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Elberfelder Bibel

Sein unsträfliches Verhalten gegen Gott und Menschen - Bereitschaft mit Gott zu rechten

1 Einen Bund habe ich mit meinen Augen geschlossen. Wie hätte ich da auf eine Jungfrau lüstern blicken sollen?1
2 Denn was wäre dafür die Zuteilung von Gott droben gewesen und das Erbteil vom Allmächtigen in den Höhen?
3 Ist nicht Verderben für den Übeltäter bestimmt und Missgeschick für die, die Unrecht tun?
4 Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte?
5 Wenn ich mit Gehaltlosem umgegangen bin und mein Fuß zum Betrug geeilt ist -
6 er soll mich auf der Waage der Gerechtigkeit wiegen, so wird Gott meine Rechtschaffenheit2 erkennen!
7 Wenn mein Schritt vom Weg abgebogen und mein Herz meinen Augen gefolgt ist und an meinen Händen ein Makel klebt3,
8 dann möge ich säen und ein anderer essen, und meine Sprösslinge mögen entwurzelt werden!
9 Wenn mein Herz sich wegen einer Frau hat betören lassen und ich an der Tür meines Nächsten gelauert habe,
10 dann soll meine Frau für einen anderen mahlen, und andere mögen über ihr niederknien!
11 Denn das wäre eine Schandtat und das eine Schuld, die vor die Richter gehört4.
12 Ja, ein Feuer wäre es, das bis zum Untergang5 fräße und meinen ganzen Ertrag entwurzeln6 würde.
13 Wenn ich missachtet habe das Recht meines Knechtes und meiner Magd in ihrem Rechtsstreit mit mir,
14 was wollte ich dann tun, wenn Gott sich erhöbe; und wenn er untersuchte, was ihm erwidern?
15 Hat nicht er, der mich im Mutterleib gemacht hat, auch ihn gemacht, und hat nicht einer im Mutterschoß uns7 bereitet?
16 Wenn ich Geringen einen Wunsch verweigert habe, die Augen der Witwe erlöschen ließ
17 und meinen Bissen alleine aß, so dass die Waise nichts mehr davon essen konnte -
18 ist sie doch von meiner Jugend an bei mir aufgewachsen wie bei einem Vater, und wie eine Schwester8 habe ich sie9 geleitet -,
19 wenn ich ruhig zusah, wie einer ohne Kleidung umherirrte10 und der Arme keine Decke hatte,
20 wenn seine Lenden mich nicht segneten und er sich von der Wolle11 meiner Lämmer nicht wärmen durfte,
21 wenn ich drohend meine Hand gegen eine Waise geschwungen habe, weil ich im Tor meinen Beistand sah12,
22 dann soll mir meine Schulter vom Nacken fallen, und mein Arm soll vom Gelenk abbrechen!
23 Denn schrecklich wäre mir das Verderben Gottes, und seiner Hoheit könnte ich nicht standhalten.
24 Wenn13 ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zum feinen Gold gesagt habe: Du meine Hoffnung!
25 Wenn14 ich mich freute, dass mein Vermögen so umfangreich war15 und dass meine Hand Gewaltiges erreicht hatte16!
26 Wenn17 ich das Licht der Sonne sah, wie sie es leuchten ließ, und den Mond, wie er prächtig daherzog,
27 und mein Herz sich dann im Geheimen betören ließ und ich Kusshände warf18!
28 Auch das ist Schuld, die vor den Richter gehört! Ich hätte ja Gott droben verleugnet.
29 Wenn19 ich mich freute über den Untergang meines Hassers und aufjauchzte20, als Unglück ihn traf!
30 Nie habe ich ja meinem Gaumen erlaubt zu sündigen, mit einem Fluch dessen Seele zu fordern.
31 Wenn21 die Männer in meinem Zelt nicht bezeugt22 haben: Wer wäre wohl nicht von seinem Fleisch satt geworden!
32 Der Fremde musste nicht im Freien übernachten, ich öffnete dem Wanderer23 meine Tür.
33 Wenn24 ich wie Adam25 meine Vergehen zugedeckt habe, um meine Schuld in meiner Brust26 zu verbergen,
34 weil ich etwa erschrocken gewesen wäre vor der großen Menge und die Verachtung der Sippen mich niedergeschmettert hätte, so dass ich mich still verhalten hätte, nicht zur Türe hinausgegangen wäre!
