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Einheitsübersetzung

Die Klage des Propheten über sein Volk

1 Weh mir! Es geht mir wie nach der Obsternte, wie bei der Nachlese im Weinberg: Keine Traube ist mehr da zum Essen, keine von den Frühfeigen, die mein Herz begehrt.
2 Verschwunden sind die Treuen im Land, kein Redlicher ist mehr unter den Menschen. Alle lauern auf Blut, einer macht Jagd auf den andern.
3 Sie trachten nach bösem Gewinn und lassen sich's gut gehen: Die hohen Beamten fordern Geschenke, die Richter sind für Geld zu haben und die Großen entscheiden nach ihrer Habgier - so verdrehen sie das Recht.
4 Noch der Beste unter ihnen ist wie eine Distel, der Redlichste ist schlimmer als Dornengestrüpp. Doch der Tag deiner Bestrafung kommt; dann werden alle bestürzt sein.
5 Traut eurem Nachbarn nicht, verlasst euch nicht auf den Freund! Hüte deinen Mund vor der Frau in deinen Armen!
6 Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter stellt sich gegen die Mutter, die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter; jeder hat die eigenen Hausgenossen zum Feind.
7 Ich aber schaue aus nach dem Herrn, ich warte voll Vertrauen auf Gott, meinen Retter. Mein Gott wird mich erhören.

Die Zuversicht Jerusalems

8 Freu dich nicht über mich, meine Feindin! Zwar liege ich am Boden, doch ich stehe wieder auf. Zwar sitze ich in der Finsternis, aber der Herr ist mein Licht.
9 Ich habe mich gegen den Herrn versündigt; deshalb muss ich seinen Zorn ertragen, bis er meine Sache vertritt und mir Recht verschafft. Er wird mich hinausführen ins Licht, ich werde seine Heilstat erleben.
10 Meine Feindin wird es sehen und vor Scham vergehen; denn sie sagte zu mir: Wo ist Jahwe, dein Gott? Und meine Augen werden sich an ihr weiden. Dann wird sie zertreten wie Gassenkot.

Der Wiederaufbau der Stadt

11 Es kommt der Tag, an dem man deine Mauern wieder aufbaut, der Tag, an dem deine Grenzen sich weiten.
12 An jenem Tag kommen alle zu dir, von Assur bis Ägypten und von Ägypten bis zum Eufrat, von einem Meer zum andern und von einem Gebirge zum andern.
13 Die Erde aber wird zur Wüste wegen (der Sünden) ihrer Bewohner; so ernten sie die Frucht ihrer Taten.

Das Gebet Jerusalems

14 Führe mit deinem Stab dein Volk auf die Weide, die Schafe, die dein Erbbesitz sind, die einsam lagern in einer Wildnis mitten im fruchtbaren Land. Sie sollen wieder im Baschan und in Gilead weiden wie in den Tagen der Vorzeit.
15 Wie in den Tagen, als du aus Ägypten auszogst, lass uns deine Wunder schauen!
16 Die Völker mit all ihrer Macht sollen sich schämen, wenn sie es sehen. Sie sollen die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren sollen taub werden.
17 Staub sollen sie fressen wie die Schlange, wie das Gewürm am Boden. Zitternd sollen sie herauskommen aus ihren Burgen, vor den Herrn treten, unseren Gott, voll Schrecken und Furcht vor dir.
18 Wer ist ein Gott wie du, der du Schuld verzeihst und dem Rest deines Erbvolkes das Unrecht vergibst? Gott hält nicht für immer fest an seinem Zorn; denn er liebt es, gnädig zu sein.
19 Er wird wieder Erbarmen haben mit uns und unsere Schuld zertreten. Ja, du wirfst all unsere Sünden in die Tiefe des Meeres hinab.
20 Du wirst Jakob deine Treue beweisen und Abraham deine Huld, wie du unseren Vätern geschworen hast in den Tagen der Vorzeit.
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