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Hoffnung für alle

Ein Verbrechen wird gerächt

1 Eines Tages wollte Dina, die Tochter Leas und Jakobs, die kanaanitischen Mädchen kennen lernen und verließ das Zeltlager.
2 Als Sichem, der Sohn des Hiwiters Hamor, sie sah, fiel er über sie her und vergewaltigte sie.
3 Er verliebte sich in sie und redete ihr freundlich zu, um sie für sich zu gewinnen.
4 Dann ging er zu seinem Vater Hamor. "Sorg dafür, dass ich dieses Mädchen heiraten kann!", bat er ihn.
5 Sehr bald erfuhr auch Jakob, dass Dina vergewaltigt worden war. Er wollte sofort etwas unternehmen, aber weil seine Söhne noch auf dem Feld bei seiner Herde waren, hielt er sich zurück und wartete ab, bis sie wiederkamen.
6 In der Zwischenzeit kam Sichems Vater Hamor zu ihm, um über die Sache zu reden.
7 Kaum war er dort, da kehrten auch schon Jakobs Söhne vom Feld zurück. Als sie hörten, was geschehen war, tobten sie vor Wut. Sie fühlten sich in ihrer Familienehre gekränkt, denn eine solche Tat galt bei den Israeliten als Schande.
8 Hamor wollte sie besänftigen: "Mein Sohn Sichem hat sich in Dina verliebt. Erlaubt doch, dass er sie heiratet!
9 Lasst uns ein Abkommen schließen: Unsere Völker sollen sich durch gegenseitige Heirat verbinden.
10 Ihr könnt euch bei uns niederlassen - unser Land steht euch offen! Ihr könnt euch ansiedeln und Besitz erwerben."
11 Auch Sichem bat Dinas Vater und ihre Brüder: "Erfüllt mir meinen Wunsch - ich gebe euch dafür alles, was ihr verlangt!
12 Hochzeitsgeld und Brautpreis können so hoch sein, wie ihr wollt, ich werde alles bezahlen. Nur lasst mich Dina heiraten!"
13 Jakobs Söhne aber wollten sich an Sichem und seinem Vater rächen. Sie antworteten scheinheilig:
14 "Darauf können wir uns nicht einlassen! In unserem Volk gilt es als eine Schande, wenn wir unsere Schwester einem Mann geben, der nicht beschnitten ist!
15 Nur unter einer Bedingung könnten wir sie dir geben: Ihr müsst alle männlichen Einwohner beschneiden.
16 Nur dann können wir uns bei euch ansiedeln und durch gegenseitige Heirat zu einem Volk werden.
17 Wenn ihr davon nichts wissen wollt, nehmen wir Dina und gehen!"
18 Der Vorschlag gefiel Hamor und Sichem.
19 Sichem verlor keine Zeit: Er kümmerte sich um alles, denn er liebte Dina, und in seiner Familie hatte er das letzte Wort.
20 Hamor und Sichem gingen zum Versammlungsplatz beim Stadttor, um die Männer der Stadt von der Sache zu überzeugen.
21 "Diese Männer sind friedlich", sagten sie, "wir sollten sie bei uns wohnen lassen, dann können sie selbst Besitz erwerben. Unser Land ist doch groß genug. Wir können uns durch gegenseitige Heirat mit ihnen verbinden.
22 Allerdings stellen sie eine Bedingung: Wir müssen alle männlichen Einwohner beschneiden, so wie es bei ihnen üblich ist.
23 Überlegt doch mal: Ihr ganzer Besitz würde uns gehören! Lasst uns auf ihren Vorschlag eingehen, damit sie bei uns bleiben!"
24 Die Männer der Stadt stimmten zu, und alle männlichen Einwohner wurden beschnitten.
25 Drei Tage später lagen sie im Wundfieber. Da nahmen Dinas Brüder Simeon und Levi ihr Schwert und überfielen die Stadt, ohne auf Widerstand zu stoßen. Sie brachten alle männlichen Einwohner um,
26 auch Hamor und Sichem. Dina holten sie aus Sichems Haus, dann verschwanden sie wieder.
27 Die anderen Söhne Jakobs plünderten die Stadt aus. Sie rächten sich dafür, dass Sichem ihre Schwester dort vergewaltigt hatte.
28 Alles Vieh - Schafe, Ziegen, Esel und Rinder - nahmen sie mit und was sie sonst in der Stadt oder auf dem Feld fanden.
29 Auch die Frauen und Kinder sowie allen Besitz aus den Häusern schleppten sie fort.
30 Als Jakob davon erfuhr, warf er Simeon und Levi vor: "Ihr stürzt mich ins Unglück! Jetzt bin ich allen Bewohnern des Landes verhasst! Die Zahl unserer Leute ist verschwindend klein gegen die Menge der Kanaaniter und der Perisiter. Wenn sie sich zusammentun, ist es aus mit uns! Dann wird keiner von uns am Leben bleiben!"
31 Aber Simeon und Levi erwiderten nur: "Konnten wir es zulassen, dass Sichem unsere Schwester wie eine Hure behandelt hat?"
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