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Lutherbibel 1984

Hiobs jetziges Unglück

1 Jetzt aber verlachen mich, die jünger sind als ich, deren Väter ich nicht wert geachtet hätte, sie zu meinen Hunden bei der Herde zu stellen,
2 deren Stärke ich für nichts hielt, denen die Kraft dahinschwand;
3 die vor Hunger und Mangel erschöpft sind, die das dürre Land abnagen, die Wüste und Einöde;
4 die da Melde sammeln bei den Büschen, und Ginsterwurzel ist ihre Speise.
5 Aus der Menschen Mitte werden sie weggetrieben; man schreit ihnen nach wie einem Dieb;
6 an den Hängen der Täler wohnen sie, in den Löchern der Erde und in Steinklüften;
7 zwischen den Büschen schreien sie, und unter den Disteln sammeln sie sich -
8 gottloses Volk und Leute ohne Namen, die man aus dem Lande weggejagt hatte.
9 Jetzt bin ich ihr Spottlied geworden und muss ihnen zum Gerede dienen.
10 Sie verabscheuen mich und halten sich ferne von mir und scheuen sich nicht, vor meinem Angesicht auszuspeien.
11 Er hat mein Seil gelöst und mich gedemütigt und den Zaum weggetan, an dem er mich hielt.
12 Zur Rechten hat sich eine Schar gegen mich erhoben, sie haben meinen Fuß weggestoßen und haben gegen mich Wege angelegt, mich zu verderben.
13 Sie haben meine Pfade aufgerissen, zu meinem Fall helfen sie; keiner gebietet ihnen Einhalt.
14 Sie kommen wie durch eine breite Bresche herein, wälzen sich unter den Trümmern heran.
15 Schrecken hat sich gegen mich gekehrt und hat verjagt wie der Wind meine Herrlichkeit, und wie eine Wolke zog mein Glück vorbei.
16 Jetzt aber zerfließt meine Seele in mir, und Tage des Elends haben mich ergriffen.
17 Des Nachts bohrt es in meinem Gebein, und die Schmerzen, die an mir nagen, schlafen nicht.
18 Mit aller Gewalt wird mein Kleid entstellt, wie der Kragen meines Hemdes würgt es mich.
19 Man hat mich in den Dreck geworfen, dass ich gleich bin dem Staub und der Asche.
20 Ich schreie zu dir, aber du antwortest mir nicht; ich stehe da, aber du achtest nicht auf mich.
21 Du hast dich mir verwandelt in einen Grausamen und streitest gegen mich mit der Stärke deiner Hand.
22 Du hebst mich auf und lässt mich auf dem Winde dahinfahren und vergehen im Sturm.
23 Denn ich weiß, du wirst mich zum Tod gehen lassen, zum Haus, da alle Lebendigen zusammenkommen.
24 Aber wird man nicht die Hand ausstrecken unter Trümmern und nicht schreien in der Not?
25 Ich weinte ja über die harte Zeit, und meine Seele grämte sich über das Elend.
26 Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis.
27 In mir kocht es und hört nicht auf; mich haben überfallen Tage des Elends.
28 Ich gehe schwarz einher, doch nicht von der Sonne; ich stehe auf in der Gemeinde und schreie.
29 Ich bin ein Bruder der Schakale geworden und ein Geselle der Strauße.
30 Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich ab von mir, und meine Gebeine sind verdorrt vor hitzigem Fieber.
31 Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum Trauerlied.
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