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Hoffnung für alle

Die Frau am Brunnen

1-2 Den Pharisäern war zu Ohren gekommen, dass Jesus noch mehr Nachfolger gewann und taufte als Johannes - obwohl er nicht einmal selber taufte, sondern nur seine Jünger. Als Jesus, der Herr, das erfuhr,
3 verließ er Judäa und kehrte nach Galiläa zurück.
4 Sein Weg führte ihn auch durch Samarien,
5 unter anderem nach Sychar. Dieser Ort liegt in der Nähe des Feldes, das Jakob seinem Sohn Josef geschenkt hatte.1
6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Müde von der langen Wanderung setzte sich Jesus an den Brunnen. Es war gerade Mittagszeit.
7 Da kam eine Samariterin aus der nahe gelegenen Stadt zum Brunnen, um Wasser zu holen. Jesus bat sie: "Gib mir etwas zu trinken!"
8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um etwas zu essen einzukaufen.
9 Die Frau war überrascht, denn normalerweise wollten die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben. Sie sagte: "Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser? Schließlich bin ich eine samaritische Frau!"
10 Jesus antwortete ihr: "Wenn du wüsstest, was Gott dir geben will und wer dich hier um Wasser bittet, würdest du mich um das Wasser bitten, das du wirklich zum Leben brauchst. Und ich würde es dir geben."
11 "Aber Herr", meinte da die Frau, "du hast doch gar nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief! Wo willst du denn das Wasser für mich hernehmen?
12 Kannst du etwa mehr als Jakob, unser Stammvater, der diesen Brunnen gegraben hat? Er selbst, seine Kinder und sein Vieh haben schon daraus getrunken."
13 Jesus erwiderte: "Wer dieses Wasser trinkt, wird bald wieder durstig sein.
14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige Leben hinein fließt."
15 "Dann gib mir dieses Wasser, Herr", bat die Frau, "damit ich nie mehr durstig bin und nicht immer wieder herkommen und Wasser holen muss!"
16 Jesus entgegnete: "Geh und ruf deinen Mann. Dann kommt beide hierher!"
17 "Ich bin nicht verheiratet", wandte die Frau ein. "Das stimmt", erwiderte Jesus, "verheiratet bist du nicht.
18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, mit dem du jetzt zusammenlebst, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt."
19 Erstaunt sagte die Frau: "Ich sehe, Herr, du bist ein Prophet!
20 Kannst du mir dann eine Frage beantworten? Unsere Vorfahren haben Gott auf diesem Berg dort2 angebetet. Warum also behauptet ihr Juden, man könne Gott nur in Jerusalem anbeten?"
21 Jesus antwortete: "Glaub mir, die Zeit wird kommen, in der ihr Gott, den Vater, weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten werdet.
22 Ihr wisst ja nicht einmal, wen ihr anbetet. Wir aber wissen, zu wem wir beten. Denn das Heil der Welt kommt von den Juden.
23 Doch es kommt die Zeit - ja, sie ist schon da -, in der die Menschen den Vater überall anbeten werden, weil sie von seinem Geist und seiner Wahrheit erfüllt sind. Von diesen Menschen will der Vater angebetet werden.
24 Denn Gott ist Geist. Und wer Gott anbeten will, muss von seinem Geist erfüllt sein und in seiner Wahrheit leben."
25 Die Frau entgegnete: "Ja, ich weiß, dass einmal der Messias kommen soll, der auch Christus genannt wird. Er wird uns schon alles erklären."
26 Da sagte Jesus: "Du sprichst mit ihm. Ich bin der Messias."
27 Als seine Jünger aus der Stadt zurückkamen, wunderten sie sich, dass er mit einer Frau redete. Aber keiner fragte ihn: "Was willst du von ihr? Warum sprichst du mit ihr?"
28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, lief in die Stadt und rief allen Leuten zu:
29 "Kommt mit! Ich habe einen Mann getroffen, der alles von mir weiß! Vielleicht ist er der Messias!"
30 Neugierig liefen die Leute aus der Stadt zu Jesus.
31 Inzwischen hatten ihm seine Jünger zugeredet: "Meister, iss doch etwas!"
32 Aber er sagte zu ihnen: "Ich habe eine Speise, von der ihr nichts wisst."
33 "Hat ihm wohl jemand etwas zu essen gebracht?", fragten sich die Jünger untereinander.
34 Aber Jesus erklärte ihnen: "Ich lebe davon, dass ich Gottes Willen erfülle und sein Werk zu Ende führe. Dazu hat er mich in diese Welt gesandt.
35 Habt ihr nicht selbst gesagt: 'In vier Monaten beginnt die Ernte' ? Macht doch eure Augen auf und seht euch um! Das Getreide ist schon reif für die Ernte.
36 Wer sie einbringt, bekommt schon jetzt seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben. Beide sollen sich über die Ernte freuen: wer gesät hat und wer die Ernte einbringt.
37 Hier trifft das Sprichwort zu: 'Einer sät, der andere erntet.'
38 Ich habe euch auf ein Feld geschickt, das ihr nicht bestellt habt, damit ihr dort ernten sollt. Andere haben sich vor euch abgemüht, und ihr erntet die Früchte ihrer Arbeit."
39 Viele Leute aus Sychar glaubten allein deshalb an Jesus, weil die Frau überall erzählt hatte: "Dieser Mann weiß alles, was ich getan habe."
40 Als sie nun zu Jesus kamen, baten sie ihn, länger bei ihnen zu bleiben, und er blieb noch zwei Tage.
41 So konnten ihn alle hören, und schließlich glaubten noch viel mehr Menschen an ihn.
42 Sie sagten zu der Frau: "Jetzt glauben wir nicht nur deshalb an Jesus, weil du uns von ihm erzählt hast. Wir haben ihn jetzt selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt!"

