel und spreche: So wahr ich für immer lebe,
41 wenn ich mein blitzendes Schwert geschärft habe und anfange zu richten, werde ich meinen Feinden vergelten und an denen, die mich hassen, Rache üben.
42 Meine Pfeile sollen trunken sein von Blut und mein Schwert soll Fleisch fressen: das Blut der Erschlagenen und Gefangenen und die Häupter der Anführer des Feindes.´
43 Freut euch, ihr Völker, mit seinem Volk! Alle Engel Gottes sollen ihn anbeten2, denn er wird das Blut seiner Diener rächen. Er wird Vergeltung üben an seinen Feinden und wird sein Land und sein Volk von Schuld reinigen.«
44 Mose und Josua3, der Sohn Nuns, trugen dem Volk alle Worte dieses Lieds vor.
45 Als Mose allen Israeliten das ganze Lied vorgetragen hatte,
46 sagte er zu ihnen: »Nehmt euch die Worte, mit denen ich euch heute ermahnt habe, zu Herzen. Schärft sie euren Kindern ein, damit sie jedes Wort dieses Gesetzes gewissenhaft befolgen.
47 Diese Anweisungen sind nicht nur leere Worte - sie sind euer Leben! Wenn ihr diese Worte ernst nehmt, könnt ihr lange in dem Land leben, das ihr erobern werdet, nachdem ihr den Jordan überquert habt.«

Moses Tod wird angekündigt

48 Am gleichen Tag sprach der Herr zu Mose:
49 »Steig auf das Gebirge östlich des Flusses4, auf den Nebo, der in Moab gegenüber von Jericho liegt. Blicke dann über Kanaan, das Land, das ich den Israeliten zum Besitz gebe.
50 Danach sollst du dort auf dem Berg sterben und im Tod mit deinen Vorfahren vereint werden, genauso wie dein Bruder Aaron auf dem Berg Hor starb und mit seinen Vorfahren vereint wurde.
51 Denn ihr habt mir beide vor den Israeliten nicht gehorcht, und zwar am Wasser von Meriba-Kadesch in der Wüste Zin. Dort habt ihr es versäumt, den Israeliten meine Heiligkeit vor Augen zu führen.
52 Deshalb sollst du das Land, das ich den Israeliten gebe, nur aus der Ferne sehen, aber du wirst es nicht betreten.«
1 32,15 Ein Kosename Israels.
2 32,43 So in den Schriftrollen vom Toten Meer und in der altgriech. Übersetzung; die jüngeren hebr. Handschriften lesen bejubelt sein Volk, o Nationen.
3 32,44 Hebr. Hoschea, eine Variante des Namens Josua; s. 4. Mose 13,16.
4 32,49 O. die Berge von Abarim.
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