22da hatte ich den Verstand verloren, wie ein Stück Vieh stand ich vor dir.
23Und dennoch gehöre ich zu dir!6 Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich;
24du leitest mich nach deinem Plan und holst mich am Ende in deine Herrlichkeit.
25Wer im Himmel könnte mir helfen, wenn nicht du? Was soll ich mir noch wünschen auf der Erde? Ich habe doch dich!
26Auch wenn ich Leib und Leben verliere, du, Gott, hältst mich; du bleibst mir für immer!7
27Wer sich von dir entfernt, geht zugrunde; wer dir untreu wird, den vernichtest du.
28Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn; dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück. Ich will weitersagen, was du getan hast.
1 Zur Zeit der Abfassung des Psalms galt nach allgemeinem Verständnis Wohlergehen als Beweis für ein gottgefälliges Leben, während Leiden als Strafe für Schuld angesehen wurde. Wenn einer Gott gehorchte und trotzdem ins Unglück geriet, kam er ins Zweifeln und Fragen, um so mehr, wenn es dem Bösen gutging.
2 So mit G; H Ihr Auge tritt aus dem Fett hervor.
3 Wörtlich und Wasser in Fülle wird von ihnen geschlürft.
4 Wörtlich würde ich die Generationen deiner Söhne verraten.
5 An dem Ort, an dem Gott gegenwärtig ist, geht dem Beter eine Wahrheit auf, in deren Licht sich für ihn die Widersprüche des Lebens lösen.
6 Luthers »Dennoch bleibe ich stets an dir« entspricht nicht dem hebräischen Text. Es geht nicht um Glaubenstrotz, sondern um die Feststellung einer Tatsache: Der Beter gehört zu Gott, und Gott hält ihn fest.
7 Die Verse 24-26 durchbrechen das im Alten Testament übliche Denken, für das mit dem Tod alles zu Ende ist; vgl. Ps 6,6 und Vergleichsstellen dazu. Viele Ausleger sehen hier ein Aufleuchten der neuen Erkenntnis, dass Gott das Leben der Seinen über den Tod hinaus bewahrt.