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Gute Nachricht Bibel

Die Weisheit stellt sich vor

1 Hört doch, die Weisheit1 ruft, die Einsicht lässt ihre Stimme erschallen!
2 Erhöht und weithin sichtbar steht sie an den Straßen und da, wo sich Wege kreuzen.
3 Sie stellt sich an die Tore der Stadt, an den Toreingängen ruft sie aus:
4 »Leute, ich habe euch etwas zu sagen! An alle Menschen wende ich mich.
5 Ihr Grünschnäbel, lernt reif zu werden! Ihr Unverständigen, werdet klug!
6 Hört zu, ich gebe euch wertvollen Rat! Ihr könnt euch auf meine Worte verlassen.
7 Aus meinem Mund hört ihr die Wahrheit; Böses auszusprechen, ist mir verhasst.
8 Meine Worte sind alle wahr und ehrlich, es ist keine Falschheit und Hinterlist darin.
9 Sie sind klar und eindeutig für alle, die Einsicht haben und ihren Verstand gebrauchen.
10 Sucht meine Unterweisung, nicht Silberschmuck! Strebt nach Erkenntnis statt nach Schmuck aus Gold!
11 Ihr wisst doch: ›Weisheit ist besser als Juwelen, sie ist mit nichts vergleichbar, was ein Mensch sich wünschen könnte!‹
12 Ich bin die Weisheit. Ich bin vertraut mit der Klugheit und weiß umsichtig zu überlegen.
13 Dem Herrn gehorchen heißt: das Böse hassen. Ich verabscheue Überheblichkeit und Hochmut, unrechtes Tun und lügnerisches Reden.
14 Ich mache Pläne und führe sie auch aus; ich habe die Einsicht und auch die Macht.
15 Mit meiner Hilfe regieren die Könige und treffen die Herrscher gerechte Entscheidungen.
16 Mit meiner Hilfe regieren die Mächtigen, die Großen, die für das Recht zu sorgen haben.
17 Alle, die mich lieben, die liebe ich auch. Wer mich sucht, wird mich finden.
18 Reichtum und Ehre habe ich zu bieten, bleibenden Besitz und gerechten Lohn.
19 Was ihr von mir bekommt, ist besser als das feinste Gold, wertvoller als das reinste Silber.
20 Wo Menschen nach Gottes Willen fragen und einander gerecht behandeln, dort bin ich mit Sicherheit zu finden,
21 um denen, die mich lieben, Besitz zu geben und ihre Häuser mit Schätzen zu füllen.
22 Am Anfang hat der Herr mich geschaffen, ich war sein erstes Werk vor allen anderen.2
23 In grauer Vorzeit hat er mich gemacht, am Anfang, vor Beginn der Welt.
24 Als ich geboren wurde, gab es noch kein Meer und keine Quelle brach aus der Tiefe hervor.
25 Der Grund der Berge war noch nicht gelegt, die Hügel waren noch nicht entstanden.
26 Gott hatte noch nicht die Erde gemacht, vom festen Land und seinen Feldern war noch nicht das Geringste zu sehen.
27 Ich war dabei, als er den Himmel wölbte und den Kreis des Horizonts festlegte über den Tiefen des Ozeans,3
28 als er die Wolken hoch oben zusammenzog und die Quellen aus der Tiefe sprudeln ließ,
29 als er dem Meer die Grenze bestimmte, die seine Fluten nicht überschreiten dürfen, als er die Fundamente der Erde abmaß –
30 da war ich als Kind an seiner Seite, ich freute mich an jedem Tag und spielte unter seinen Augen.
31 Ich spielte auf dem weiten Rund der Erde und hatte meine Freude an den Menschen.4
32 Deshalb, ihr jungen Leute, hört auf mich! Wie glücklich sind alle, die mir folgen!
33 Schlagt meine Unterweisung nicht in den Wind, hört darauf und werdet klug!
34 Wie glücklich sind alle, die mir zuhören, die jeden Tag vor meinem Haus stehen und an meinem Tor auf mich warten.
35 Alle, die mich finden, finden das Leben und der Herr hat Freude an ihnen.
36 Doch wer mich verfehlt, schadet sich selbst. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.«
1 Man hat den Eindruck, dass hier die »Weisheit« in Person der im vorangehenden breit geschilderten Verführerin als Gegenbild gegenübergestellt werden soll. Die Warnungen vor der »fremden Frau« (siehe Vergleichsstellen zu 5,3-6) wären dann nicht nur wörtlich, sondern zugleich sinnbildlich zu verstehen; vgl. 9,13-18.
2 Weil an der Schöpfung die Weisheit Gottes abzulesen ist (vgl. 1Kor 1,21), sieht der Dichter dieses Liedes in der personenhaft vorgestellten »Weisheit« das erste Geschöpf Gottes; vgl. auch Sir 24,3-4. Es handelt sich demnach um eine bildhafte Ausgestaltung des Bekenntnisses von 3,19; vgl. Weish 9,1-2. Im Neuen Testament wird an diese Aussagen über die Weisheit angeknüpft, um Wesen und Bedeutung Jesu Christi auszusagen: Er war vor allen Geschöpfen »am Anfang« da, und alles ist »durch ihn« geschaffen worden (Joh 1,1-4; Kol 1,15-17). Und wie die Weisheit nach Sir 24,7-17 auf der Erde Wohnung nahm, so ist in Christus das ewige »Wort« Gottes Mensch unter Menschen geworden (Joh 1,14).
3 Dahinter steht die Vorstellung, dass die Erde auf Pfeilern (vgl. Vers 29 und Ijob 9,6) über dem Urmeer errichtet ist.
4 Vielleicht wird damit hingedeutet auf eine »paradiesische« Urzeit, in der die Menschen noch willig den Weisungen Gottes folgten und seiner Weisheit Freude machten.
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