Hilfe

Rev. Elberfelder

Fading

Klage des Propheten über sein und des Volkes Elend - Anerkenntnis der Treue Gottes - Aufruf zum Sündenbekenntnis - Bitte um Rettung und Vergeltung an den Feinden

1 Ich bin der Mann, der Elend sah durch die Rute seines Grimmes.
2 Mich trieb er weg und ließ mich gehen in Finsternis und ohne Licht.
3 Nur1 gegen mich wendet er immer wieder seine Hand, jeden Tag.
4 Verfallen ließ er mein Fleisch und meine Haut, zerbrach meine Knochen,
5 umbaute und umgab mich mit Gift und Mühsal.
6 Er ließ mich wohnen in Finsternissen, wie die Toten der Urzeit2.
7 Er ummauerte mich, dass ich nicht herauskann; er legte mich in schwere, bronzene Ketten3.
8 Auch wenn ich schrie und um Hilfe rief, verschloss er sein Ohr vor meinem Gebet.
9 Er vermauerte meine Wege mit Quadersteinen, kehrte meine Pfade um4.
10 Ein lauernder Bär war er mir, ein Löwe im Versteck.
11 Er ließ mich vom Weg abirren5, zerfleischte mich6 und machte mich menschenleer7.
12 Er spannte seinen Bogen8 und stellte mich hin als Ziel für den Pfeil.
13 Er ließ in meine Nieren dringen die Söhne seines Köchers.
14 Ich wurde meinem ganzen Volk9 zum Gelächter, ihr Spottlied bin ich jeden Tag.
15 Er sättigte mich mit bitteren Kräutern und tränkte mich mit Wermut.
16 Und er ließ auf Kies meine Zähne beißen10, er trat mich nieder in den Staub.
17 Du verstießest11 meine Seele aus dem Frieden12, ich habe vergessen, was Glück13 ist.
18 Und ich sagte: Verloren ist mein Glanz14 und meine Hoffnung auf den HERRN15.
19 An mein Elend und meine Heimatlosigkeit zu denken, bedeutet Wermut und Gift!
20 Und doch denkt und denkt meine Seele daran und ist niedergedrückt in mir.
21 Doch dies will ich mir in den Sinn zurückrufen, darauf16 will ich hoffen:
22 Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende17, ja, sein Erbarmen hört nicht auf,
23 es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue.
24 Mein Anteil18 ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.
25 Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt.
26 Es ist gut, dass man schweigend hofft19 auf die Rettung des HERRN.
27 Gut ist es für den Mann, wenn er das Joch in seiner Jugend trägt.
28 Er sitze einsam und schweige, wenn er es ihm auferlegt.
29 Er lege seinen Mund in den Staub20, vielleicht gibt es Hoffnung.
30 Er biete dem, der ihn schlägt, die Wange, sättige sich an Schmach.
31 Denn nicht für ewig verstößt der Herr,
32 sondern wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Gnadenerweise.
33 Denn nicht von Herzen demütigt21 und betrübt er die Menschenkinder.
34 Dass man alle Gefangenen des Landes unter seinen Füßen zertritt,
35 dass man das Recht eines Mannes beugt vor dem Angesicht des Höchsten,
36 dass man einen Menschen irreführt in seinem Rechtsstreit - sollte der Herr es nicht sehen?
37 Wer ist es, der da sprach, und es geschah - und der Herr hat es nicht geboten?
38 Kommt nicht aus dem Mund des Höchsten das Böse und das Gute hervor?
39 Was beklagt sich der Mensch, der noch am Leben ist22, was beklagt sich der Mann über seine Sündenstrafe?23
40 Prüfen wollen wir unsere Wege und erforschen und umkehren zu dem HERRN!
41 Lasst uns unser Herz samt den Händen erheben24 zu Gott im Himmel!
42 Wir, wir haben die Treue gebrochen und sind widerspenstig gewesen; du aber, du hast nicht vergeben.
43 Du hast dich in Zorn gehüllt und hast uns verfolgt; du hast uns umgebracht ohne Mitleid.
44 Du hast dich in eine Wolke gehüllt, so dass kein Gebet hindurchdrang.
45 Du hast uns zum Kehricht und zum Ekel gemacht mitten unter den Völkern.
