2»Du Mensch, kündige den führenden Männern in Israel das Strafgericht an. Sag zu ihnen: ›So spricht der Herr, der mächtige Gott: Weh euch! Ihr seid die Hirten1 meines Volkes; aber anstatt für die Herde zu sorgen, habt ihr nur an euch selbst gedacht.
3Die Milch der Schafe habt ihr getrunken,2 aus ihrer Wolle habt ihr euch Kleider gemacht und die besten Tiere habt ihr geschlachtet. Aber für einen guten Weideplatz habt ihr nicht gesorgt.
4War ein Tier schwach, so habt ihr ihm nicht geholfen; war eins krank, so habt ihr es nicht gepflegt. Wenn eins ein Bein gebrochen hatte, habt ihr ihm keinen Verband angelegt. Die Verstreuten habt ihr nicht zurückgeholt, die Verlorengegangenen nicht gesucht. Alle Tiere habt ihr misshandelt und unterdrückt.
5Weil meine Schafe keinen Hirten hatten, verliefen sie sich und fielen den Raubtieren zur Beute.
6Sie irrten überall umher, auf Bergen und Hügeln, denn niemand war da, der sie suchte, niemand, der sich um sie kümmerte.
8So gewiss ich lebe, der Herr, der mächtige Gott: Ich schaue nicht mehr länger zu! Meine Schafe wurden geraubt und von wilden Tieren gefressen, weil sie keinen Hirten hatten; denn meine Hirten haben nur für sich selbst gesorgt und nicht für meine Herde.
10So spricht der Herr, der mächtige Gott: Die Hirten meiner Schafe bekommen es mit mir zu tun, ich fordere meine Herde von ihnen zurück! Ich setze sie ab; sie können nicht länger meine Hirten sein; sie sollen nicht länger mein Volk ausbeuten! Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen ihnen nicht länger zum Fraß dienen!‹
11›Der Herr, der mächtige Gott, hat gesagt: Ich selbst will jetzt nach meinen Schafen sehen und mich um sie kümmern.
12Wie ein Hirt seine Herde wieder zusammensucht, wenn sie auseinander getrieben worden ist, so suche ich jetzt meine Schafe zusammen. Ich hole sie zurück von allen Orten, wohin sie an jenem unheilvollen Tag3 vertrieben wurden.
13Aus fremden Ländern und Völkern hole ich sie heraus; ich sammle sie und bringe sie in ihre Heimat zurück. Die Berge und Täler Israels sollen wieder ihr Weideland sein.
14Ich lasse sie dort auf saftigen Wiesen grasen; auf den hohen Bergen Israels sollen sie ihre Weide finden und sich lagern.
15Ich will selber für meine Herde sorgen und sie zu ihren Ruheplätzen führen. Das sage ich, der Herr, der mächtige Gott.
16Ich will die Verlorengegangenen suchen und die Versprengten zurückbringen. Ich will mich um die Verletzten und Kranken kümmern und die Fetten und Starken in Schranken halten.4 Ich bin ihr Hirt und sorge für sie, wie es recht ist.
17Ihr aber, meine Herde, sollt wissen: Ich selbst, der Herr, der mächtige Gott, sorge jetzt für Recht; ich nehme die schwachen Tiere vor den starken in Schutz. Ihr Widder und Böcke,
18ist es euch nicht genug, das beste Gras zu fressen? Warum zertrampelt ihr den Rest? Ist es euch nicht genug, das klare Wasser zu trinken? Warum wühlt ihr auch noch den Schlamm vom Grund auf?
19Meine Schafe müssen fressen, was ihr zertrampelt habt, und trinken, was ihr verschmutzt habt.
20Darum sage ich, der Herr, der mächtige Gott: Jetzt werde ich selbst die schwächeren Tiere vor euch starken in Schutz nehmen!
21Ihr habt sie mit Schulter und Hinterteil beiseite gedrängt, mit euren Hörnern gestoßen und weit von der Herde weggetrieben.
22Aber jetzt komme ich meinen Schafen zu Hilfe. Sie sollen nicht länger eurer Willkür ausgeliefert sein. Ich helfe den Schwachen gegen die Starken und verschaffe ihnen ihr Recht.‹
23›Ich setze über meine Herde einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führen und für sie sorgen wird: einen Nachkommen Davids, der meinem Diener David gleicht.5 Er wird ihr Hirt sein
24und ich, der Herr, werde ihr Gott sein. Der Mann, der meinem Diener David gleicht, soll ihr Fürst6 sein. Ich habe es gesagt, der Herr, der mächtige Gott.
25Ich schließe mit ihnen einen Bund und verbürge mich für Frieden und Sicherheit. Ich befreie das Land von wilden Tieren, sodass sie sogar in der Wüste sicher sind und in den Wäldern unbesorgt schlafen können.
26Ich mache das ganze Land rings um meinen Berg fruchtbar. Ich schicke Regen zur rechten Zeit,
27sodass ihre Bäume und ihre Felder reichen Ertrag bringen. Sie werden in ihrem Land vor Feinden sicher sein. Ich zerbreche ihr Sklavenjoch und entreiße sie der Gewalt ihrer Unterdrücker. Dann werden sie erkennen, dass ich der Herr bin.
28Weder fremden Völkern noch wilden Tieren werden sie mehr zur Beute; ohne Angst und Sorgen werden sie in ihrem Land wohnen.
29Ich mache ihr Land zu einem prächtigen Garten. Niemand von ihnen wird mehr verhungern und die anderen Völker werden sie nicht mehr verspotten.
30Dann werden sie erkennen: Ich, der Herr, ihr Gott, bin bei ihnen und sie, die Leute von Israel, sind mein Volk. Das sage ich, der Herr, der mächtige Gott.
31Ihr seid meine Herde, für die ich sorge, und ich bin euer Gott. Das sage ich, der Herr, der mächtige Gott.‹«
1 »Hirt« (des Volkes oder der Völker) war im Alten Orient ein Würdetitel der Könige. Die Mehrzahl Hirten zeigt, dass hier mit dem Königtum in Israel und Juda insgesamt abgerechnet wird. Ezechiël führt in diesem Kapitel breit aus, was etwa gleichzeitig auch von Jeremia (23,1-6) ausgesprochen worden ist.
2 Die Milch ...: mit alten Übersetzungen; H Ihr aßt das Fett.
3 Der von den Propheten erwartete »Gerichtstag des Herrn« (siehe Jes 2,11-21 und Vergleichsstellen), der 587 v.Chr. über Juda hereingebrochen ist.
4 in Schranken halten: mit alten Übersetzungen; H ausrotten.
5 einen Nachkommen ...: wörtlich meinen Diener David; entsprechend in Vers 24.
6 Der Königstitel, durch das Verhalten der Könige Judas belastet, wird offenbar bewusst vermieden (vgl. 37,25; 45,7-17).