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Neues Leben. Die Bibel

Die Klage des Herrn gegen sein Volk

1 Der Herr schickte mir eine Botschaft. Er sprach:
2 »Geh und ruf allen Menschen in Jerusalem laut zu: `So spricht der Herr: Ich denke daran, wie viel Zuneigung du mir in deiner Jugend gezeigt hast. Du hast mich geliebt, wie eine Braut ihren Bräutigam liebt. Du bist mir durch die Wüste gefolgt, durch das dürre Land.
3 Damals gehörte Israel nur mir allein, so wie die erste Frucht der Ernte mir gehört. Wer meinem Volk damals etwas zu Leide tat, wurde schuldig gesprochen und Unglück kam über ihn. Ich, der Herr, habe gesprochen.
4 Hört mein Wort, ihr Nachkommen Jakobs, ihr Sippen Israels:
5 So spricht der Herr: Was hatten eure Vorfahren an mir auszusetzen, dass sie sich von mir entfernten? Sie sind bedeutungslosen Göttern nachgelaufen und sind dadurch selbst bedeutungslos geworden.
6 Sie fragten nicht mehr nach mir, der ich sie doch aus Ägypten geführt habe! Dabei habe ich sie sicher durch die Wüste geleitet - durch eine Wüste voller Abgründe, durch ein Land der Dürre und der Dunkelheit, durch das niemand zu wandern wagt und wo kein Mensch wohnt.
7 Ich brachte euch in ein fruchtbares Land, damit ihr genießen solltet, was das Land Gutes hervorbringt. Aber kaum wart ihr dort angekommen, habt ihr mein Land geschändet und es zu einem Land gemacht, vor dem es mich ekelt.
8 Eure Priester haben sich nicht für mich interessiert, die Richter kannten mich überhaupt nicht! Die Führer des Volkes wollten nichts mehr mit mir zu tun haben, und die Propheten haben im Namen Baals geweissagt und sind Göttern nachgelaufen, die nicht in der Lage sind zu helfen.
9 Deshalb klage ich euch an. Ich werde nicht aufhören, euch eure Schuld vorzuhalten. Selbst mit euren Enkelkindern werde ich noch ins Gericht gehen! Ich, der Herr, habe gesprochen!
10 Fahrt doch über das Meer nach Zypern1 und erkundigt euch dort; sendet Boten nach Kedar, dem Wüstenland, und forscht genau nach: Hat es so etwas jemals gegeben?
11 Hat ein Volk je seine Götter ausgetauscht? Und diese Götter sind nicht einmal Götter! Aber mein Volk hat seinen herrlichen Gott2 gegen Götzen eingetauscht, die gar nicht in der Lage sind zu helfen.´«
12 Der Herr spricht: »Ihr Himmel, entsetzt euch über solch ein Verhalten! Zittert und steht starr vor Staunen!
13 In zweifacher Hinsicht hat mein Volk gegen mich unrecht gehandelt: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, verlassen sie und graben sich stattdessen undichte Brunnen, die das Wasser nicht halten können.

Die Folgen der Sünde Israels

14 Ist Israel denn ein Knecht oder ist es gar als Sklave geboren? Wie konnte es geschehen, dass es als Beute genommen wurde?
15 Löwen haben das Maul aufgesperrt und haben dich bedroht. Das Land wurde zerstört; jetzt liegen die Städte in Trümmern; keiner wohnt mehr darin.
16 Sogar die Ägypter sind aus Memfis3 und Tachpanhes4 gekommen und haben dich jeglicher Macht beraubt.
17 Aber das hast du selbst herausgefordert! Du hast dich von mir, dem Herrn, abgewendet, schon damals, als ich dich auf deiner Wanderung führte.
18 Welche Vorteile haben dir deine Bündnisse mit Ägypten und Assyrien gebracht? Willst du etwa das Wasser des Nils5 oder des Euphrats6 trinken?
19 Du wirst durch deine eigene Schuld zugrunde gehen. Durch deine Untreue mir gegenüber forderst du die Strafe heraus. Erkenne es doch und sei dir bewusst, was für bittere Folgen es für dich hat, dass du deinen Gott verlassen hast und ihn nicht mehr achtest. Das habe ich, der Herr, der Allmächtige, gesprochen!
20 Schon seit jeher hast du versucht dich von mir zu befreien. Du hast dich von mir losgerissen, wie man sich von einem lästigen Joch oder von Ketten der Sklaverei befreit. `Ich will dir nicht länger dienen´, sagtest du. Und dann liefst du anderen Göttern nach. Wie eine Hure hast du dich ihnen hingegeben, auf jedem hohen Hügel und unter jedem dicht belaubten Baum hast du sie verehrt.
21 Als ich dich pflanzte, wählte ich einen Weinstock edelster Herkunft. Wie konntest du zu dem wilden Wein verkommen, der du jetzt bist?
22 Und wenn du noch so viel Seife oder Lauge nehmen würdest, du kannst dich nicht rein waschen. Den Dreck deiner Schuld kannst du nicht loswerden«, spricht der Herr, der Allmächtige.

