Hilfe

Einheitsübersetzung 2016

Lutherbibel 2017

Hoffnung für Alle

Zürcher Bibel

Last des Lebens

1 Danach tat Ijob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2 Ijob ergriff das Wort und sprach:
3 Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist empfangen.
4 Jener Tag werde Finsternis, nie frage Gott von oben nach ihm, nicht leuchte über ihm des Tages Licht.
5 Einfordern sollen ihn Finsternis und Todesschatten, Gewölk über ihn sich lagern, Verfinsterung am Tag mache ihn schrecklich.1
6 Jene Nacht, das Dunkel raffe sie hinweg, sie reihe sich nicht in die Tage des Jahres, sie gehe nicht ein in die Zahl der Monde.2
7 Ja, diese Nacht sei unfruchtbar, kein Jubel komme auf in ihr.
8 Verwünschen sollen sie die Verflucher der Tage, die es verstehen, den Levíatan zu wecken.
9 Verfinstert seien ihrer Dämmerung Sterne; sie harre auf Licht, jedoch umsonst; die Lider der Morgenröte schaue sie nicht.
10 Denn sie hat die Pforten an meiner Mutter Leib nicht verschlossen, nicht das Leid verborgen vor meinen Augen.
11 Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich?
12 Weshalb nur kamen Knie mir entgegen, wozu Brüste, dass ich daran trank?
13 Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe,
14 bei Königen, bei Ratsherren im Land, die Grabkammern für sich erbauten,
15 oder bei Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber gefüllt.
16 Wie die verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht mehr, Kindern gleich, die das Licht nie geschaut.
17 Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist.
18 Auch Gefangene sind frei von Sorgen, hören nicht mehr die Stimme des Treibers.
19 Klein und Groß ist dort beisammen, der Sklave ist frei von seinem Herrn.
20 Warum schenkt er dem Elenden Licht und Leben denen, die verbittert sind?
21 Sie warten auf den Tod, doch er kommt nicht, sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze.
22 Sie würden sich freuen und jubeln, sie würden frohlocken, fänden sie ein Grab.
23 Wozu Licht für den Mann auf verborgenem Weg, den Gott von allen Seiten einschließt?
24 Bevor ich noch esse, kommt mir das Seufzen, wie Wasser strömen meine Klagen hin.
25 Was mich erschreckte, das hat mich getroffen, wovor mir bangte, das kam über mich.
26 Noch hatte ich nicht Frieden, nicht Rast, nicht Ruhe, da kam neues Ungemach heran.
1 3,5 Verfinsterung am Tag: vermuteter Text; Bitternisse des Tages: H.
2 3,6 sie reihe sich: vermuteter Text, vgl. S und Vg; sie freue sich: H.

Hiobs Klage

1 Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2 Und Hiob sprach:
3 Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da man sprach: Ein Knabe kam zur Welt!
4 Jener Tag sei Finsternis, und Gott droben frage nicht nach ihm! Kein Glanz soll über ihm scheinen!
5 Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen und düstere Wolken über ihm bleiben, und Verfinsterung am Tage mache ihn schrecklich!
6 Jene Nacht – das Dunkel nehme sie hinweg, sie soll sich nicht unter den Tagen des Jahres freuen noch in die Zahl der Monde kommen!
7 Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin!
8 Es sollen sie verfluchen, die einen Tag verfluchen können, und die da kundig sind, den Leviatan zu wecken!
9 Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe aufs Licht, doch es komme nicht, und sie sehe nicht die Wimpern der Morgenröte,
10 weil sie nicht verschlossen hat die Tür des Leibes meiner Mutter und nicht verborgen das Unglück vor meinen Augen!
11 Warum bin ich nicht gestorben im Mutterschoß? Warum bin ich nicht umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam?
12 Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum bin ich an den Brüsten gesäugt?
13 Dann läge ich da und wäre still, dann schliefe ich und hätte Ruhe
14 mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die sich Grüfte erbauten,
15 oder mit den Fürsten, die Gold hatten und deren Häuser voll Silber waren;
16 wie eine Fehlgeburt, die man verscharrt hat, hätte ich nie gelebt, wie Kinder, die das Licht nie gesehen haben.
17 Dort haben die Frevler aufgehört mit Toben; dort ruhen, die viel Mühe gehabt haben.
18 Da haben die Gefangenen allesamt Frieden und hören nicht die Stimme des Treibers.
19 Da sind Klein und Groß gleich und der Knecht ist frei von seinem Herrn.
20 Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen –
21 die auf den Tod warten, und er kommt nicht, und nach ihm suchen mehr als nach Schätzen,
22 die sich sehr freuten und fröhlich wären, wenn sie ein Grab bekämen –,
23 dem Mann, dessen Weg verborgen ist, dem Gott den Pfad ringsum verdeckt hat?
24 Denn wenn ich essen soll, muss ich seufzen, und mein Schreien fährt heraus wie Wasser.
25 Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen.
26 Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon wieder ein Ungemach!
1 3,5 Verfinsterung am Tag: vermuteter Text; Bitternisse des Tages: H.
2 3,6 sie reihe sich: vermuteter Text, vgl. S und Vg; sie freue sich: H.

Warum muss ich noch leben?

