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Gute Nachricht Bibel

Die kleinen Leute bezahlen die Zeche

1 Im Volk aber breitete sich Unzufriedenheit aus.1 Die Männer und ihre Frauen kamen zu mir und beschwerten sich über ihre jüdischen Stammesbrüder.
2 Die einen klagten: »Wir haben viele Söhne und Töchter und wissen nicht, wie wir genug Getreide zum Leben beschaffen sollen.«
3 Andere beklagten sich: »Wir müssen unsere Felder, unsere Weinberge und unsere Häuser verpfänden, um in der Hungersnot Brot kaufen zu können.«
4 Wieder andere beschwerten sich: »Wir mussten unsere Felder und Weinberge verpfänden, um die Abgaben für den König bezahlen zu können.«
5 Sie alle sagten: »Sind wir etwa nicht vom selben Fleisch und Blut wie unsere Stammesbrüder? Sind unsere Kinder nicht genauso gut Israeliten wie ihre Kinder? Und doch müssen wir ihnen unsere Söhne und Töchter als Sklaven geben. Einige unserer Töchter sind schon missbraucht worden und wir können nichts dagegen tun. Unsere Felder und Weinberge gehören anderen.«2
6 Ich wurde sehr zornig, als ich von diesem himmelschreienden Unrecht erfuhr.
7 Ich überlegte mir die Sache hin und her. Dann sagte ich den Männern aus den ersten Familien und den Ratsherren hart und deutlich meine Meinung: »Wie könnt ihr die Notlage eurer eigenen Stammesbrüder so schamlos ausnutzen?« Ich brachte die Sache vor die Versammlung der ganzen Gemeinde
8 und hielt den Schuldigen vor: »Wir haben von unseren jüdischen Stammesbrüdern, die unter die Nachbarvölker verkauft worden waren, so viele losgekauft, wie wir konnten. Und ihr wollt sie jetzt selber verkaufen, damit sie wieder zurückgekauft werden müssen?« Sie schwiegen und konnten nichts zu ihrer Rechtfertigung vorbringen.
9 Ich fuhr fort: »Was ihr da tut, ist ein Verbrechen. Ihr solltet in wahrer Gottesfurcht leben! So aber macht ihr uns zum Gespött der Völker, die unsere Feinde sind.
10 Auch ich, meine Brüder und Verwandten und meine Leute haben Geld und Getreide ausgeliehen. Lasst uns doch auf jede Rückzahlung verzichten!
11 Und gebt euren Schuldnern noch heute ihre Felder, ihre Weinberge, Ölbäume und Häuser zurück! Erlasst ihnen die ganze Schuld, alles, was ihr ihnen an Geld und Getreide, an Wein und Öl geliehen habt!«

Nehemia als leuchtendes Vorbild

12 Da riefen sie: »Wir wollen alles zurückgeben und nichts mehr von ihnen fordern! Wir wollen alles so machen, wie du gesagt hast!« Ich rief die Priester zu mir und ließ die Gläubiger vor ihnen ihr Versprechen beschwören.
13 Ich schüttelte alles, was ich über dem Gürtel in meinem Gewand trug, vor der ganzen Gemeinde heraus und erklärte: »Genauso soll Gott jeden, der diesen Schwur nicht hält, aus seinem Haus und seinem Besitz hinausschütteln, ja, er selbst soll genauso ausgeschüttelt und ausgeleert sein.« Die ganze Gemeinde rief: »Amen, so soll es sein!«, und pries den Herrn. Alle hielten sich an diese Abmachung.3
14 Ich selbst verzichtete für mich und meine Verwandtschaft von Anfang an auf die Unterhaltskosten, die mir als Statthalter der Provinz Juda zustanden, die ganzen zwölf Jahre lang, vom 20. bis zum 32.Regierungsjahr des Königs Artaxerxes.
15 Frühere Statthalter hatten dem Volk schwere Lasten auferlegt. Sie verlangten von ihm nicht nur Brot und Wein, sondern täglich auch noch 40 Silberstücke für ihren Unterhalt.4 Auch ihre Leute unterdrückten das Volk. Weil ich Gott ernst nahm, tat ich dies alles nicht.
16 Meine ganze Kraft habe ich für den Bau der Mauer eingesetzt und auch meine Leute haben bei der Arbeit mitgeholfen. Keiner von uns hat Grundbesitz erworben.
17 Hundertfünfzig Beamte der judäischen Bezirksverwaltung hatte ich ständig zu verpflegen, dazu die Gäste, die von den umliegenden Völkern zu uns kamen.
18 Täglich wurden ein Rind, sechs ausgesuchte Schafe und dazu Geflügel zubereitet. Alle zehn Tage wurden die verschiedensten Weine in großen Mengen angeliefert. Trotzdem habe ich die Unterhaltskosten, die mir als Statthalter zustanden, nicht in Anspruch genommen;5 denn das Volk war durch die Bauarbeiten schon mehr als genug belastet.
19 Denk doch an mich, mein Gott, und lass mir zugute kommen, was ich für dieses Volk getan habe!
1 Verdeutlichender Zusatz.
2 Die hier geschilderten sozialen Missstände können nicht die unmittelbare Folge des Mauerbaus sein, der nur 52 Tage gedauert hat; vgl. 6,15. Aber sicher hat der anstrengende Einsatz die Notlage verschärft, die im kargen Judäa fast ein Dauerzustand war.
3 Nehemia zeigt mit seinem Vorgehen, welche Maßstäbe das Zusammenleben im Volk Gottes bestimmen sollen.
4 Deutung unsicher; möglich auch: Brot und Wein für 40 Silberstücke.
5 Nehemia verzichtet auf seine Vorrechte, weil er Gott ernst nimmt und seine »Brüder« nicht übervorteilen will. In ähnlicher Haltung tritt Paulus später den Korinthern gegenüber (vgl. 1Kor 9,1-18) und ermahnt sie, sich lieber übervorteilen zu lassen, als ihre Rechte gegenüber Brüdern einzuklagen (1Kor 6,7-8).
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