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Gute Nachricht Bibel

Ich schwöre ...

1 Mit meinen Augen schloss ich den Vertrag,1 niemals ein Mädchen lüstern anzusehen.
2 Was hätte ich von Gott sonst zu erwarten? Was wäre seine Antwort2 auf mein Tun?
3 Er schickt Verderben, straft mit Missgeschick, wenn jemand böse ist und Unrecht tut.
4 Gott sieht doch, was ich tue und was nicht; er zählt doch alle meine Schritte nach!
5 Ich schwöre, dass ich nie zur Lüge griff und nie versuchte, andere zu betrügen.
6 Wenn Gott mich auf gerechter Waage wiegt, dann muss er meine Unschuld anerkennen.
7 Wenn ich vom rechten Weg gewichen bin, wenn ich mein Herz den Augen folgen ließ, wenn meine Hände schmutzig sind von Schuld,
8 dann soll ein anderer essen, was ich säte, oder die Ernte soll vernichtet werden.
9 Wenn ich für meines Nachbarn Frau entbrannte und auf sie lauerte an seiner Tür,
10 soll meine Frau für einen andern kochen3 und andere Männer sollen mit ihr schlafen!
11 Denn mein Vergehen wäre eine Schandtat, die jeder Richter hart bestrafen müsste;
12 ein Feuer wäre es, das mich vernichtet und restlos niederbrennt, was mir gehört.
13 Wenn einer meiner Knechte sich beklagte, wenn eine Magd sich über mich beschwerte, hab ich zu keiner Zeit ihr Recht missachtet.
14 Wie könnte ich sonst Gott vor Augen treten und mich verteidigen, wenn er mich prüfte?
15 Derselbe, der mich schuf im Mutterleib, hat doch auch die geschaffen, die mir dienen!
16 Den Armen schlug ich keine Bitte ab und keine Witwe ging verzweifelt fort.
17 Mein Mittagsmahl war nie für mich allein, kein Waisenkind blieb ohne seinen Anteil.
18 Von Jugend auf, solang ich denken kann, nahm ich es wie ein Vater bei der Hand.4
19 Wenn einer nichts mehr anzuziehen hatte, zu arm war, eine Decke zu bezahlen,
20 dann half ich ihm und gab ihm warme Kleidung, gewebt aus Wolle meiner eigenen Schafe; er aber dankte mir mit Segenswünschen.
21 Wenn ich die Elternlosen unterdrückte, weil alle Richter meine Freunde waren,
22 dann soll mein Arm am Ellenbogen brechen und meine Schulter sich vom Rücken lösen!
23 Die Furcht vor Gottes Strafe schreckt mich ab5 und seine Hoheit kann ich nicht ertragen.
24 Ich hab mich niemals auf mein Gold verlassen, es nie als meine Sicherheit betrachtet.
25 Mein Wohlstand hat mich niemals stolz gemacht, auch meine Arbeit nicht, die stets gelang.
26 Wenn ich die Sonne sah in ihrem Glanz, den Mond auf seiner Bahn in voller Pracht,
27 dann war ich nie versucht, sie zu verehren und ihnen eine Kusshand zuzuwerfen.
28 Der Richter müsste solche Sünde strafen, weil ich den höchsten Gott verleugnet hätte!
29 Ich hab nie schadenfroh dabeigestanden, wenn meine Feinde Not und Unglück traf.
30 Ich hab auch niemals meinem Mund erlaubt, den Tod auf einen Feind herabzuwünschen.
31 Wer je mein Gast war, wird es mir bezeugen, dass jeder gut und reich bewirtet wurde.
32 Kein Fremder musste draußen übernachten, denn meine Tür stand immer allen offen.
33 Ich habe nie versucht, wie viele andere, mein Unrecht vor den Leuten zu verbergen.6
34 Ich hatte niemals Angst vor ihrem Reden; ich bin auch niemals stumm zu Haus geblieben, weil ich ihr Spottgeschrei gefürchtet hätte.
35 Gäb es doch einen, der mich hören wollte! Was ich gesagt hab, kann ich unterschreiben. Gott, der Gewaltige, soll Antwort geben! Er zeige mir die Klageschrift des Gegners!
36 Ich will sie stolz auf meiner Schulter tragen, sie mir als Kranz um meine Schläfen winden.
37 Ich würde Gott mein Leben offen legen und ohne Furcht ihm nahen wie ein Fürst!«7
38 Wenn sich mein Acker über mich beklagt8 und alle seine Furchen weinen müssen,
39 weil ich nur erntete und ihn nicht pflegte und seinem Herrn im Himmel nicht gehorchte,9
40 dann soll er Dornen tragen statt des Weizens und statt der Gerste Unkraut wachsen lassen! Hier enden die Worte Ijobs.
1 Nachdem Ijob mehrfach seine Unschuld beteuert hat, legt er in Kap 31 einen »Reinigungseid« ab. Bei einem Gerichtsverfahren wurde solch ein Eid als Beweismittel angenommen, wenn keine Zeugen die Unschuld des Angeklagten beweisen konnten. Er führte zum Freispruch, weil der Angeklagte sich damit an Gott auslieferte, der jeden Meineid hart bestrafen würde. Ijob fordert mit diesem Eid Gott zur Antwort heraus.
2 Wörtlich die Antwort des Gewaltigen.
3 Wörtlich mahlen.
4 Wörtlich Denn von meiner Jugend an wuchs es bei mir auf wie bei einem Vater und vom Leib meiner Mutter an habe ich es geleitet.
5 Der »Reinigungseid« hat wohl ursprünglich die Form einer Selbstverfluchung gehabt, die im Fall des Meineids zu der ausgesprochenen Strafe führte; vgl. die Verse 8.10.22.40a.
6 Ijob will damit sagen, dass er nichts zu verbergen hat.
7 Ijob ist überzeugt, dass keine Anklage ihm etwas anhaben kann, sondern dass er Gott im Prozess besiegen würde. Der falschen Lehre seiner Freunde setzt er sein subjektiv reines Gewissen entgegen.
8 Die Verse 38-40a sind umgestellt worden, weil 35-37 eindeutig den Schluss der Verteidigungsrede Ijobs bilden.
9 Die Deutung der Zeile ist schwierig; wörtlich weil ich die Seele seiner Besitzer zum Keuchen brachte. Vermutlich wird auf die Vorschrift über das Brachjahr angespielt (Ex 23,10-11; Lev 25,1-5).
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