Hilfe

Gute Nachricht Bibel

Warum lässt Gott den Menschen nicht in Ruhe?

1 Sein ganzes Leben muss der Mensch sich quälen, für große Mühe gibt's geringen Lohn.
2 Er gleicht dem Sklaven, der nach Schatten lechzt, dem Knecht, der sehnlich auf den Abend wartet.
3 Auch mir ist solch ein Los zuteil geworden: Sinnlos vergeht ein Monat nach dem andern, und Nacht für Nacht verbringe ich mit Schmerzen.
4 Leg ich mich nieder, schleppen sich die Stunden; ich wälze mich im Bett und kann nicht schlafen und warte ungeduldig auf den Morgen.
5 Mein Körper fault und ist bedeckt mit Krusten, die Haut bricht auf und eitert überall.
6 Ganz ohne Hoffnung schwinden meine Tage, sie eilen schneller als ein Weberschiffchen.
7 Gott, denk an mich: Mein Leben ist ein Hauch; mein Glück vergeht, ich seh es nie mehr wieder!
8 Noch siehst du mich, doch bald ist es zu spät; blickst du dann wieder her, so bin ich fort.
9 Die Wolke löst sich auf und ist verschwunden; genauso geht's dem Menschen, wenn er stirbt: Vom Ort der Toten kommt er nicht zurück.1
10 Nie mehr betritt auf Erden er sein Haus, und wer ihn kannte, wird ihn bald vergessen.
11 Deswegen werde ich den Mund nicht halten, ich lasse meiner Zunge freien Lauf. Was mich so bitter macht, das muss heraus!
12 Weshalb, Gott, lässt du mich so streng bewachen? Bin ich das Meer? Bin ich ein Ungeheuer?2
13 Wenn ich auf meinem Lager Ruhe suche, der Schlaf mir meine Schmerzen lindern soll,
14 dann quälst du mich mit schauerlichen Träumen und ängstigst mich mit schlimmen Schreckensbildern.
15 Mir wär es lieber, wenn du mich erwürgtest; der Tod ist besser als ein solches Leben!
16 Ich bin es satt, ich mag nicht weiter kämpfen. Mein ganzes Leben ist doch ohne Sinn.
17 Warum nimmst du den Menschen denn so wichtig,3 dass du den Blick auf ihn gerichtet hältst?
18 Zur Rechenschaft ziehst du ihn jeden Morgen und stellst ihn immer wieder auf die Probe.
19 Wann blickst du endlich weg, lässt mich in Ruhe, so lang nur, dass ich einmal schlucken kann?4
20 Wenn ich gesündigt habe ohne Wissen, was tat ich dir damit, du Menschenwächter? Warum bin ich das Ziel für deine Pfeile? Bin ich dir5 wirklich so zur Last gefallen?
21 Kannst du denn meine Fehler nicht verzeihen und meine Sünde einfach übersehen? Nicht lange mehr, dann liege ich im Staub, und suchst du mich, so bin ich nicht mehr da.«
1 Ijob fürchtet, dass die ersehnte Hilfe (Vers 7: »Gott, denk an mich!« zu spät kommt. Wenn er erst einmal tot ist, kann auch Gott nicht mehr helfen; vgl. Ps 88,6. Von einer Auferstehung wusste man damals noch nichts.
2 Die Zeile ist eine Anspielung auf alte Erzählungen, nach denen Meer und Seeungeheuer gefangen gehalten werden, damit sie nicht entkommen und Schaden anrichten können (vgl. 38,8-11).
3 Ijob greift Ps 8,5 auf, stellt das Zitat aber auf den Kopf: Was dem Beter dort Trost ist, macht Ijob nur Angst.
4 Normalerweise wird der Blick Gottes als Segen empfunden (Num 6,25-26), Ijob empfindet ihn nur als Bedrohung.
5 dir mit G; H mir.
© 2018 ERF Medien