Israel, eine untreue Frau

23 »Wie könnt ihr behaupten: `Das stimmt nicht! Wir haben nichts Böses getan! Wir sind nie anderen Göttern nachgelaufen!´? Mach dir doch klar, was du in den Tälern getrieben hast! Führe dir dein Unrecht vor Augen! Wie eine junge Kamelstute benehmt ihr euch, die wie toll hierhin und dorthin rennt;
24 wie eine wilde Eselin in der Brunstzeit, die an die Freiheit der Steppe gewöhnt ist. Sie schnappt vor lauter Gier nach Luft und ist nicht zu halten. Die Hengste brauchen nicht lange nach ihr zu suchen, denn sie ist brünstig und lässt sich gerne finden.
25 Pass doch auf, dass du deine Füße nicht wund läufst, und achte darauf, dass du nicht verdurstest! Aber du winkst ab und sagst: `Deine Ermahnungen sind zwecklos. Ich liebe nun einmal diese fremden Götter, es gefällt mir, ihnen nachzulaufen!´
26 Wie ein Dieb kleinlaut dasteht, wenn er ertappt wird, so werden sich alle Israeliten schämen samt ihren Königen, Ministern, Priestern und Propheten.
27 Zu einem geschnitzten Götzenbild sagen sie: `Du bist mein Vater´, zu einer Säule aus Stein: `Du bist meine Mutter, du hast mich geboren´. Von mir aber wenden sie sich ab und drehen mir den Rücken zu. Doch wenn die Not über euch hereinbricht, dann schreit ihr nach mir, damit ich euch rette!
28 Wo sind denn die Götter, die ihr euch selbst gemacht habt? Lasst euch doch von ihnen in den Notzeiten helfen! Inzwischen habt ihr so viele verschiedene Götter, wie es Städte in Juda gibt.
29 Warum klagt ihr mich an? Ihr wolltet doch nichts mehr mit mir zu tun haben«, spricht der Herr.
30 »Ich habe eure Kinder bestraft, aber es ist zwecklos - ihr habt keine Lehre daraus gezogen. Ihr habt eure Propheten mit dem Schwert niedergemacht, wie ein Löwe seine Beute reißt.
31 O mein Volk, hör die Worte des Herrn! War ich etwa eine Wüste für Israel? War ich ihm ein Land der Finsternis? Nein! Und dennoch sagt mein Volk: `Endlich sind wir frei! Wir werden nie wieder zu dir zurückkommen.´
32 Vergisst eine Jungfrau ihren Schmuck oder eine Braut ihr Hochzeitskleid? Nein, niemals! Mein Volk aber vergisst mich nun schon seit ewigen Zeiten.
33 Wie geschickt seid ihr darin, Liebhaber zu gewinnen. Dabei schreckt ihr sogar vor Verbrechen nicht zurück:
34 Eure Kleidung ist getränkt vom Blut der Unschuldigen und Armen. Ihr habt sie umgebracht, obwohl sie nicht in eure Häuser eingebrochen sind - ihr könnt euch nicht damit herausreden, dass ihr sie in Notwehr erschlagen hättet.
35 Und bei all dem behauptet ihr: `Wir haben nichts Böses getan. Gott kann gar nicht zornig auf uns sein!´ Ich werde euch schon allein deshalb bestrafen, weil ihr leugnet, gesündigt zu haben.
36 Hierhin und dorthin - ihr flattert von einem Bundesgenossen zum anderen und bittet um Hilfe. Doch eure neuen Freunde in Ägypten werden euch genauso fallen lassen, wie Assyrien es bereits getan hat.
37 Auch von ihnen werdet ihr am Ende bitter enttäuscht zurückkommen! Ihr werdet kein Glück mit diesem Bündnis haben. Denn der Herr hat diese Völker, auf die ihr euer ganzes Vertrauen gesetzt habt, verworfen.«
1 2,10 Hebr. Kittim.
2 2,11 Hebr. Seine Herrlichkeit.
3 2,16a Hebr. Noph.
4 2,16b Daphne.
5 2,18a Hebr. Schihor, das ist ein Nebenarm des Nils.
6 2,18b Hebr. des Flusses.
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