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Gute Nachricht Bibel

»Herr, achte auf mein Schreien.« Bitte um Vergebung für unbedachtes Reden in großer Not

1 Ein Lied Davids, für Jedutun.1
2 Ich hatte mir vorgenommen, auf mich aufzupassen und nichts zu sagen, wodurch ich schuldig würde, in Gegenwart von Schurken stillzuschweigen, als hätte ich einen Knebel im Mund.
3 Ich habe mich in Schweigen gehüllt, doch nichts hat sich dadurch gebessert, denn meine Qualen wurden immer schlimmer:
4 Im Herzen wurde mir immer heißer, mein Stöhnen brachte die Glut zum Brennen, es musste heraus!2
5 Sag es mir, Herr, wie viel Zeit mir noch bleibt. Wie lang ist mein Leben bemessen? Ich will wissen, wann es zu Ende ist!
6 Es ist so kurz, das bisschen Leben, das du mir zugemessen hast; eine Handbreit nur, ein Nichts verglichen mit dir. Wie fest meint jeder Mensch zu stehen und ist in Wahrheit nur ein Hauch!
7 Er kommt und geht wie die Bilder eines Traums; er ist geschäftig und lärmt – für nichts; er sammelt und speichert und weiß nicht, wer's bekommt.
8 Herr, was hab ich da noch zu erhoffen? Ich setze meine ganze Hoffnung auf dich!3
9 Befreie mich von aller meiner Schuld und mach mich nicht zum Spott für Menschen, die dich und deine Gebote missachten!
10 Ich bin jetzt still, ich werde nichts mehr sagen; von dir kommt alles, was geschehen ist.
11 Doch lass es genug sein; hör auf, mich zu plagen; ich halte deine Schläge nicht mehr aus!
12 Du strafst einen Menschen für seine Schuld; das Wertvollste, was er hat, sein Leben,4 zerstörst du wie die Motte, die ein Kleid zerfrisst. Ein Hauch ist jeder Mensch – mehr nicht!
13 Höre mein Gebet, Herr, achte auf mein Schreien; sei nicht taub für mein Klagen und Weinen! Ich bin nur ein Gast bei dir wie alle meine Ahnen, ein rechtloser Fremder, der auf deine Güte zählt.
14 Wende deinen strafenden Blick von mir ab, damit ich noch einmal aufatmen kann, bevor ich gehen muss und nicht mehr bin!
1 Zu Jedutun siehe 1Chr 25,1-6.
2 Der Beter dieser ergreifenden Klage wollte sein Leiden schweigend ertragen; vgl. Klgl 3,28-29. Aber das Leiden - vielleicht auch das Warten - ging über seine Kraft.
3 Angesichts der Vergänglichkeit seines Lebens (Verse 5-7) sucht der Beter nach einem hoffnungsvollen Ausblick. Nur Gott kann sein Leid beenden und seine Feinde zum Schweigen bringen. Aber die Frage nach dem Sterben bleibt; der Glaube an eine Auferstehung bereitet sich im Alten Testament erst langsam vor; vgl. Anmerkung zu 73,26.
4 Wörtlich seine Anmut/Schönheit.
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