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Elberfelder Bibel

Hiobs Antwort: Wohlergehen der Gottlosen - Gottes Willkür im Austeilen von Glück und Unglück - Kein Gericht über die Gottlosen

1 Und Hiob antwortete und sagte:
2 Höret, hört meine Rede! Das wäre wahrer Trost von euch!
3 Ertragt mich, dann will ich reden, und nachdem ich geredet habe, magst du spotten1.
4 Trage ich mein Anliegen2 etwa einem Menschen vor? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?
5 Wendet euch zu mir und schaudert und legt die Hand auf den Mund!
6 Ja, wenn ich daran denke, so bin ich bestürzt, und Erbeben packt mein Fleisch.
7 Warum leben die Gottlosen, werden alt, nehmen gar noch zu an Macht?
8 Ihre Nachkommen stehen fest vor ihnen so gut wie sie, und ihre Sprösslinge3 sind vor ihren Augen.
9 Ihre Häuser haben Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute4 ist nicht über ihnen.
10 Sein Stier bespringt und verfehlt nicht, seine Kuh kalbt ohne Fehlgeburt.
11 Ihre Buben schicken sie aus wie eine Schafherde, und ihre Kinder hüpfen umher.
12 Sie5 erheben ihre Stimme bei6 Tamburin und Zither und sind fröhlich beim Klang der Flöte.
13 Im Glück genießen sie ihre Tage, und in Ruhe sinken sie in den Scheol hinab7.
14 Und doch sagen sie zu Gott: Weiche von uns! Und an der Erkenntnis deiner Wege haben wir kein Gefallen.
15 Was ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten, und was hilft es uns, dass wir mit Bitten in ihn dringen?
16 Siehe, steht nicht ihr Glück in ihrer Hand?8 Der Rat der Gottlosen sei fern von mir9!
17 Wie oft erlischt denn die Leuchte der Gottlosen und kommt über sie ihr Verderben, wie oft teilt er Vernichtung zu in seinem Zorn?
18 Wie oft denn werden sie wie Stroh vor dem Wind und wie Spreu, die der Sturmwind entführt?
19 Bewahrt Gott sein Unheil auf für seine Kinder10? Er vergelte ihm selbst11, dass er es fühle12!
20 Seine eigenen Augen sollen seinen Verfall sehen, und vom Zorn des Allmächtigen trinke er!
21 Denn was liegt ihm an seinem Haus nach ihm, wenn die Zahl seiner Monate zu Ende ist13?
22 Kann man Gott Erkenntnis lehren, ihn, der selbst die Erhabenen14 richtet?
23 Dieser stirbt in seiner Vollkraft, ganz ungestört und ruhig.
24 Seine Schenkel15 sind voll Fett16, und das Mark seiner Gebeine ist wohlgetränkt.
25 Und jener stirbt mit bitterer Seele und hat nichts vom Glück genossen.
26 Zusammen liegen sie im Staub, und Gewürm deckt sie zu.
27 Siehe, ich erkenne eure Gedanken, und die Anschläge, die ihr gegen mich ersinnt.
28 Denn ihr sagt: Wo ist das Haus des Edlen17 und wo das Zelt, die Wohnung der Gottlosen?
29 Habt ihr die nicht befragt, die des Weges vorüberziehen? Und habt ihr ihre Zeichen nicht genau betrachtet:
30 dass der Böse am Tag des Verderbens verschont wird, dass sie am Tag des Grimms18 in Sicherheit geleitet werden?
31 Wer wird ihm ins Gesicht seinen Weg vorhalten? Und hat er gehandelt, wer wird ihm vergelten?
32 Er aber, er wird zu den Gräbern geleitet, und auf dem Grabhügel hält man Wache.
33 Süß sind ihm die Schollen des Tales. Und alle Welt zieht hinter ihm her, auch vor ihm ohne Zahl.
34 Wie tröstet ihr mich nun mit Dunst? Und von euren Einwänden bleibt nur Trug übrig.
1 Eine griech., die syr. Üs. und Vulg. lesen: mögt ihr spotten; LXX: werdet ihr nicht spotten
2 o. was mich umtreibt; o. meine Klage
3 o. deren Sprösslinge; d. h. die Enkel der Gottlosen
4 o. Gottes Herrscherstab
5 d. h. die Gottlosen
6 so mit den alten Üs. und vielen hebr. Handschr.; Mas. T.: wie
7 so mit den alten Üs.; Mas. T.: und in Ruhe sind sie erschrocken vor dem Scheol, o. nur eine Zeit lang . . .
8 o. Siehe, ihr Glück steht nicht in ihrer Hand. - LXX: steht in ihrer Hand
9 LXX: von ihm; d. h. von Gott
10 d. h. für die Kinder des Gottlosen
11 d. h. dem Gottlosen
12 w. dass er es erkenne
13 o. weggewischt ist; o. ohnehin knapp bemessen ist
14 d. h. die himmlischen Wesen
15 T.; die Bedeutung des Wortes im Mas. T. ist umstritten; LXX und Vulg.: Seine Eingeweide; andere vermuten: Seine Tröge
16 So verstehen LXX, Vulg. und die syr. Üs. das hebr. Wort. Die Masoreten deuten es als Milch.
17 Wegen des Parallelismus ist das Wort "Edler" hier negativ aufzufassen, etwa im Sinne von "Tyrann" wie z. B. Kap. 12,21.
18 w. der Zornesfluten
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