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Einheitsübersetzung 2016

Bürgerkrieg zwischen zwei Hohepriestern und Plünderung des Tempels durch den seleukidischen König

1 Um diese Zeit unternahm Antiochus seinen zweiten Feldzug gegen Ägypten.
2 Da erschienen fast vierzig Tage lang über der ganzen Stadt Reiter, die durch die Lüfte jagten, in golddurchwirkten Gewändern und mit Lanzen gewappnet, in Scharen rückten sie zum Kampf aus.
3 Und es zuckten Schwerter, Scharen von Pferden ordneten sich zum Kampf, Angriffe erfolgten, beide Seiten rannten gegeneinander an, Schilde bewegten sich, Speere gab es in Menge, Wurfgeschosse flogen, goldener Waffenschmuck blitzte auf und man sah Rüstungen aller Art.
4 Alle beteten deshalb, die Erscheinung möge etwas Gutes bedeuten.
5 Es kam aber das falsche Gerücht auf, Antiochus wäre gestorben. Da unternahm Jason mit nicht weniger als tausend Mann einen überraschenden Angriff auf die Stadt. Er drängte die Verteidiger auf der Mauer in die Enge; als er die Stadt ganz besetzt hatte, flüchtete sich Menelaus in die Burg.
6 Jason aber richtete unter seinen Mitbürgern ein schonungsloses Blutbad an, ohne zu bedenken, dass Waffenglück über Landsleute das größte Unglück ist. Er meinte, er hätte über Feinde und nicht über sein eigenes Volk einen Sieg davongetragen.
7 Dennoch konnte er die Herrschaft nicht an sich reißen. Sein Anschlag brachte ihm am Schluss nur Schande und er musste erneut in das Ammoniterland fliehen.
8 Er nahm schließlich ein böses Ende. Aretas, der Fürst der Araber, ließ ihn gefangen setzen; er aber entkam und floh von Stadt zu Stadt. Von allen gehetzt, als Verräter der Gesetze verhasst, verwünscht als Henker des Vaterlandes und seiner Bürger, verschlug es ihn nach Ägypten.
9 Und wie er viele Menschen aus ihrem Vaterland in die Fremde getrieben hatte, so kam er selbst in der Fremde um, nämlich bei den Spartanern, zu denen er übers Meer gefahren war, um bei ihnen Schutz zu finden; die Spartaner waren ja mit den Juden verwandt.
10 So wie er Massen von Menschen unbegraben liegen ließ, so trauerte jetzt auch niemand um ihn; auch er erhielt keinerlei Begräbnis und kein Grab bei seinen Vätern.
11 Als dem König zu Ohren kam, was geschehen war, nahm er an, Judäa wolle von ihm abfallen. Wütend wie ein wildes Tier brach er daher von Ägypten auf und nahm die Stadt mit Waffengewalt ein.
12 Er befahl seinen Soldaten, alle, die ihnen begegneten, rücksichtslos niederzuhauen und auch die abzuschlachten, die in die Häuser zurückwichen.
13 Sie richteten unter Jung und Alt ein großes Blutbad an; Frauen und Kinder kamen um, junge Frauen und Kleinkinder wurden niedergemetzelt.
14 In nur drei Tagen verlor die Stadt achtzigtausend Einwohner; vierzigtausend fanden im Kampf den Tod, ebenso viele, wie erschlagen waren, wurden in die Sklaverei verkauft.
15 Doch das genügte dem König noch nicht; in seiner Vermessenheit betrat er den heiligsten Tempel der ganzen Erde unter der Führung des Menelaus, der die Gesetze und sein Vaterland verraten hatte.
16 Seine blutbefleckten Hände griffen nach den heiligen Geräten, und was andere Könige gestiftet hatten, um Glanz und Ruhm des Ortes zu erhöhen, raffte er mit unreinen Händen zusammen.
17 In seiner Selbstüberhebung sah Antiochus nicht, dass der Herr nur für eine kurze Zeit zornig war, weil die Einwohner der Stadt gesündigt hatten, und deswegen den Ort für nichts achtete.
18 Hätten sie sich damals nicht in viele Sünden verstrickt, dann wäre ihm, sobald er sich vorwagte, seine Anmaßung durch Peitschenhiebe ausgetrieben worden, ähnlich wie Heliodor, der von König Seleukus zur Durchsuchung der Schatzkammer gesandt worden war.
19 Aber der Herr hat nicht das Volk wegen des Ortes, sondern den Ort wegen des Volkes erwählt.
20 Deswegen litt auch der Ort selbst mit unter den Unglücksschlägen, die das Volk trafen, wie er später Anteil hatte an seinem Glück. Als der Allherrscher zürnte, lag der Ort verlassen da; als aber der große Herr sich wieder versöhnen ließ, wurde er in seiner ganzen Herrlichkeit wiederhergestellt.
21 Antiochus also ließ tausendachthundert Talente aus dem Tempel schaffen und zog eilig ab nach Antiochia. In seiner Vermessenheit glaubte er, das Land schiffbar und das Meer gangbar machen zu können, so sehr überschätzte er sich selbst.
22 Er ließ Befehlshaber zurück, die das Volk unterdrücken sollten. In Jerusalem war es Philippus, seiner Herkunft nach ein Phrygier, seiner Gesinnung nach noch barbarischer als der, der ihn eingesetzt hatte;
23 auf dem Berg Garizim war es Andronikus. Dazu kam Menelaus, der sich seinen Mitbürgern gegenüber noch herrischer aufführte als die anderen; denn er hasste die jüdischen Bürger.
24 Außerdem schickte der König den Anführer der Mysier, Apollonius, mit einem Heer von zweiundzwanzigtausend Mann; er hatte ihm befohlen, alle wehrfähigen Männer umzubringen, die Frauen und Kinder aber in die Sklaverei zu verkaufen.
25 Als Apollonius in Jerusalem ankam, spielte er zunächst den Friedfertigen. Er wartete bis zum heiligen Sabbattag. Als er nun bemerkte, dass die Juden sich jeder Arbeit enthielten, gab er seinen Leuten Befehl, zu den Waffen zu greifen.
26 Alle, die zum festlichen Gottesdienst gegangen waren, ließ er niederstechen. Dann drangen sie mit den Waffen in die Stadt ein und streckten eine große Menschenmenge nieder.
27 Judas aber, mit dem Beinamen der Makkabäer, schloss sich mit neun Gefährten zusammen und zog sich in die Berge zurück und er lebte da wie die wilden Tiere. Sie ernährten sich die ganze Zeit nur von Pflanzen, um nicht unrein zu werden.
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