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Elberfelder Bibel

Unheil im Land und in Jerusalem durch Gottes Zorn gemäß seiner Warnung - Zions Schreien nach Gottes Erbarmen

1 Wehe, wie umwölkt1 in seinem Zorn der Herr die Tochter Zion! Er hat die Herrlichkeit2 Israels vom Himmel zur Erde geworfen und am Tag seines Zorns nicht gedacht an den Schemel seiner Füße.
2 Vernichtet3 hat der Herr - ohne Mitleid - alle Weideplätze Jakobs; er hat in seinem Grimm niedergerissen die befestigten Städte der Tochter Juda; zu Boden gestürzt, entweiht hat er das Königreich und seine Obersten.
3 In Zornesglut hat er abgehauen jedes Horn Israels; er hat seine Rechte zurückgezogen angesichts des Feindes und hat Jakob in Brand gesteckt4 wie ein flammendes Feuer, das ringsum frisst.
4 Seinen Bogen hat er gespannt5 wie ein Feind, seine rechte Hand erhoben6 wie ein Gegner und hat alles den Augen Liebliche7 umgebracht. In das Zelt der Tochter Zion hat er seinen Grimm ausgegossen wie Feuer.
5 Der Herr ist wie ein Feind geworden. Er hat Israel vernichtet8, vernichtet alle ihre9 Paläste, seine10 befestigten Städte zerstört. So hat er in der Tochter Juda Weh und Wehgeschrei gehäuft.
6 Und er hat seine Hütte11 abgebrochen wie die eines Gartens, hat zerstört den Ort für seine Festversammlung. Der HERR hat in Zion Festversammlung und Sabbat in Vergessenheit geraten lassen und im Toben12 seines Zorns König und Priester verworfen.
7 Verstoßen hat der Herr seinen Altar, entweiht sein Heiligtum; er hat die Mauern ihrer13 Paläste der Hand des Feindes preisgegeben; Lärm erhob sich im Haus des HERRN wie an einem Festtag.
8 Der HERR hatte es sich vorgenommen, die Mauer der Tochter Zion zu zerstören; er spannte die Messschnur, wandte seine Hand vom Vernichten14 nicht ab und versetzte Bollwerk und Mauer in Trauer; zusammen schwanden sie dahin.
9 Eingesunken in die Erde sind ihre Tore, zerstört und zerschlagen hat er ihre Riegel. Ihr König und ihre Obersten sind unter den Nationen, es gibt kein Gesetz mehr15. Auch ihre Propheten erhalten keine Vision von dem HERRN.
10 Schweigend16 sitzen auf der Erde die Ältesten der Tochter Zion; sie haben Staub auf ihr Haupt geworfen, Sacktuch sich umgegürtet; die Jungfrauen Jerusalems senken ihr Haupt zur Erde.
11 In Tränen vergehen meine Augen, mein Inneres glüht17, meine Leber hat sich zur Erde ergossen wegen des Zusammenbruchs der Tochter meines Volkes, weil Kind und Säugling auf den Plätzen der Stadt verschmachten.
12 Zu ihren Müttern sagen sie: "Wo ist Brot18 und Wein?", während sie wie tödlich Verwundete verschmachten auf den Plätzen der Stadt, während ihre Seele sich ergießt in den Schoß ihrer Mütter.
13 Womit soll ich dir aufhelfen19, womit dich vergleichen, Tochter Jerusalem? Was soll ich dir gleichstellen, damit ich dich tröste, du Jungfrau, Tochter Zion? Denn so groß wie das Meer ist dein Zusammenbruch. Wer kann dich heilen?
14 Deine Propheten schauten dir Trug und Tünche; und sie deckten deine Schuld nicht auf, dein Geschick zu wenden, sondern sie schauten dir Aussprüche zu Lüge und Verführung20.
15 Alle, die des Weges ziehen, klatschen über dich in die Hände, sie zischen21 und schütteln ihren Kopf über die Tochter Jerusalem: Ist das die Stadt, von der man sagte: Der Schönheit Vollendung, Wonne der ganzen Erde?
16 Alle deine Feinde reißen ihren Mund über dich auf, sie zischen22 und knirschen mit den Zähnen. Sie sagen: Wir haben vernichtet23! Ja, dies ist der Tag, den wir erhofft haben! Wir haben es erreicht, wir haben es gesehen!
17 Getan hat der HERR, was er sich vorgenommen hatte, er hat sein Wort zur Vollendung gebracht, das er von den Tagen der Vorzeit her entboten hatte. Er hat ohne Mitleid niedergerissen und hat den Feind über dich fröhlich sein lassen, er hat das Horn deiner Gegner erhöht.
18 Schrei laut um Hilfe zum Herrn, stöhne, du24 Tochter Zion! Lass wie einen Bach die Tränen rinnen Tag und Nacht! Gönne dir keine Ruhe! Dein Augapfel stehe nicht still!
19 Auf, wimmere bei Nacht, bei Beginn der Nachtwachen, schütte wie Wasser dein Herz aus vor dem Angesicht des Herrn! Erhebe deine Hände zu ihm um der Seele deiner Kinder willen, die vor Hunger verschmachten an allen Straßenecken!
20 Sieh, HERR, und schaue, an wem du so gehandelt hast! Dürfen Frauen ihre Leibesfrucht essen, die liebevoll gepflegten25 Kinder? Dürfen im Heiligtum des Herrn Priester und Prophet erschlagen werden?
21 Am Boden auf den Straßen liegen Kind und Greis; meine Jungfrauen und meine jungen Männer sind durchs Schwert gefallen. Erschlagen hast du sie am Tag deines Zornes, abgeschlachtet ohne Mitleid.
22 Meine Schrecknisse26 hast du von allen Seiten herbeigerufen wie zu einem Festtag, und am Tag des Zornes des HERRN gab es keinen Entkommenen und Entronnenen: Die ich liebevoll gepflegt27 und großgezogen habe, mein Feind hat sie vertilgt.
1 o. verschmäht
2 o. Zierde
3 w. Verschlungen
4 o. und loderte in Jakob
5 w. Er hat seinen Bogen getreten; d. h. um ihn zu krümmen
6 o. dastehend mit seiner Rechten
7 o. Begehrenswerte
8 w. verschlungen
9 bezieht sich auf die Tochter Zion (V. 4.6)
10 bezieht sich auf Israel
11 zur Bezeichnung des Tempels als "Hütte" vgl. Ps 76,3
12 w. mit der Verwünschung
13 bezieht sich auf die Tochter Zion (V. 4.6)
14 w. Verschlingen
15 o. es fehlt die Weisung
16 o. Wehklagend
17 w. meine Eingeweide glühen
18 w. Getreide
19 o. Was soll ich dir als Zeugnis (o. Beispiel) anführen
20 o. zu Nichtigkeit und Verstoßung
21 o. pfeifen; als Ausdruck der Verachtung oder der Furcht
22 o. pfeifen; als Ausdruck der Verachtung oder der Furcht
23 w. verschlungen
24 T.; Mas. T.: Ihr Herz schreit um Hilfe zum Herrn, du Mauer der
25 o. die gesund geborenen
26 o. Die, die mir Schrecken einjagen; Vulg. und syr. Üs.: Meine Bedroher
27 o. Die ich gesund geboren
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