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Elberfelder Bibel

Klage über Gottes Verhalten in der schweren Heimsuchung

1 Es ekelt mich1 vor meinem Leben. Ich will meinen Kummer2 von mir lassen, will reden in der Bitterkeit meiner Seele.
2 Ich sage zu Gott: Verdamme mich nicht! Lass mich wissen, warum du mich vor Gericht ziehst!
3 Ist das gut für dich3, dass du Unterdrückung übst, dass du die Arbeit deiner Hände verwirfst und dein Licht über dem Rat der Gottlosen leuchten lässt?
4 Hast du Menschenaugen4, oder siehst du, wie ein Mensch sieht?
5 Sind deine Tage wie die Tage eines Menschen oder deine Jahre wie die Tage eines Mannes,
6 dass du nach meiner Schuld suchst und nach meiner Sünde forschst,
7 obwohl du weißt, dass ich nicht schuldig bin, und niemand da ist, der aus deiner Hand retten kann?
8 Deine Hände haben mich ganz gebildet und gestaltet um und um, und nun verschlingst du mich5!
9 Bedenke doch, dass du mich wie Ton gestaltet hast! Und jetzt willst du mich zum Staub zurückkehren lassen!
10 Hast du mich nicht hingegossen wie Milch und wie Käse mich gerinnen lassen?
11 Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten.
12 Leben und Gnade hast du mir gewährt6, und deine Obhut bewahrte meinen Geist.
13 Doch dies verbargst du in deinem Herzen, ich habe erkannt, dass du dies im Sinn hattest7:
14 Wenn ich sündigte, so würdest du mich beobachten und mich nicht von meiner Schuld freisprechen.
15 Wenn ich schuldig wäre - wehe mir! Und wäre ich im Recht, dürfte ich mein Haupt doch nicht erheben, gesättigt mit Schande und getränkt mit Elend8.
16 Und richtete es sich auf, wie ein Löwe würdest du mich jagen und dich wieder als wunderbar an mir erweisen9.
17 Du würdest neue Zeugen gegen mich aufstellen10 und deinen Zorn über mich vergrößern. Ein ständig sich ablösendes Heer kämpft gegen mich11.
18 Warum hast du mich aus dem Mutterleib hervorgezogen? Wäre ich doch umgekommen, so hätte mich kein Auge gesehen!
19 Als wenn ich nie gewesen, so wäre ich dann; vom Mutterschoß wäre ich zu Grabe geleitet worden!
20 Sind meine Tage nicht nur noch wenige? Er lasse doch ab, wende sich von mir, dass ich ein wenig fröhlich werde,
21 ehe ich hingehe - und nicht wiederkomme - in das Land der Finsternis und des Todesschattens,
22 in das Land, schwarz wie die Dunkelheit, das Land der Finsternis - da ist keine Ordnung -, und selbst das Hellwerden ist dort wie Dunkelheit!
1 w. Es ekelt meine Seele
2 o. mein Anliegen
3 o. Nützt es dir
4 w. Augen des Fleisches
5 o. in Anlehnung an LXX und syr. Üs.: Deine Hände haben mich gebildet und gemacht, und danach wendest du dich um und verschlingst mich
6 o. an mir bewirkt
7 w. dass dieses bei dir war
8 T.; Mas. T.: gesättigt mit Schande und siehe mein Elend
9 d. h. so handeln, dass ich es nicht verstehen kann
10 w. deine Zeugen gegen mich erneuern
11 w. Ablösungen und ein Heer gegen mich. - LXX: Heerscharen hast du gegen mich geführt
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