35 Ach hätte ich doch einen, der auf mich hörte - hier ist meine Unterschrift27! Der Allmächtige antworte mir! Wo ist die Klageschrift, die mein Rechtsgegner geschrieben hat?
36 Wahrlich, ich würde sie auf meine Schulter heben, sie mir um den Kopf winden als Kranz.28
37 Ich würde ihm über die Zahl meiner Schritte Auskunft geben, wie ein Fürst würde ich ihm nahen.
38 Wenn gegen mich mein Ackerboden Anklage erhob29 und seine Furchen miteinander weinten,
39 wenn ich seinen Ertrag, ohne zu bezahlen30, verzehrt habe und die Seele seiner Besitzer31 zum Keuchen brachte,
40 dann soll statt Weizen Dorngestrüpp hervorkommen und anstelle von Gerste Unkraut!32 Zu Ende sind die Worte Hiobs.
1 Andere lesen mit Textänderung: geschlossen, nie . . . lüstern zu blicken.
2 o. Unschuld; o. Lauterkeit
3 o. wenn irgendetwas an meinen Händen kleben geblieben ist
4 o. Und das wäre eine Schandtat, und diese ist eine Schuld für die Richter
5 o. bis zum Ort des Verlorenseins; d. i. die Welt der Toten; hebr. Abaddon
6 Andere lesen mit Textänderung: verbrennen
7 T.; Mas. T.: ihn
8 w. als eine, die aus dem Leib meiner Mutter ist,
9 d. i. die Witwe
10 o. umkam
11 w. von der Schur
12 d. h. vor Gericht durch einen Verwandten mit Beistand rechnen konnte
13 Das "wenn" leitet einen Schwursatz ein, dessen zweite Hälfte, der Hauptsatz, meist nicht ausgesprochen wurde. Zum ausgeführten Hauptsatz nach dem Schwursatz vgl. V. 8.10.22.40.
14 Das "wenn" leitet einen Schwursatz ein, dessen zweite Hälfte, der Hauptsatz, meist nicht ausgesprochen wurde. Zum ausgeführten Hauptsatz nach dem Schwursatz vgl. V. 8.10.22.40.
15 o. dass meine Kraft so groß war
16 o. gefunden hatte
17 Das "wenn" leitet einen Schwursatz ein, dessen zweite Hälfte, der Hauptsatz, meist nicht ausgesprochen wurde. Zum ausgeführten Hauptsatz nach dem Schwursatz vgl. V. 8.10.22.40.
18 w. und meine Hand meinen Mund küsste; d. i. eine rituelle Geste im Gestirnskult zur Huldigung der Gottheiten
19 Das "wenn" leitet einen Schwursatz ein, dessen zweite Hälfte, der Hauptsatz, meist nicht ausgesprochen wurde. Zum ausgeführten Hauptsatz nach dem Schwursatz vgl. V. 8.10.22.40.
20 T.; Mas. T.: und mich aufraffte
21 Das "wenn" leitet einen Schwursatz ein, dessen zweite Hälfte, der Hauptsatz, meist nicht ausgesprochen wurde. Zum ausgeführten Hauptsatz nach dem Schwursatz vgl. V. 8.10.22.40.
22 w. gesagt
23 T.; Mas. T.: zum Weg hin
24 Das "wenn" leitet einen Schwursatz ein, dessen zweite Hälfte, der Hauptsatz, meist nicht ausgesprochen wurde. Zum ausgeführten Hauptsatz nach dem Schwursatz vgl. V. 8.10.22.40.
25 o. wie Menschen es tun
26 w. Brusttasche; gemeint ist die Innentasche am Brustschlitz des Beduinenhemdes
27 w. mein taw; taw ist der letzte Buchstabe des hebr. Alphabets und galt, unter eine Urkunde gesetzt, als Unterschrift und Beglaubigungszeichen
28 w. Wenn ich sie nicht auf meine Schulter höbe, sie mir als Kränze umbinden würde! - Der Satz ist eine hebr. Schwurformel, deren zweite Hälfte nicht ausgesprochen wurde.
29 o. um Hilfe rief
30 w. seine Kraft ohne Geld
31 Andere üs.: die Seele seiner Arbeiter
32 Die Verse 38-40 standen ursprünglich wohl hinter V. 34, so dass die Rede Hiobs mit den Versen 35-37 endete.
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