Hilfe

Einheitsübersetzung 2016

Klage des Propheten

1 Weh mir! Es geht mir wie nach der Obsternte, wie bei der Nachlese im Weinberg: Keine Traube ist da zum Essen, keine Frühfeige, die mein Herz begehrt.
2 Verschwunden sind die Treuen im Land, kein Redlicher ist mehr unter den Menschen. Alle lauern auf Blut, jeder macht Jagd auf den andern mit dem Netz.
3 Sie tun das Böse und lassen sich’s gut gehen: Der Beamte - er fordert und der Richter - um Bezahlung. Und der Große entscheidet nach seiner Habgier. So verdrehen sie das Recht.
4 Noch der Beste unter ihnen ist wie ein Dornstrauch, der Redlichste ist schlimmer als Dornengestrüpp. Der Tag deiner Späher, deine Heimsuchung ist gekommen; jetzt ergreift sie Bestürzung.
5 Traut dem Nachbarn nicht, verlasst euch nicht auf den Freund! Vor ihr, die an deiner Brust liegt, hüte die Pforten deines Mundes!
6 Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter stellt sich gegen die Mutter, die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter; jeder hat die eigenen Hausgenossen zum Feind.
7 Ich aber schaue aus nach dem HERRN, ich warte voll Vertrauen auf den Gott meiner Rettung. Mein Gott wird mich erhören.

Jerusalems Zuversicht

8 Freu dich nicht über mich, meine Feindin! Zwar liege ich am Boden, doch ich stehe wieder auf. Zwar sitze ich in der Finsternis, aber der HERR ist mein Licht.
9 Den Zorn des HERRN muss ich tragen, denn ich habe gegen ihn gesündigt; bis er meinen Rechtsstreit vertritt und mir Recht verschafft. Er wird mich hinausführen ins Licht, ich werde seine Gerechtigkeit schauen.
10 Meine Feindin wird es sehen und Scham wird sie bedecken, sie, die zu mir spricht: Wo ist der HERR, dein Gott? Meine Augen werden auf sie schauen. Nun wird sie zertreten, wie Gassenkot.

Wiederaufbau der Stadt

11 Es kommt der Tag, an dem man deine Mauern wieder aufbaut, der Tag, an dem deine Grenzen sich weiten.
12 An jenem Tag wird man zu dir kommen, von Assur bis Ägypten und von Ägypten bis zum Eufrat, von einem Meer zum andern und von einem Gebirge zum andern.
13 Die Erde aber wird zur Öde wegen ihrer Bewohner als Frucht ihrer Taten.

Jerusalems Gebet

14 Weide dein Volk mit deinem Stab, die Herde, die dein Erbbesitz ist, die einsam im Wald wohnt mitten im fruchtbaren Land! Sie sollen wieder im Baschan und in Gilead weiden wie in den Tagen der Vorzeit.
15 Wie in den Tagen, als du aus dem Land Ägypten auszogst, lass uns deine Wunder schauen!
16 Die Nationen werden es sehen und zuschanden werden in ihrer Macht. Sie werden die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren werden taub werden.
17 Sie werden Staub lecken wie die Schlange, wie die Kriechtiere auf dem Erdboden. Sie werden zitternd hervorkommen aus ihren Verliesen; an den HERRN, unseren Gott, werden sie bebend sich wenden und dich fürchten.
18 Wer ist Gott wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein.
19 Er wird sich unser wieder erbarmen, er wird niedertreten unsere Schuld. Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden.
20 Du wirst Jakob Treue und Abraham Liebe erweisen, wie du unseren Vätern geschworen hast in den Tagen der Vorzeit.
© 2018 ERF Medien