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Hoffnung für alle

Josefs Brüder in Ägypten

1 Auch Jakob erfuhr, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gab. "Warum zögert ihr noch?", fragte er seine Söhne.
2 "In Ägypten gibt es Getreide zu kaufen! Los, beeilt euch, und besorgt etwas, bevor wir verhungern!"
3 Alle Brüder Josefs machten sich auf den Weg;
4 nur sein jüngster Bruder Benjamin blieb zu Hause, weil Jakob befürchtete, ihm könnte etwas zustoßen.
5 Zusammen mit vielen anderen kamen sie nach Ägypten, denn die Hungersnot wütete überall.
6 Weil Josef über ganz Ägypten regierte, mussten alle zu ihm kommen, die Getreide kaufen wollten. Als seine Brüder vor ihn traten, verbeugten sie sich tief.
7-8 Josef erkannte sie sofort, ließ sich aber nichts anmerken. "Woher kommt ihr?", fuhr er sie an. "Aus Kanaan, um Getreide zu kaufen", gaben sie ahnungslos zur Antwort.
9 Josef erinnerte sich an seine Träume von damals. "Ihr seid Spione!", beschuldigte er sie. "Ihr seid nur gekommen, um zu erkunden, wo unser Land schwach ist!"
10 "Nein, nein, Herr!", riefen sie. "Wir möchten nur Getreide kaufen!
11 Wir sind Brüder und ehrliche Leute. Wir sind keine Spione!"
12 "Das glaube ich nicht", entgegnete Josef, "ihr wollt unser Land ausforschen!"
13 "Herr", antworteten sie, "unser Vater lebt in Kanaan. Wir waren zwölf Brüder. Der jüngste ist bei ihm geblieben, und einer von uns lebt nicht mehr."
14 Aber Josef wiederholte: "Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe - Spione seid ihr!
15 Ich werde eure Aussage überprüfen. Beim Leben des Pharaos schwöre ich: Ihr kommt hier nicht eher heraus, bis ich euren jüngsten Bruder gesehen habe!
16 Einer von euch soll ihn holen. Die anderen bleiben in Haft, bis ich weiß, ob man sich auf eure Worte verlassen kann. Wenn nicht, dann seid ihr Spione - beim Leben des Pharaos!"
17 Er sperrte sie alle für drei Tage ein.
18 Am dritten Tag sagte er zu ihnen: "Ich bin ein Mann, der Ehrfurcht vor Gott hat. Darum lasse ich euch unter einer Bedingung am Leben:
19 Um eure Ehrlichkeit zu beweisen, bleibt einer von euch hier in Haft. Ihr anderen geht zurück, damit eure Familien nicht mehr hungern müssen.
20 Aber bringt mir euren jüngsten Bruder herbei! Dann weiß ich, dass ihr die Wahrheit gesagt habt, und lasse euch am Leben." Die Brüder willigten ein.
21 Sie sagten zueinander: "Jetzt müssen wir das ausbaden, was wir Josef angetan haben! Wir sahen seine Angst, als er uns um sein Leben anflehte, aber wir haben nicht gehört."
22 "Habe ich euch damals nicht gesagt, ihr solltet den Jungen in Ruhe lassen?", warf Ruben den anderen vor. "Aber ihr habt nicht gehört. Jetzt müssen wir für seinen Tod büßen!"
23 Sie ahnten nicht, dass Josef sie verstand, denn vorher hatte er durch einen Dolmetscher mit ihnen geredet.
24 Josef verließ den Raum, damit sie nicht merkten, dass er weinen musste. Als er sich wieder gefasst hatte, kam er zurück und ließ Simeon festnehmen.
25 Dann befahl er seinen Dienern, die Säcke der anderen mit Getreide zu füllen und ihnen Verpflegung mitzugeben. Heimlich gab er die Anweisung, jedem auch sein Geld oben in den Sack zu stecken.
26 Die Brüder beluden ihre Esel mit den Getreidesäcken und machten sich auf den Weg.
27 Über Nacht blieben sie in einer Herberge. Als einer von ihnen seinen Sack öffnete, um seinen Esel zu füttern, bemerkte er das Geld.
28 "Ich habe mein Geld gefunden!", rief er. "Seht, hier im Sack!" Da bekamen sie es mit der Angst zu tun. "Was hat Gott uns angetan?", riefen sie.
29 Zu Hause in Kanaan erzählten sie alles ihrem Vater Jakob:
30 "Der ägyptische Herrscher war sehr unfreundlich und nannte uns Spione, die das Land auskundschaften wollen.
31 Wir versicherten ihm, dass wir ehrliche Menschen und keine Spione sind.
32 'Wir waren zwölf Brüder', erzählten wir ihm, 'aber einer ist tot und der jüngste zu Hause bei unserem Vater.'
33 Da antwortete er: 'Ich werde überprüfen, ob ihr die Wahrheit sagt. Lasst einen von euch bei mir zurück, und nehmt das Getreide mit zu euren Familien nach Hause.
34 Aber ihr müsst euren jüngsten Bruder zu mir bringen! Daran will ich erkennen, dass ihr keine Spione, sondern ehrliche Menschen seid. Ich werde euch euren Bruder zurückgeben, und ihr könnt euch im Land frei bewegen!'"
35 Als die Brüder ihre Säcke ausleeren wollten, entdeckten sie die anderen Geldbeutel. Sie erstarrten vor Schreck.
36 "Ihr raubt mir meine Kinder!", rief Jakob verzweifelt. "Josef lebt nicht mehr, Simeon ist zurückgeblieben, und Benjamin wollt ihr mir auch noch nehmen! Nichts bleibt mir erspart!"
37 Da griff Ruben ein: "Wenn ich dir Benjamin nicht zurückbringe, kannst du meine beiden Söhne töten", sagte er. "Ich übernehme die Verantwortung!"
38 "Nein", rief Jakob, "das kommt nicht in Frage! Sein Bruder Josef ist schon tot, und er ist der letzte von Rahels Söhnen. Ich bin schon ein alter Mann, und wenn ihm unterwegs etwas zustößt, würde mich das ins Grab bringen! Daran wärt allein ihr schuld!"
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