Hilfe

Gute Nachricht Bibel

Gott sucht sich den Jüngsten aus

1 Der Herr sagte zu Samuel: »Wie lange trauerst du noch um Saul? Ich habe ihn verstoßen; er kann nicht länger König über Israel sein. Fülle jetzt ein Horn mit Salböl und geh nach Betlehem zu Isai. Unter seinen Söhnen habe ich mir einen als König ausgewählt.«
2 »Aber wie kann ich das?«, wandte Samuel ein. »Wenn Saul es erfährt, bringt er mich um!« Der Herr antwortete: »Nimm eine Kuh mit und sage, du seist gekommen, um ein Opfer darzubringen.
3 Lade auch Isai dazu ein. Ich sage dir dann, welchen von seinen Söhnen du zum König salben sollst.«
4 Samuel gehorchte dem Herrn und machte sich auf den Weg. In Betlehem kamen ihm die Ältesten der Stadt besorgt entgegen und fragten: »Dein Kommen bedeutet doch nichts Schlimmes?«
5 »Nein«, antwortete Samuel. »Ich komme, um dem Herrn ein Opfer darzubringen. Tut das Nötige, damit ihr rein seid, und kommt dann mit mir zum Opfermahl!« Er lud auch Isai und seine Söhne dazu ein und forderte sie auf, sich zu reinigen.
6 Als Isai mit seinen Söhnen zum Opfermahl kam, fiel Samuels Blick auf Eliab und er dachte: »Das ist gewiss der, den der Herr ausgewählt hat!«
7 Doch der Herr sagte zu Samuel: »Lass dich nicht davon beeindrucken, dass er groß und stattlich ist. Er ist nicht der Erwählte. Ich urteile anders als die Menschen.1 Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz.«
8 Isai rief Abinadab und führte ihn Samuel vor. Aber Samuel sagte: »Auch ihn hat der Herr nicht ausgewählt.«
9 Dann ließ Isai Schima vortreten, aber Samuel wiederholte: »Auch ihn hat der Herr nicht ausgewählt.«
10 So ließ Isai alle sieben Söhne an Samuel vorbeigehen, aber Samuel sagte: »Keinen von ihnen hat der Herr ausgewählt.«
11 Dann fragte er Isai: »Sind das alle deine Söhne?« Isai antwortete: »Der jüngste fehlt noch, David, der hütet die Schafe.« »Lass ihn holen«, sagte Samuel, »wir setzen uns nicht zum Opfermahl hin, bevor er hier ist!«
12 Isai schickte einen Boten und David kam. Der Junge war schön und kräftig2 und hatte klare Augen. »Er ist es, salbe ihn!«, sagte der Herr zu Samuel.
13 Da goss Samuel Öl aus seinem Horn über ihn und salbte ihn zum König vor den Augen seiner Brüder. In diesem Augenblick nahm der Geist des Herrn Besitz von David und verließ ihn nicht mehr.3 Samuel aber kehrte nach Rama zurück.

David tritt in Sauls Dienste

14 Der Herr hatte seinen Geist von Saul genommen und ihm einen bösen Geist geschickt, der ihn oft quälte.
15 Da sagten seine Leute zu Saul: »Du weißt selbst, dass ein böser Geist, von Gott geschickt, dich immer wieder befällt.
16 Sollen wir uns nicht nach einem Mann umsehen, der Harfe spielen kann? Du brauchst es nur zu befehlen! Wenn dann der böse Geist über dich kommt, kannst du dir etwas vorspielen lassen; das wird dich aufmuntern.«4
17 »Ja«, antwortete Saul, »sucht mir einen guten Harfenspieler und bringt ihn zu mir!«
18 Einer von den jungen Leuten sagte: »Ich kenne einen: Isai in Betlehem hat einen Sohn, der Harfe spielen kann. Er stammt aus einer angesehenen Familie und ist ein tüchtiger Kämpfer. Er versteht, zur rechten Zeit das rechte Wort zu sagen, und sieht sehr gut aus. Der Herr steht ihm bei.«
19 Da sandte Saul Boten zu Isai und ließ ihm sagen: »Schick mir doch deinen Sohn David, der die Schafe hütet!«
20 Isai gab David einen mit Broten beladenen Esel, einen Schlauch Wein und einen jungen Ziegenbock für Saul mit.
21 So kam David ins Haus Sauls und trat in seinen Dienst. Der König gewann ihn lieb und machte ihn zu seinem Waffenträger.
22 Seinem Vater Isai ließ er sagen: »Lass David in meinem Dienst bleiben! Er hat mein Wohlgefallen gefunden.«
23 Immer wenn der von Gott geschickte böse Geist über Saul kam, griff David zur Harfe und begann darauf zu spielen. Dann wurde es Saul leichter ums Herz, er fühlte sich wieder wohler und der böse Geist verließ ihn.
1 Dies ist ein wiederkehrender Grundzug der göttlichen Erwählung: bei Gideon (Ri 6,15), bei Saul (1Sam 9,21) und auch schon bei Josef (Gen 37,1-11).
2 schön und kräftig: Die genauere Bedeutung der beiden Wörter ist nicht sicher zu bestimmen; möglich sonnengebräunt und gut aussehend.
3 Das Ergriffensein vom Geist Gottes, bei den Rettern der Richterzeit (Ri 3,10 und Vergleichsstellen) und noch bei Saul (1Sam 10,10; 11,6) auf die Stunde der rettenden Tat beschränkt, wird bei David zu einem Zustand, der lebenslang anhält - auch wenn das nicht in allen seinen Taten sichtbar wird. Erst Jesus Christus wird im vollen Sinne von sich sagen können: »Der Geist des Herrn hat von mir Besitz ergriffen« (Lk 4,18).
4 Der Entzug des göttlichen Geistes ist die direkte Folge der Verwerfung Sauls (15,28); aber der Geist der Schwermut und Verdüsterung, den Gott ihm dafür sendet, darf nicht vorschnell als eine Strafe Gottes erklärt werden. Der biblische Erzähler übt hier eine bemerkenswerte Zurückhaltung. Wichtig ist, dass der Zustand Sauls zum Anlass wird, dass David an den Königshof kommt.
© 2017 ERF Medien