1Es war kurz vor dem Fest der Ungesäuerten Brote, dem Passafest.
2Die führenden Priester und die Gesetzeslehrer suchten nach einer Möglichkeit, Jesus zu beseitigen, aber so, dass es kein Aufsehen erregte; denn sie hatten Angst vor dem Volk.
7Es kam nun der Tag, von dem an ungesäuertes Brot gegessen wurde und an dem die Passalämmer geschlachtet werden mussten.
8Jesus gab Petrus und Johannes den Auftrag: »Geht und bereitet das Passamahl für uns vor!«
9»Wo willst du es vorbereitet haben?«, fragten sie.
10Er sagte: »Hört zu! Wenn ihr in die Stadt kommt, werdet ihr einen Mann treffen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm in das Haus, in das er geht,
11und sagt zum Hausherrn dort: ›Unser Lehrer lässt dich fragen: Welchen Raum kannst du zur Verfügung stellen, dass ich dort mit meinen Jüngern das Passamahl feiere?‹
12Er wird euch ein großes Zimmer im Obergeschoss zeigen, das mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles vor.«
13Die beiden gingen und fanden alles so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und sie bereiteten das Passamahl vor.
14Als die Stunde gekommen war, setzte sich Jesus zu Tisch und die Apostel mit ihm.
15Er sagte: »Ich habe mich sehr danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu feiern, bevor ich leiden muss.
16Denn ich sage euch: Ich werde es erst wieder feiern, wenn das, worauf jedes Passamahl hinweist, in der neuen Welt Gottes2 zur Erfüllung gekommen ist.«
17Dann nahm er den Becher mit Wein, sprach darüber das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und teilt ihn unter euch!
18Denn ich sage euch: Ich werde erst wieder Wein trinken, wenn die neue Welt Gottes da ist.«
19Dann nahm Jesus ein Brot, sprach darüber das Dankgebet, brach es in Stücke und gab es ihnen mit den Worten: »Das ist mein Leib, der für euch geopfert wird.3 Tut das immer wieder, damit unter euch gegenwärtig ist, was ich für euch getan habe!«4
20Ebenso nahm er nach dem Essen den Becher mit Wein und sagte: »Dieser Becher ist Gottes neuer Bund, der in Kraft gesetzt wird durch mein Blut, das für euch vergossen wird.5
21Aber ihr müsst wissen: Der Verräter sitzt hier mit mir am gleichen Tisch.
22Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist; aber wehe dem Menschen, der ihn verrät.«
23Da fingen sie an, einander zu fragen, wer von ihnen es wohl sei, der so etwas tun würde.
31»Simon, Simon! Pass gut auf! Gott hat dem Satan erlaubt, euch auf die Probe zu stellen und die Spreu vom Weizen zu scheiden.
32Aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube an mich nicht aufhört. Wenn du dann wieder zu mir zurückgefunden hast, musst du deine Brüder und Schwestern7 im Glauben an mich stärken!«8
33Petrus antwortete: »Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen, ja mit dir zu sterben!«
34Jesus antwortete: »Ich sage dir, Petrus, noch ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und behaupten, dass du mich nicht kennst.«
35Dann fragte Jesus die Apostel: »Als ich euch ohne Geldbeutel, Vorratstasche und Schuhe auf den Weg schickte, habt ihr da an irgendetwas Mangel gehabt?« »Nein, an nichts«, sagten sie.
36Jesus erwiderte: »Von jetzt ab gilt etwas anderes: Wer einen Geldbeutel hat, soll ihn mitnehmen, und wer eine Vorratstasche hat, ebenso! Wer nichts hat als sein Obergewand, soll es verkaufen und sich ein Schwert dafür beschaffen.
37Denn ich sage euch, es muss an mir in Erfüllung gehen, was in den Heiligen Schriften steht: ›Er wurde unter die Verbrecher gezählt.‹9 Mit mir geht es jetzt zu Ende.«
38Die Apostel sagten: »Herr, da haben wir zwei Schwerter!« Jesus antwortete: »Ihr versteht mich nicht.«10
47Noch während Jesus das sagte, kam ein Trupp von Männern, voran Judas, einer von den Zwölf. Er ging auf Jesus zu und wollte ihm den Begrüßungskuss geben.
48Aber Jesus sagte zu ihm: »Judas, mit einem Kuss willst du den Menschensohn verraten?«
49Da merkten auch die Jünger, was bevorstand, und fragten: »Herr, sollen wir mit dem Schwert zuschlagen?«
50Und einer von ihnen hieb auf den Bevollmächtigten des Obersten Priesters ein und schlug ihm das rechte Ohr ab.
51Aber Jesus sagte: »Halt! Hört auf!« Er berührte das Ohr und heilte den Mann.