46 Alle unsere Feinde reißen ihren Mund über uns auf.
47 Grauen und Grube sind uns zuteilgeworden, Untergang und Zusammenbruch.
48 Wasserbäche lässt mein Auge fließen25 wegen des Zusammenbruchs der Tochter meines Volkes.
49 Mein Auge ergießt sich und kommt nicht zur Ruhe, tränt unaufhörlich,
50 bis der HERR vom Himmel herunterschaut und hinsieht.
51 Mein Auge schmerzt mich26 wegen all der Töchter meiner Stadt.
52 Wie einen Vogel jagten und jagten mich jene, die grundlos meine Feinde sind.
53 Sie stürzten mein Leben in die Grube27 und warfen Steine auf mich.
54 Wasser strömte über mein Haupt. Ich sagte mir: Ich bin vom Leben abgeschnitten!
55 Da rief ich deinen Namen an, HERR, aus der Grube tief unten.
56 Du hast meine Stimme gehört. Verbirg dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, meinem Schreien28!
57 Du nahtest an dem Tag, als ich dich anrief; du sprachst: Fürchte dich nicht!
58 Du hast, Herr, meinen Rechtsstreit geführt29, hast mein Leben erlöst.
59 Du, HERR, hast meine Entrechtung30 gesehen. Verhilf mir zu meinem Recht31!
60 Du hast gesehen all ihre Rachgier, alle ihre Pläne gegen mich.
61 Gehört hast du ihr Schmähen, HERR, alle ihre Pläne32 gegen mich,
62 das Gerede derer, die gegen mich aufgetreten sind, und ihren Spott über mich den ganzen33 Tag.
63 Ihr Sitzen und ihr Aufstehen schau dir an! Ich bin ihr Spottlied.
64 Übe an ihnen Vergeltung, HERR, nach dem Werk ihrer Hände!
65 Gib ihnen Verblendung des Herzens34! Dein Fluch komme über sie!
66 Jage ihnen nach im Zorn und rotte sie aus unter dem Himmel des HERRN!
1 o. Fürwahr; o. Ja
2 Das kann bedeuten: gleich den längst Verstorbenen, o. gleich den für ewig Toten
3 w. er machte meine Bronze schwer
4 d. h. er hat meine Pfade ungangbar gemacht, o. er ließ mich krumme Wege gehen
5 o. versperrte mir den Weg mit Dornen
6 Eine griech. Üs. liest: und er lähmte mich
7 o. öde
8 w. Er trat seinen Bogen; d. h. um ihn zu krümmen
9 d. h. den Bewohnern von Jerusalem; viele hebr. Handschr. und 4 Handschr. von LXX überliefern: allen Völkern
10 w. sich zerreiben
11 LXX: Er verstieß; Vulg. und die syr. Üs.: Es ist verstoßen
12 o. aus dem Wohlergehen
13 o. Gutes
14 Andere üs. mit Textänderung: Vertrauen
15 o. und meine Hoffnung ist fern von dem HERRN
16 o. deshalb
17 so mit einer hebr. Handschr., der syr. und aram. Üs.; Mas. T.: Die Gnadenerweise des HERRN sind es, dass wir nicht zu Ende sind
18 w. Losanteil. - Der Begriff wird ursprünglich im Zusammenhang mit der Verlosung des Landes durch Josua verwendet und steht dann allgemein für den Landbesitz der Stämme und des Einzelnen.
19 w. dass man hofft, und zwar schweigend,
20 d. h. er schweige
21 o. erniedrigt
22 d. h. vom Unglück nicht tödlich getroffen wurde
23 o. er werde Herr über seine Sünden
24 Andere üs. mit veränderter Vokalisierung: Lasst uns unsere Herzen, nicht unsere Hände erheben
25 w. In Wasserbächen geht mein Auge nieder
26 w. Mein Auge tut meiner Seele weh
27 o. Sie brachten in der Grube mein Leben zum Schweigen
28 so mit LXX; Mas. T.: Verbirg dein Ohr nicht - zu meiner Erleichterung - vor meinem Schreien!
29 w. Du strittest, Herr, die Rechtsstreite meiner Seele
30 o. Unterdrückung
31 w. Entscheide (richte) mein Recht. - Andere üs. mit Textänderung: Du hast mir zu meinem Recht verholfen.
32 Andere lesen mit Änderung eines Buchstabens: Verleumdungen
33 o. jeden
34 o. Du wirst an ihnen Vergeltung üben . . . Du wirst ihnen Verblendung . . . geben usw.
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