1 Dann erst begann Hiob zu sprechen. Er verfluchte den Tag seiner Geburt
2 und sagte:
3 »Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren wurde, und auch die Nacht, in der man sagte: ›Es ist ein Junge!‹.
4 Jener Tag versinke in tiefer Finsternis – kein Licht soll ihn erhellen! Selbst Gott da oben vergesse ihn!
5 Ja, der Tod soll ihn holen – diesen Tag! Ich wünschte, dass sich dunkle Wolken auf ihn legten und die Finsternis sein Licht erstickte!
6 Für immer soll sie dunkel bleiben – die Nacht meiner Geburt! Ausgelöscht sei sie aus dem Jahreskreis, nie wieder erscheine sie auf dem Kalender!
7 Stumm und öde soll sie sein, eine Nacht, in der sich keiner mehr freut!
8 Verfluchen sollen sie die Zauberer, die Tag und Nacht verwünschen können und die den Leviatan, dieses Ungeheuer, wecken!
9 Jene Nacht soll finster bleiben, ohne alle Sternenpracht! Vergeblich warte sie aufs Sonnenlicht, die Strahlen des Morgenrots sehe sie nicht!
10 Denn sie ließ zu, dass meine Mutter mich empfing, die Mühen des Lebens hat sie mir nicht erspart.
11 Warum bin ich nicht bei der Geburt gestorben, als ich aus dem Leib meiner Mutter kam?
12 Wozu hat sie mich auf den Knien gewiegt und an ihrer Brust gestillt?
13 Wenn ich tot wäre, dann läge ich jetzt ungestört, hätte Ruhe und würde schlafen,
14 so wie die Könige und ihre Berater, die sich hier prachtvolle Paläste bauten – längst zu Ruinen zerfallen –,
15 und wie die Herrscher, die Gold und Silber besaßen und ihre Häuser damit füllten.
16 Warum wurde ich nicht wie eine Fehlgeburt verscharrt, wie Totgeborene, die nie das Tageslicht sahen?
17 Bei den Toten können die Gottlosen nichts mehr anrichten, und ihre Opfer haben endlich Ruhe.
18 Auch die Gefangenen lässt man dort in Frieden; sie hören nicht mehr das Geschrei des Aufsehers.
19 Ob groß oder klein: Dort sind alle gleich, und der Sklave ist seinen Herrn los.
20 Warum nur lässt Gott die Menschen leben? Sie mühen sich ab, sind verbittert und ohne Hoffnung.
21 Sie sehnen sich den Tod herbei – aber er kommt nicht! Sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze,
22 und erst wenn sie endlich im Grab ruhen, empfinden sie die größte Freude!
23 Warum muss ich noch leben? Gott hat mich eingepfercht; ich sehe nur noch Dunkelheit!
24 Schmerzensschreie sind mein tägliches Brot, und das Stöhnen bricht aus mir heraus.
25 Meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen, und wovor mir immer graute – das ist jetzt da!
26 Ohne Ruhe und Frieden lebe ich dahin, getrieben von endloser Qual!«
1 3,5 Verfinsterung am Tag: vermuteter Text; Bitternisse des Tages: H.
2 3,6 sie reihe sich: vermuteter Text, vgl. S und Vg; sie freue sich: H.

Hiobs Klage

1 Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2 Und Hiob begann und sprach:
3 Getilgt sei der Tag, da ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: Ein Knabe ist empfangen worden.
4 Jener Tag werde Finsternis, Gott in der Höhe soll nicht nach ihm fragen, und kein Lichtstrahl soll auf ihn fallen.
5 Finsternis und Dunkelheit sollen ihn einfordern, dichte Wolken sollen über ihm lagern, Tagverfinsterung soll ihn überfallen.
6 Dunkelheit raffe jene Nacht dahin, zu den Tagen des Jahres geselle sie sich nicht, sie gehe nicht ein in die Zahl der Monate.
7 Unfruchtbar sei jene Nacht, kein Jubel kehre bei ihr ein.
8 Verwünschen sollen sie, die den Tag verfluchen, die den Leviatan1 aufstören können.
9 Finster seien die Sterne ihrer Dämmerung, sie hoffe auf Licht, doch es komme nicht, und die Strahlen der Morgenröte schaue sie nicht.
10 Denn sie hat mir die Pforte des Mutterleibs nicht verschlossen und vor meinen Augen das Leid nicht verborgen.
11 Warum durfte ich nicht umkommen im Mutterschoss, aus dem Mutterleib kommen und sterben?
12 Warum nahmen mich Knie entgegen, und wozu Brüste, dass ich trank?
13 Ich läge jetzt schon und ruhte aus, ich schliefe und hätte Ruhe,
14 bei Königen und Ratsherren der Erde, die sich Gräber erbauten, die jetzt verfallen,
15 oder bei Fürsten, die Gold besassen, mit Silber ihre Häuser füllten.
16 Oder ich wäre dahin wie eine verscharrte Fehlgeburt, wie Kinder, die nie das Licht erblickten.
17 Dort lassen Frevler vom Wüten ab, und Erschöpfte finden dort Ruhe.
18 Gefangene rasten miteinander, die Stimme des Treibers hören sie nicht.
19 Die Kleinen sind dort wie die Grossen, und frei ist der Sklave von seinem Herrn.
20 Warum gibt er dem Leidenden Licht und Leben denen, die verbittert sind -,
21 die sich sehnen nach dem Tod, doch er kommt nicht, und nach ihm suchen, mehr als nach Schätzen,
22 die sich freuen würden und jubelten, die frohlockten, wenn sie ein Grab fänden -
23 dem Mann, dessen Weg verborgen ist, den Gott ringsum eingeschlossen hat?
24 Noch vor meinem Essen kommt mein Seufzen, und wie Wasser ergiesst sich mein Stöhnen.
25 Wovor mir angst war, das hat mich getroffen, und wovor mir graute, das kam über mich.
26 Ich habe weder Frieden gefunden noch Rast noch Ruhe, nur Unruhe hat sich eingestellt.
1 Siehe die Anm. zu 40,15.
2 3,6 sie reihe sich: vermuteter Text, vgl. S und Vg; sie freue sich: H.
© 2018 ERF Medien