52Dann wandte er sich an die führenden Priester, die Hauptleute der Tempelwache und die Ratsältesten, die ihn festnehmen wollten: »Warum rückt ihr hier mit Schwertern und Knüppeln an; bin ich denn ein Verbrecher?
53Täglich war ich bei euch im Tempel und ihr seid nicht gegen mich vorgegangen. Aber jetzt ist eure Stunde gekommen. Jetzt haben die dunklen Mächte Gewalt über mich.«13
54Sie nahmen Jesus fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Obersten Priesters. Petrus folgte ihnen in weitem Abstand.
55Im Hof war ein Feuer angezündet. Viele saßen darum herum, und Petrus setzte sich mitten unter sie.
56Eine Dienerin bemerkte ihn im Schein des Feuers, sah ihn genauer an und sagte: »Der da war auch mit ihm zusammen!«
57Aber Petrus stritt es ab: »Frau, ich kenne ihn überhaupt nicht!«
58Bald darauf wurde ein Mann auf ihn aufmerksam und sagte: »Du gehörst doch auch zu denen!« Aber Petrus widersprach: »Mensch, ich habe nichts mit ihnen zu tun!«
59Etwa eine Stunde später bestand ein anderer darauf und sagte: »Kein Zweifel, der war auch mit ihm zusammen, er ist doch auch aus Galiläa.«
60Aber Petrus stritt es ab: »Mensch, ich weiß überhaupt nicht, wovon du sprichst!« Und sofort, während er noch redete, krähte ein Hahn.
61Der Herr drehte sich um und sah Petrus an. Da fiel Petrus ein, was er zu ihm gesagt hatte: »Bevor heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und behaupten, dass du mich nicht kennst.«
62Und er ging hinaus und begann, bitter zu weinen.
63Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm.
64Sie warfen ihm ein Tuch über den Kopf, sodass er nichts sehen konnte; dann schlugen sie ihn und riefen: »Du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer war es, der dich gerade schlug?«
65Und noch viele andere Schmähungen musste er sich gefallen lassen.
66Als es Tag wurde, versammelten sich die Ältesten des Volkes, dazu die führenden Priester und die Gesetzeslehrer, und ließen Jesus vor ihre Ratsversammlung bringen.
67Sie forderten ihn auf: »Wenn du Christus bist, der versprochene Retter, dann sag es uns!« Jesus antwortete: »Wenn ich es euch sage, werdet ihr mir nicht glauben,
68und wenn ich euch etwas frage, werdet ihr keine Antwort geben.14
69Aber von nun an wird der Menschensohn an der rechten Seite des allmächtigen Gottes sitzen!«15
70Da riefen sie alle: »Dann bist du also der Sohn Gottes?« Er antwortete: »Ihr sagt es: Ich bin's.«
71Darauf erklärten sie: »Was brauchen wir noch eine Zeugenaussage? Wir haben es selbst aus seinem Mund gehört!«
1 Vgl. 4,13 und Anmerkung dort.
2 Wörtlich in der Königsherrschaft Gottes; ebenso in Vers 18.
3 Wörtlich Tut das zu meinem Gedenken. In der Sprache der Bibel bedeutet »Gedenken« nicht ein bloßes Erinnern, sondern zugleich das Gegenwärtigwerden des Erinnerten.
4 Siehe Anmerkung zu Mt 26,26.
5 Vgl. Jer 31,31 und Anmerkung zu Mt 26,27.
6 Vgl. 9,51 und Anmerkung dort.
7 Wörtlich deine Brüder; vgl. Anmerkung zu 6,17.
8 Vgl. Vers 62. Petrus wird der Erste sein, dem der Auferstandene begegnet (24,34). Danach ist er für die erste Zeit der führende Mann der Urgemeinde (Apg 1,13-15; 2,14-37.38).
9 Vgl. Jes 53,12. Jesus steht der Tod bevor. Die Feindschaft gegen ihn wird sich auch gegen die Jünger richten. Darauf müssen sie sich einstellen; mehr will auch das Wort vom Schwert (Vers 36b) nicht sagen.
10 Wörtlich Es ist genug. Dies bezieht sich nicht auf die Anzahl der Schwerter; Jesus bricht damit das Gespräch ab und weist die Antwort der Apostel zurück.
11 erspare es mir ...: wörtlich nimm diesen Kelch von mir. Zu Kelch siehe Anmerkung zu Mk 14,36.
12 Die Verse 43-44 fehlen in wichtigen Handschriften und gehören vermutlich nicht zum ursprünglichen Text.
13 Vgl. 4,13 und Anmerkung dort.
14 Eine Diskussion würde nichts nützen. Am entscheidenden Punkt würden die Gegner die Antwort verweigern (vgl. 20,3-7.41-44).