Jesus heilt ein schwer krankes Kind

43 Zwei Tage später zog Jesus weiter nach Galiläa,
44 obwohl er selbst einmal gesagt hatte, dass ein Prophet in seiner Heimat nichts gilt.
45 Diesmal aber nahmen ihn die Galiläer freundlich auf. Sie waren während des Passahfestes in Jerusalem gewesen und hatten dort alles miterlebt, was er getan hatte.
46 Auf seinem Weg durch Galiläa kam Jesus auch wieder nach Kana, wo er Wasser in Wein verwandelt hatte. In Kapernaum lebte ein königlicher Beamter, dessen Sohn sehr krank war.
47 Als dieser Mann hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa zurückgekehrt war, ging er zu ihm und bat: "Komm schnell in mein Haus, und heile meinen todkranken Sohn!"
48 "Wenn ihr nicht immer neue Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht", hielt Jesus ihm entgegen.
49 Aber der Beamte flehte ihn an: "Herr, komm doch schnell, sonst stirbt mein Kind!"
50 "Geh nach Hause", sagte Jesus, "dein Sohn ist gesund!" Der Mann glaubte ihm und ging nach Hause.
51 Noch während er unterwegs war, kamen ihm einige seiner Diener entgegen. "Dein Kind ist gesund!", riefen sie.
52 Der Vater erkundigte sich: "Seit wann geht es ihm besser?" Sie antworteten: "Gestern Mittag gegen ein Uhr hatte er plötzlich kein Fieber mehr."
53 Da erinnerte sich der Vater, dass Jesus genau in dieser Stunde gesagt hatte: "Dein Sohn ist gesund!" Seitdem glaubte dieser Mann mit allen, die in seinem Haus lebten, an Jesus.
54 Dies war das zweite Wunder in Galiläa, das Jesus wirkte, nachdem er aus Judäa zurückgekehrt war.
1 Vgl. 1.Mose 33, 19; 48, 22
2 Gemeint ist der Berg Garizim (vgl. Josua 8, 30-35 mit 5.Mose 11, 26-30 und 27, 11-13).
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