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Elberfelder Bibel

Klage über die Schreckensherrschaft der Feinde und Bitte um Gnade

1 1Gedenke, HERR, all dessen, was uns geschehen ist! Schau her und sieh unsere Schmach!
2 Unser Erbteil ist Fremden zugefallen, unsere Häuser Ausländern.
3 Waisen sind wir geworden, ohne Vater; unsere Mütter sind Witwen gleich.
4 Unser Wasser trinken wir für Geld, unser Holz bekommen wir nur gegen Bezahlung2.
5 Unsere Verfolger sitzen uns im Nacken3; wir werden müde, aber man lässt uns keine Ruhe4.
6 Ägypten gaben5 wir die Hand und Assur, um genug Brot zu essen zu haben.
7 Unsere Väter haben gesündigt, sie sind nicht mehr. Wir aber tragen ihre Schuld6.
8 Sklaven herrschen über uns; da ist niemand, der uns aus ihrer Hand herausreißt.
9 Unter Lebensgefahr7 holen wir unser Brot, bedroht vom Schwert der Wüste.
10 Unsere Haut ist geschrumpft8 wie von einem Ofen wegen der Qualen des Hungers.
11 Frauen haben sie in Zion vergewaltigt, Jungfrauen in den Städten Judas.
12 Oberste wurden von ihrer Hand aufgehängt, die Ältesten9 entehrt.
13 Junge Männer müssen die Handmühle tragen10, und Knaben stürzen unter der Holzlast zu Boden.
14 Die Ältesten bleiben vom Tor fern, die jungen Männer von ihrem Saitenspiel.
15 Die Freude unseres Herzens hat aufgehört, in Trauer ist unser Reigen verwandelt.
16 Gefallen ist die Krone unseres Hauptes. Wehe uns, dass wir gesündigt haben!
17 Deswegen ist unser Herz krank11 geworden; wegen dieser Dinge sind unsere Augen verdunkelt,
18 wegen des Berges Zion, der verödet ist12; Füchse streifen auf ihm umher.
19 Du aber, HERR, bleibst in Ewigkeit, dein Thron von Generation zu Generation.
20 Warum willst du uns für immer vergessen, uns verlassen lebenslang13?
21 Bring uns zurück, HERR, zu dir, dass wir umkehren! Erneuere unsere Tage, dass sie werden wie früher!
22 Oder solltest du uns endgültig verworfen haben, allzu zornig sein über uns?14
1 Das fünfte Kap. besteht aus zweizeiligen Strophen, die nicht der Ordnung, sondern nur der Anzahl nach den Buchstaben des Alphabets entsprechen.
2 w. kommt nur gegen Bezahlung ein
3 w. Auf unserem Nacken werden wir verfolgt
4 Andere üs. V. 5 mit Textänderung: Das Joch auf unserem Nacken stößt uns, wir mühen uns ab, man lässt uns keine Ruhe.
5 o. geben
6 w. Sünden
7 w. Um den Preis unseres Lebens o. unserer Seelen
8 so deutet die syr. Üs. das Wort; LXX und Vulg. üs.: ist verbrannt
9 w. die Gesichter der Ältesten
10 o. Man nimmt junge Männer zum Mahlen
11 o. unrein
12 o. menschenleer ist
13 w. für die Länge der Tage
14 o. Es sei denn, du hast uns endgültig verworfen, bist allzu zornig über uns. o. Fürwahr, du hast uns endgültig verworfen, bist allzu zornig über uns.
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